# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S107 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Osterpredigten. 107 noch besser jährlich mit einer dieser Episteln und einem evangel. Texte abzuwechseln, z. B. mit dem Evangelium am dritten Ostertage oder mit dem am Ostermittwoch Joh. 20, 11 f., wovon Dr. Luther kurz in der zweiten Predigt der Hauspostille, ausführlich aber in der dritten Predigt der Kirchenpostille gehandelt hat, welche letztere wahrscheinlich nur eine Ueberarbeitung einer im J. 1531 gehaltenen Predigt ist. (W. 12, 1784. E. 17, 82.) Bei den Evangelien auf die sechs Sonntage nach Ostern zeigt sich abermals die unübertroffene Meisterschaft der alten Kirche in der Textwahl; denn sie sind deßhalb meistens aus den Abschiedsreden Christi genommen worden, um die Erfüllung alles dessen nachzuweisen, was darin Christus von seinem Tod und Auferstehen seinen Jüngern vorher verkündigt hat. So predigt uns Miser. Dom., daß Christus sein Leben für die Schaafe lassen, d. i. leiden und sterben, aber auch von den Todten auferstehen mußte, weil er noch andere Schaafe herzuzuführen hatte bis an der Welt Ende. Nächstdem legen alle diese Evangelien Zeugniß von dem christlichen Predigtamt ab, wodurch uns heute noch wie einst durch die Predigt Christi, der Engel und Apostel der Tod und die Auferstehung Christi als überschwängliche Gaben ausgetheilt werden, damit wir uns dieselben durch den Glauben, welchen der h. Geist durch solches Wort wirkt, festiglich aneignen und seliglich genießen mögen. Quasimodogeniti zeugt von der Einsetzung des christlichen Predigtamts als einer Frucht des Todes und der Auferstehung Christi und insonderheit von der Stiftung des h. Schlüsselamts. Misericordias Domini lehrt die rechte Führung des christlichen Predigtamts nach dem Vorbild Christi des guten Hirten im Gegensatz gegen Miethlinge und Wölfe. Jubilate verheißt den Gläubigen die Verwandlung ihrer Traurigkeit in Freude durch das Wiedersehen Christi und durch die rechte Erkenntniß Christi. Cantate zeigt die verschiedenen Wirkungen des h. Geistes an der Welt und an den Gläubigen, die überall erfolgen werden, wo das Wort des Evangeliums lauter und rein gepredigt wird. Rogate bezeugt die Nothwendigkeit und Kraft des Gebets, um dem Vorbild der heilsamen Lehre in allen Stücken gehorsam zu werden. Exaudi verheißt allen rechten Zeugen Christi den siegreichen Beistand des h. Geistes in allen Verfolgungen. Es bedarf wohl kaum der Erinnerung, daß fleißige Prediger außer den Postillen auch noch die sogenannten vermischten Predigten über diese Evangelien, namentlich auch die „einem guten Freunde zur Vorschrift gegebenen“, besonders aber die unerschöpfliche Fundgrube in der Auslegung von Joh. c. 14—16. gern benutzen werden. Endlich noch Einiges über gewisse Bibelabschnitte für die Zeit von Ostern bis Himmelfahrt, über welche man Sonntags Nachmittags oder in der Woche predigen soll. Dr. Luther empfiehlt dafür