# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S105 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 105 (Eingesandt von Past. Keyl.) Ueber Osterpredigten. Unter Osterpredigten verstehe ich hier nicht blos die eigentlichen Festpredigten über die Pericopen, sondern auch die Predigten über die Evangelien an den sechs Sonntagen nach Ostern und endlich die Predigten über gewisse andere Bibelabschnitte, die sich für die Osterzeit eignen. Der Hauptzweck aller Festpericopen ist der, zu zeigen, daß die Auferstehung Christi allein durchs Wort ausgetheilt und allein durch den Glauben gefaßt wird. Das lehrt uns die erste Osterpredigt des Engels am offenen Grabe des auferstandenen Lebensfürsten und die Glaubensschwäche der frommen Zuhörerinnen. Das lehrt uns die Predigt, welche Christus den beiden trauernden Jüngern auf dem Wege nach Emmaus hielt und die schnelle Verwandlung ihrer Traurigkeit in Freude. Das lehrt uns Christi Predigt am Osterabende in der Mitte seiner Jünger und derer die bei ihnen waren, die erst vor Furcht und Freude nicht glaubten. Während nun die Evangelien vorzugsweise die Geschichte der Auferstehung Christi berichten, so zeigen die Episteln die Kraft und den Nutzen derselben, nämlich wie wir Christen täglich Ostern halten sollen, wie die Predigt St. Petri in Cösarea vor Cornelius und den Seinen in den Heiden und wie die Predigt des Apostels Paulus in der Schule zu Antiochien in den gottesfürchtigen Juden kräftig geworden ist (Apost. Gesch. 13, 43.). Bei dem ersten Osterevangelium sind außer je drei Predigten in Dr. Luthers Postillen noch besonders die beiden Predigten zu benutzen, die derselbe im Jahre 1530 in Coburg gehalten hat (Walch'sche Ausg. 12, 2040. Erl. Ausg. 18, 88.) sowie der Sermon am Ostertage vom Jahre 1516, der eine harmonische Zusammenstellung der Ostergeschichte enthält. (W. A. 12, 2200. E. A. latein.) Obgleich nun der Inhalt dieses Evangeliums so reich ist, daß man denselben nach Dr. Luthers Vorgange füglich auf zwei Predigten vertheilen kann, so sollte doch dabei auch noch und zwar vor allem von dem hochwichtigen und trostreichen Artikel unsers Glaubens, daß Christus zur Höllen niedergefahren sei, gepredigt werden, wovon die meisten Zuhörer wenig oder nichts wissen und daher in der Anfechtung eines gewaltigen Trostes entbehren. Im großen Katechismus am Schlusse des zweiten Artikels werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß die Auslegung der einzelnen Stücke beider Stände Christi nicht in die kurzen Kinder⸗ oder Katechismuspredigten, sondern in die großen Predigten, auf die Zeiten des Kirchenjahres gehören, die dazu geordnet sind, einen jeglichen Artikel in die Länge zu handeln, wozu natürlich auch der von der Höllenfahrt gehört. Weil wir nun dazu jetzt keine Gelegenheit am Osterabende oder am sogenannten heiligen Abend haben, was eigentlich die rechte Zeit für diese Predigt wäre, so müssen wir den Unterricht darüber mit einer der Osterpredigten verbinden. Dieß kann nun kurz zu Anfang der Predigt über das Evangelium geschehen und zwar bei dem Ueber⸗