# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S96 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 96 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. derlichen Kampf gehen. Zuletzt werden wir doch vollen Sieg haben und Einigkeit in der Liebe“ ꝛc. — In der That, wenn man neben solchem Gerede nichts liest als Anathematismen gegen die preußische Union, so wird einem die Sache nachgerade wahrhaft widerlich. Was hilft alles Schreien wider die Union, wenn man im eignen Lager dieselbe hätschelt? O ihr alten treuen Zeugen jener Wahrheit, die nie ja und nein ist, wo seid ihr? — Elberfeld. Folgendes lesen wir in Ehler's Kirchenblatt vom 1. Dec. v. J.: „Der Pastor Feldner ist, nachdem ihm seine Bedenken schnell und vollständig gehoben worden, zu unserer Kirche übergetreten. Weil die Rückkehr und der Zutritt zur luth. Kirche in Elberfeld so ansehnlich ist, daß daselbst eine neue Parochie unserer Kirche gebildet werden kann, so wird P. Feldner wohl binnen Kurzem auf seinem bisherigen Arbeitsfelde als Pastor der luth. Kirche angestellt werden können.“ Das Osnabrücker Schulgesangbuch, dessen erste Auflage einen so großen Sturm weckte, ist nun in zweiter Auflage, nachdem die erste vergriffen war, etwas, doch nicht wesentlich, geändert, erschienen. Zufrieden mit der gemachten Concession, ist nun alles still. Die lutherische Gemeinde in der Capstadt, Südafrika, hat kürzlich vom hannöverschen Consistorium einen Lehrer für ihre aus etwa 150 Kinder bestehende Schule erlangt. Der Lehrer, Namens Clöver, sollte mit dem nächsten Hermannsburger Missionsschiff abgehen. Judenmission. Mit Recht schreibt das Sächsische Kirchen⸗ und Schul⸗Blatt vom 16. December, daß sich viele der Judenmission fern halten um der Art willen, wie sie betrieben wird. Daselbst heißt es u. A.: „In vielen Köpfen lebt jetzt die Anschauung von Israel als dem „„Adelsvolke““; eine Anschauung, welche der Schreiber dieser Zeilen freilich so lange für unevangelisch halten wird, bis ihm die Ueberzeugung wird beigebracht sein, daß diese Anschauung nicht streite mit Gal. 3, 27 f., wo der Apostel, welcher „„verbannet sein möchte von Christo um seiner Brüder willen““, ausdrücklich bezeugt: „„Wie viele eurer getauft sind, die haben Christum angezogen; hier ist kein Jude noch Grieche: ihr seid allzumal einer in Christo““; ja daß solche Ansicht nicht streite mit Röm. 9, 6.: „„Es sind nicht alle Israeliten, die von Israel sind.““ Doch sei das! Hat der Herr etwas Sonderliches vor mit den Brüdern aus Israel, so wird ja kein rechter Christ dazu scheel sehen, wenn Er so gütig ist. Aber das ist bedenklich, diese Dinge als eine Lockspeise zu brauchen, um Juden zu bekehren. Schon das macht dem Einsender einen befremdlichen Eindruck, daß Delitzsch in seiner warmen Vorrede zu „„Israels Weg zur Herrlichkeit, Lieder der Liebe in Israels Herz gesungen von Jul. Sturm““ (einem Kranz von Liedern, der gewiß empfohlen werden kann) Israel das Apostelvolk des Endes wie des Anfangs nennt und darin eine Ursache der Lahmheit in der Missionsthätigkeit sieht, weil man nicht zugleich Judenmission treibe. Noch mehr erregte es Staunen, daß er das Wort einer Jüdin, „„Niemand kann so inbrünstig, so dankbar lieben, wie ein Bekehrter unseres Volks““, billigend anführt, da es doch wahrlich nicht aus der Demuth geredet ist. Und wenn man oft sagt, die Inbrunst der bekehrten Juden müsse darum über alle andre groß sein, weil sie gerade erkennten, „„in welchen sie gestochen haben““, so muß ich mit bewegtem Herzen fragen: wer hat denn in unserer Zeit mehr Ursache zu der Selbstanklage, in den Herrn gestochen zu haben, im Haß gegen Christum auferzogene Juden, oder in Unterweisung des Evangelii aufgewachsene, aber abgefallene Christen? In noch viel höherem Grade hat aber Einsender den Eindruck des Unpassenden gehabt beim Lesen eines Tractats vom Pfarrer Blendinger in Gleisenau in Unterfranken, Sch'ma Israel. Auch hier, schicke ich voraus, ist viel Treffliches für Juden und Christen zu lesen. Aber woher weiß der Verfasser, daß Jesus der Messias, den sein Volk verworfen, den aber Gott auf den Thron der Herrlichkeit gesetzt und zu einem Gegenstand der Verehrung für die Heiden und ihre Könige gemacht hat, nunmehr Willens ist, sich seinem Eigenthumsvolke (?) als dessen König und Herr in Gnaden zu offenbaren? Zu den Zwischensätzen hat der Verfasser die biblischen Belegstellen beigebracht, zum Hauptsatze natürlich weggelassen. Was soll ferner das heißen, daß er zu den Juden sagt: die Heidenkirche bedarf eurer. Meines Wissens bedarf die Heidenkirche nur Eines Juden, des Löwen aus dem Stamme Juda, und den hat sie, gelobt sei Gott. Ich kann mir nicht helfen, wenn ich solches lese, möchte ich sagen: Liebe Herren, versündigt euch nicht an Israel selbst. Macht ihm den „„schmalen Weg““ nicht breit. Es mag Gott der Herr für die Bekehrten aus Israel eine noch so besondere Herrlichkeit bereitet haben (ich weiß es nicht, doch es sei!), das aber weiß ich, daß es für sie keine andere Bekehrung gibt, als für alle Anderen. Wer nicht sich dem Herrn — ich rede thörlich! — auf Gnade und Ungnade ergeben will, wer nicht mit der Gesinnung in's Reich Gottes eintreten mag: ich will lieber die Thür hüten in meines Gottes Hause ꝛc. und: wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde, sondern wer mit Prätensionen einer sonderlichen Adelsstellung eintreten will, der ist nicht geschickt zum Reiche Gottes, und wer durch solche Lockungen die Juden hereinrufen will, der meint es gewiß sehr gut, macht ihnen aber gerade die wahre Buße schwer, ja unmöglich.“