# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S109 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von der einem Prediger höchst nöthigen Vorsicht in seinem Wandel. 109 2 Cor. 6, 3. Um den Nachdruck dieser Ermahnung um so gründlicher einzusehen, müssen wir sie in ihrem Zusammenhange mit dem, was ihr voran geht und auf sie folgt, auffassen. Zuvor ermahnt der heil. Apostel die corinthische Gemeinde, die Gnade Gottes nicht vergeblich zu empfangen, und zwar thut er das, als ein Mithelfer d. h. als Gottes Gehülfe an dem Werke ihrer Seligkeit. Wir, will er sagen, lehren und vermahnen, aber Gott gibt inwendig durch den Geist den Segen und Gedeihen. Gott ist inwendig der rechte Meister, der das Beste thut und wir helfen und dienen ihm dazu auswendig mit dem Predigtamt. Wer wollte eines solchen Mithelfers Ermahnung gering achten, da Gott durch sie redet und wirket? Dazu setzt er: jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. So nennt er die Zeit des neuen Testaments, die mit der Predigt des Evangeliums angebrochen ist, in welcher er allen Zorn und Strafe fahren lässet und alle Gnade und Hülfe anbeut. Wenn diese selige Zeit recht erkannt wird, da wird das menschliche Herz fröhlich und willig, alles zu thun und zu leiden, wozu der Ungläubige keine Lust und Kraft hat. Die Gnade Gottes aber vergeblich empfangen, heißt nichts anderes, als das reine Wort Gottes, darin Gottes Gnade angeboten wird, gerne hören, aber sich dessen nicht annehmen und bleiben, gleich wie vorhin. Darauf nun folgen unmittelbar die Worte: Lasset uns aber Niemand irgend ein Aergerniß geben. Wer also ein Aergerniß gibt, empfängt die Gnade Gottes vergeblich, erkennt die angenehme Zeit nicht, ja verachtet Gott, der durch seine Mithelfer zu uns redet und in uns wirket. Nicht minder geht aus den Worten, welche folgen, der Nachdruck der apostolischen Vermahnung hervor: sondern in allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes. Ein Diener Gottes ist ein anderer Mensch geworden; er siehet in seinem Wandel vor den Menschen nicht darauf, was ihm selbst gefällt, nützt oder bequem ist, sondern was seinem Herrn, dessen Diener er ist, wohlgefällt. Ein Unchrist lebet nach seinem eigenen Sinne und wenn er am besten lebt, so hat er doch keine Ahnung von jener heiligen Sorgfalt, die nur Gottes Wohlgefallen und Ehre und seines Nächsten Erbauung sucht. Ein Diener Gottes hat ein zartes Gewissen und einen brünstigen Eifer, alles zu thun, zu leiden und zu meiden, damit nur seines Herrn Ehre ungekränkt bleibe, vielmehr sein Ruhm je weiter ausgebreitet werde. Nach diesen vorbereitenden Bemerkungen fragen wir, was es heißt: ein Aergerniß geben. Es heißt Ursache und Gelegenheit zum Fallen, zum Abfall vom Glauben geben. Es mag gegeben werden beides durch falsche Lehre und böses Leben, wodurch ein im Glauben stehender Mensch am Glauben irre werden oder ein Ungläubiger verhindert werden mag, zum Glauben zu gelangen. Daß der Apostel hier vorzugsweise vom Aergerniß des bösen Lebens redet, geht aus dem Zusammenhange hervor. So groß auch der Welt Aergerniß ist, um dessentwillen Christus das Wehe über sie ausruft, so nimmt sich doch hier der Apostel nicht vor, die Welt darüber zu strafen. Er hat hier nur die Christen im Auge und denen bindet er es scharf ein, sich zu