# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S95 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 95 im „Missionary“ erschienen, vollständig gab sie nun der „Standard“, und hieraus ergab sich nun, daß „Peter“ ein versteckter Freund der „Lehre und Wehre“ war. Die im „Missionary“ ausgelassene und nun im „Standard“ veröffentlichte Stelle gab nehmlich den Schlüssel. Das Ganze war nichts als eine gutmüthige Persiflage des „Observers“. Der „Missionary“ scheint aber die Sache ernst genommen und die den Schlüssel gebende Stelle nur für eine zweckwidrige Episode angesehen zu haben. Wenigstens nimmt der Redacteur darauf Rücksicht, erklärt, daß nicht nur „Peter“, der zu unserer Schule gehöre, sondern auch viele andere die Richtung, welche „Lehre und Wehre“ genommen habe, beklagen, daß der Geist unserer Monatschrift sich nicht verbessert (improved) habe und daß die Urtheile derselben nicht nur überaus lieblos, sondern auch zuweilen völlig einseitig und geradezu unwahr seien. Da nun der Herr Redacteur durch seinen argen Mißgriff sich schon selbst härter gestraft hat, als wir es ihm vermöge der Liebe, die uns durch Gottes Gnade beiwohnt, wünschen, so wollen wir alle Gegenbemerkungen gegen das über unsere Zeitschrift ausgesprochene Anathema unterdrücken und ihm selbst überlassen, über die Nemesis nachzudenken, die er selbst wider sich heraufbeschworen hat. Neuester Unsinn auf dem Gebiete prophetischer Speculation. — Der Lutheran Observer theilt den Inhalt von zwei neulich gehaltenen Vorlesungen von Rev. F. E. Pitts aus Nashville, Tenn., mit, worin derselbe erklärt, daß das fünfte große Reich des Daniel, der Stein in Nebukadnezar's Traum sowie der Sohn des Weibes im 12. Capitel der Offenbarung die amerikanische Nation sei, und daß die letzte große Schlacht von Armageddo im Mississippi⸗Thale gefochten werden wird und zwar von den Vereinigten Staaten und Frankreich einerseits, und Rußland mit dem übrigen Europa (außer Frankreich) andererseits, vor dem Jahre 1878. Dies soll von St. Johannes, Ezechiel, Daniel und Jesaja geweissagt sein. Da diese Ansicht, obgleich überaus toll, dem amerikanischen Nationalstolz schmeichelt, und vor 250,000 Zuhörern, namentlich im Süden, vorgetragen worden sein soll, so steht zu erwarten, daß sie sich in vielen Köpfen festsetzen wird. Von Zeitungen ist sie schon gerühmt worden, und auch der Observer, den neuerdings die Laune überkommen hat, in die prophetische Theologie zu pfuschen, scheint ein innerliches Behagen daran zu haben, ohne doch recht zu wissen, wie er dran ist, da er dieser wahnwitzigen Deutelei und der versuchten Begründung derselben durch Stellen heiliger Schrift eine und eine halbe seiner langen Spalten widmet, ohne auch nur ein Wort der Verwerfung auszusprechen. Wer sich nicht vom himmlischen Leitstern des klaren Wortes Gottes und des reinen Glaubens der Kirche lenken läßt, der geräth in den Strudel träumerischer Speculation und hält die Gebilde seiner erregten Phantasie für die Wahrheit. Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden! — S. II. Ausland. Papistische Unverschämtheit. Bekanntlich wird die Messe im Heidelberger Katechismus ganz richtig eine „vermaledeite Abgötterei“ genannt. Im Jahre 1857 edirte der reformirte Prediger Gillet in Breslau diesen Katechismus neu und nahm natürlich auch diesen Passus mit auf. Hierauf hat denn der Fürstbischof Dr. Heinrich den Pastor Gillet neuerdings bei der königlichen Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Lästerung verklagt, und als diese Behörde erklärte, die Sache sei bereits verjährt, wendete sich Dr. Heinrich deswegen an den Cultusminister! Deutsches Conferenziren. Ueber die Conferenz in Rothenmoor am 18. und 19. August v. J. findet sich in Räthjens Dorfkirchenzeitung vom December ein Bericht. Darin heißt es, daß erstlich über die Frage verhandelt wurde: Wer ist ein Ketzer? Resultat: „Man kam zu keiner Einigung. Einer meinte: es sei unfruchtbar, um die allgemeinen Fragen lange zu streiten; es handle sich im Grunde doch um bestimmte Angelegenheiten der Zeit.“ So ging man über zu der (2.) Frage: „Welche Stellung haben die luth. Landeskirchen einzunehmen zu dem Kampf der Kirche in Preußen gegen die Union?“ Resultat: „Zum Abschluß kam man nicht, weil die Thatsachen verschieden aufgefaßt wurden.“ Die folgenden Thesen: „1. Hat der heil. Geist in der Schrift sich unserer Sprache anbequemt oder redet er Seine eigne Sprache, nach der wir die unsre richten müssen? 2. Wie weit gilt das Gesetz im neuen Bunde?“ —, heißt es, „sind weniger eingehend besprochen und schweigen wir hier davon.“ Zuletzt wurde über den Chiliasmus verhandelt. Resultat: „Offenb. 20. wurde sehr verschieden angewandt, je nachdem die Grundsätze über Auslegung verschieden waren. Doch schien man einig zu sein in Verwerfung des Chiliasmus von Professor Hofmann und Baumgarten, sowie dessen, den P. Löhe in einer bekannten Predigt vorgetragen.“ Räthjen schließt nun dennoch: „Es haben wohl alle manche Anregung von der Conferenz mitgenommen und ob man gleich weit auseinander ging, so geschah es doch nicht so, wie in Zeitungen davon zu lesen steht. Im lebhaften Gespräch fehlt es nicht an unbedachten Worten und Mißverständnissen; auch muß man von Conferenzen nicht verlangen, daß sich gleich alle in Ausdrücken (!) einigen. Es ist genug, wenn man sich mehr und mehr verstehen lernt.“ (Vgl. A. C. Art. 7.!) „Im Grunde waren wir doch sehr einig, und indem man noch tiefere Einigung suchte, mußte es natürlich brü-