# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S104 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 104 Von der Kirchensprache. willen selbst beschränkt.—Christus hat im Stande der Erniedrigung die Allwissenheit noch nicht besessen.—Christi Menschheit hat die göttlichen Eigenschaften mit dem Stande der Erhöhung empfangen.—Christus hat sich durch sein heiliges Leben und unschuldiges Leiden und Sterben die Erhöhung verdient.—Christus war, sofern er ein Mensch war, schuldig, das Gesetz zu erfüllen.—Christus konnte auch sündigen oder in Sünde fallen, aber er wollte nicht.—Christus ist nach der menschlichen Natur die Allmacht.—Christi Menschheit ist Gott.—Christus war schon im Stande der Erniedrigung allen Creaturen gegenwärtig und regierte, zur Rechten Gottes sitzend, über Himmel und Erde, gleich wie im Stande der Erhöhung, allein mit dem Unterschied, daß er diese Majestät heimlich hielt oder verbarg.—Die göttlichen Eigenschaften sind mit der Menschwerdung des Sohnes Gottes wesentliche Eigenschaften der menschlichen Natur Christi und diese der göttlichen gleich geworden. Das Gebet, das Amt, die Kirche, die Buße, die Wachsamkeit ꝛc. sind Gnadenmittel. Die Taufe ist zur Seligkeit nicht nöthig.—Die Taufe ist zur Seligkeit unbedingt und schlechterdings nöthig.—Wer den Taufbund gebrochen und so die Taufgnade verloren hat, muß anstatt der Taufe auf dem Bret der Buße sich retten. Brod und Wein im heil. Abendmahl sind Unterpfänder und Versicherungen, daß man des Leibes und Blutes Christi theilhaftig wird. Zur Kirche gehören auch die Heuchler und Gottlosen.— Mit den meisten dieser Ausdrücke kann möglicherweise ein Lehrer einen erträglichen Sinn verbinden.**) Sie sind aber sämmtlich unkirchliche, dem Vorbilde der heilsamen Worte nicht gemäße Redeweisen, von denen dasselbe gilt, was Augustinus von dem schrieb, welcher das Wort „fatum“ in einem annehmbaren Sinne gebrauchen wollte: „Mentem teneat, linguam corrigat“ d. i. Wohlan, so behalte er den rechten Sinn, und bessere den Ausdruck. (De civit. Dei lib. 5. c. I.) **) Solcher Ausdrücke, wie sie den Rationalisten eigen sind: Die Lehre Jesu, die Religion JEsu, der Weise von Nazareth, den Pfad der Tugend wandeln, wir sollen tugendhafte Menschen sein, Tugend ist der Seele Leben, ein braver Mann, edler Stolz, ein Mann von Grundsätzen u. s. w., glauben wir hier keine Erwähnung thun zu müssen. Ebenso wenig der Ausdrücke der himmlischen Propheten, eines Carlstadt, Münzer u. A., welche z. B. folgende Worte gebrauchten, um damit die Stufen zu bezeichnen, auf denen man zur wahren Erkenntniß Gottes aufsteige: 1. Entgröbung. 2. Studirung, 3. Verwunderung. 4. Langeweile, 5. Besprengung. (Vgl. Gerhardi loc. de minist. § 251.) Eine vergebliche Mühe würde endlich auch sein, die unkirchlichen Redeweisen namhaft machen zu wollen, von denen die theologischen Werke der Gegenwart wimmeln; sie zeugen fast ausnahmelos von einer Revolution auf dem Gebiete der Kirchensprache, die an die babylonische Sprachverwirrung erinnert. Abgesehen von den der neueren monströsen Sprache zu Grunde liegenden Irrthümern, gilt von den meisten das Tritum: Si non vis intelligi, non debes legi: wer nicht deutlich und unmißverständlich schreiben will, verdient es nicht, gelesen zu werden.