# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S106 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 106 Ueber Osterpredigten. gange von dem traurigen Charfreitagsbild zum fröhlichen Osterbild, wobei die Höllenfahrt durch das altkirchliche und tröstende Bild Christi mit der Siegesfahne, wie er die Hölle erstürmt ꝛc. erläutert und das Nöthigste von der Lehre und Trost hinzugefügt werde. Dasselbe kann auch bei Erwähnung der Stelle Col. 2, 14. 15. (s. die erste Pred. d. H. P.) geschehen. Oder man behandelt das alles ausführlicher in einem besondern Theile, oder man hält darüber Nachmittags eine besondere Predigt z. B. über Apostelg. 2, 22—32. Am rathsamsten ist es, mit diesen drei Weisen alljährlich abzuwechseln. Zur Vorbereitung ist besonders die Predigt Dr. Luthers zu empfehlen, die er im Jahre 1532 in Wittenberg am Osterabend gehalten hat, die sich aber nur in der Rörer⸗Poach'schen Ausgabe der Hauspostille besindet. Mit dieser Predigt stimmt oft wörtlich diejenige überein, welche Dr. Luther im J. 1533 in Torgau gehalten hat, auf die sich die Concordienformel Art. 9 beruft. (W. 10, 1354. E. 20, 127 drittes Stück.) Nächst dem sind die Auslegungen der einzelnen Beweisstellen zu benutzen z. B. Ps. 16, 10., wobei ein Vergleich der früheren und späteren Arbeiten Dr. Luthers eine große Zunahme in der Erkenntniß wahrnehmen läßt, ferner Ps. 68, 19. vgl. mit Ephes. 4, 8—10. (s. auch die Himmelfahrtspredigt über diesen Text in der Hauspostille), endlich Hos. 13, 14. 1. Petr. 3, 18—20. und 2 Petr. 2, 4. Die Höllenfahrt klingt auch in mehreren alten Osterliedern durch, namentlich fingt davon gar kräftig eines der ältesten Kirchenlieder aus dem sechsten Jahrhundert: Also heilig ist der Tag ꝛc. Endlich deuten darauf auch die Worte in der Ostercollecte hin, daß uns Christus von der Gewalt des Teufels erlöst habe. Ueber das zweite Osterevangelium haben wir außer den beiden Predigten in beiden Postillen, nur noch zwei von Dr. Luther gehaltene; die eine vom Jahre 1530 und die andere vorgeblich vom Jahre 1537, wahrscheinlich aber aus einer weit früheren Zeit. (W. 12, 2066. 1028. 18, 109.80.) Das Evangelium am Osterdienstage, der an den meisten Orten nicht mehr gefeiert wird, sollte doch billig auch bisweilen ausgelegt werden, entweder am zweiten Feiertage, Wochen⸗ oder in einem der nächsten Nebengottesdienste. Ueberhaupt wäre es zu wünschen, daß die Evangelien am dritten Tage der hohen Feste, desgleichen auf die Sonntage nach Christtag und Beschneidung, so wie für die letzten Epiphanias- und Trinitatis⸗Sonntage, wenn diese selbst ausfallen, in der nächsten Zeit vor⸗ oder nachher ausgelegt würden, damit die Schätze der evangelischen Pericopen, welche die alte Kirche mit so großer Weisheit für diese Tage vorgeschrieben hat, nicht mit denselben verloren gehen oder doch verborgen bleiben. Den bekannten Episteln für die drei Osterfeiertage ist noch die aus Col. 3, 1—7 hinzuzufügen, die nach Dr. Luthers Bemerken in der Kirchenpostille auch mag am Osterdienstag gelesen werden. Da nun der Hauptzweck der 2. und 3. Epistel (Apostelg. 10 und 13.) wie oben erwähnt, mit dem der Evangelien übereinkommt, so würde ich rathen, für die beiden Nachmittagspredigten entweder bei 1 Cor. 5. und Col. 3. zu bleiben, oder