# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S102 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 102 Von der Kirchensprache. erste Mal gedruckte s. g. Corpus doctrinae Julium, bekanntlich das Convolat derjenigen Symbole, welche in der lutherischen Kirche von Braunschweig⸗Lüneburg anerkannt sind. Nach wenigstens 17 erschienenen Auflagen der Regius'schen Schrift besorgte Feustking (Wittenberg 1710) eine neue. Die beste ist die von Mart. Silvester Grabe, der das Buch mit reichlichen Noten und einer Biographie Regius' ausgestattet (Wolfenbüttel 1714) herausgegeben hat. Schließlich lassen wir nun hier einen kleinen Catalog solcher Redearten folgen, die derjenige, welcher mit der rechtgläubigen Kirche reden will, zu vermeiden hat. Zu den unkirchlichen theils offenbar heterodoxen, theils sehr mißverständlichen und daher zu vermeidenden Redeweisen gehören u. a. folgende: Außer dem Gebrauch und wenn der heilige Geist nicht dazukommt, ist die heilige Schrift unkräftig und ein todter Buchstabe.*)—Wer selbst unbekehrt ist, kann noch weniger andere bekehren. Gott ist einfach im Wesen und dreifach in Personen.—Der Vater ist der Sohn.—Drei sind Einer.—Der Vater ist etwas anderes, als der Sohn und heilige Geist.—Der Vater hat den Sohn durch seinen Willen gezeugt.—Der Sohn Gottes ist vom Vater gezeugt in einem bildlichen Sinne.—Christi Fleisch gehört zu dem Wesen der heiligen Dreieinigkeit.**)—Der Sohn ist das Werkzeug, durch welches der Vater die Welt geschaffen hat ꝛc.—In Gott ist ein dreifacher Wille. Alles was geschieht, muß also geschehen. Gott ist oder wird zufällig und indirect Ursache der Sünde. Der Satan hat den von ihm verführten Menschen halbtodt†) lie⸗ *) Dieser Redeweise kommt es keineswegs zu statten, daß es in der Litanei heißt: „Deinen Geist und Kraft zum Worte geben.“ Denn hiermit wird Gott nicht angerufen, dem Wort die fehlende Kraft zu geben, sondern den Predigern und Zuhörern, daß es nehmlich recht gepredigt und gehört werde und so seine ihm inwohnende Kraft äußern könne. **) Ein ausgezeichnetes Muster der rechten Kirchensprache in Betreff des Geheimnisses der heil. Dreieinigkeit ist das athanasianische Glaubensbekenntniß, von welchem daher Luther zu Joel 3, 28. 29. schreibt: „Welches also gefasset ist, daß ich nicht weiß, ob seit der Apostel Zeit in der Kirche des Neuen Testaments etwas wichtigeres und herrlichers geschrieben sei.“ VI. 2314. †) Dr. Heinrich Müller schreibt über das Evangelium vom barmherzigen Samariter: „Was Christus hier sagt, das ist schier heutzutage ein Bild worden, das leget man parabolischer Weise aus von Adams Fall und Rechtfertigung. Den Anfang hat gemacht Origenes, in dessen Fußtapfen ist getreten Augustinus, und hat hernach das ganze Pabstthum diese Glosse angenommen. Daher kommt der Irrthum von den Kräften des freien Willens, welchen Pelagius auch vertheidiget hat. Diese Meinung ist einmal zuwider dem Zweck des Heilandes; er redet hier ja nicht, weder in vorhergehenden, noch in nachfolgenden Worten, von Adams Fall und Rechtfertigung, sondern von der Liebe, und will dem Schriftgelehrten vorstellen, wer sein Nächster sei. So läuft auch diese Erklärung wider die Regel des Glaubens; denn die Sünde hat uns in Adam nicht halb todt, sondern ganz todt geschlagen. Wir sind nicht nur an Kräften geschwächet, sondern ganz entkräftet.“ (S. Herzensspiegel.)