# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S99 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von der Kirchensprache. 99 gern mit ihr reden soll. Der erste ist dieser, damit er auch dadurch seine herzliche Einigkeit mit seiner geistlichen Mutter zu erkennen gebe, und sich auch dadurch zu ihr bekenne, hingegen von allen Häretikern, Schismatikern und selbstklugen Sonderlingen sich thatsächlich lossage und scheide. Und fürwahr, gäbe es sonst keine weiteren Gründe, so sollte schon dieser allein billig einem jeden rechtgläubigen Christen genügen, ihn zu bewegen, sich auch in dieser Beziehung der Kirche gleichförmig zu machen. Der heilige Apostel Paulus schreibt an seinen Timotheus: „Schäme dich nicht des Zeugnisses unseres HErrn, noch meiner, der ich sein Gebundener bin,“ 2 Tim. 1, 8. Sollte sich nun Timotheus der einzelnen Person Pauli nicht schämen, wie viel weniger sollen wir uns der ganzen rechtgläubigen und rechtbekennenden Kirche schämen! „Folgsamen Kindern kommt aber zu, sich auch der Stimme ihrer Mutter nicht zu schämen,“ wie Gerhard, unter der Mutter die Kirche meinend, bemerkt. Sich zur Kirche nicht bekennen wollen, ist nichts anderes, als sich zur Wahrheit nicht bekennen wollen. Wer es übrigens weiß, was es heiße, in einem heißen Kampfe allein stehen, und wer etwas von der Stärkung erfahren hat, die das im Kampfe gibt, wenn man weiß, daß man in demselben die ganze rechtgläubige Kirche hinter⸗ und neben sich hat und nur als eins von vielen tausend Gliedern kämpft, dem wird das thatsächliche Bekennen zur rechtgläubigen Kirche mehr ein köstliches Vorrecht, als eine ihm obliegende Pflicht sein. Der andere Grund, warum ein rechtgläubiger Christ mit der rechtgläubigen Kirche nicht nur glauben, sondern auch mit ihr reden soll, ist, weil er die Pflicht hat, die wichtigen Zwecke nicht zu hindern, sondern vielmehr an seinem Theile mitzufördern, welche die Kirche mit ihrer Art, von den geoffenbarten Wahrheiten zu reden, zu erreichen strebt. Der Hauptzweck der Kirchensprache ist aber, wie gesagt, daß keines ihrer Glieder durch die „süßen Worte und prächtigen Reden“ (Röm. 16, 18.) der Ketzer getäuscht und die ganze Kirche ohne Spaltungen in wahrer Einigkeit des rechten Glaubens erhalten werde. Daher denn auch der Apostel, an alle Christen sich richtend, schreibt: „Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, durch den Namen unsers HErrn JEsu Christi, daß ihr allzumal einerlei Rede führet (τὸ αὐτὸ λέγητε πάντες), und lasset nicht Spaltungen unter euch sein, sondern haltet fest an einander in Einem Sinn und in einerlei Meinung.“ 1 Cor. 1, 10. Hierzu gibt Balduin die Erklärung: „Er (der Apostel) befiehlt einerlei Rede und Einen Sinn anzunehmen. Denn das sind gleichsam die Quellen der Spaltungen, wenn man in Rede und Sinn sich nach niemand richten (singularis esse) will. Er ermahnt daher, 1. daß sie unter sich einerlei Rede führen d. h. daß sie in Sachen des Glaubens dieselben Redeweisen und termini (die den Rechtgläubigen eigenthümlichen Begriffsbezeichnungen) gebrauchen, damit sie durch die Neuheit ihrer Redeweisen anderen keinen Anstoß geben, mit denen sie vielleicht in der Sache selbst übereinstimmen.“ Balduin's Aphorismus über die angeführten Worte ist: „Durch zweierlei wird wahre Eintracht gepflanzt: durch einerlei reden