# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S94 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 94 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. Amerika. Die neue Lehre von Christi Person. Auch im „Lutheraner“ wurde den Lesern die Abweichung der Erlanger Professoren in der Lehre von Christi Person mitgetheilt. Dies veranlaßt den Herausgeber der Reformirten Kirchenzeitung in Chambersburg, Pa., zu folgender Aussprache: „Der „„Lutheraner““ von St. Louis hat eine ernste Klage über die lutherischen Professoren Delitzsch, Hofmann und Thomasius in Erlangen, weil sie lehren: daß Jesus Christus in seiner Erniedrigung nicht im Besitz göttlicher Ehre, Allmacht, Allwissenheit ꝛc. gewesen, sondern sich derselben entäußert habe [Marc. 13, 32., Matth. 28, 18. *)], entgegen den schmalkaldischen Artikeln (sic!). — Es gibt überhaupt, denken wir, nur wenige Lutheraner, welche nicht auch mit diesen Professoren glauben — also auch in diesem Punct eher reformirt, als (streng⸗symbolisch) lutherisch sind.“ — So richtig es ist, daß ein echter Reformirter auch nicht glaubt, daß Christus im Stande der Erniedrigung göttliche Eigenschaften besessen habe, daß er also gut Arianisch leugnet, daß der erniedrigte Christus Gott und Mensch in Einer Person war, denn wer ohne den Besitz göttlicher Ehre, der Allmacht, der Allwissenheit ꝛc. ist, der ist gewiß so wenig Gott, so wenig ein Wesen ohne Leib und Seele ein Mensch ist — so dürften sich doch die Erlanger Professoren nicht sehr geschmeichelt fühlen, wenn ihnen jenes Zeugniß für ihre Reformirte Rechtgläubigkeit zu Handen kommen sollte, obwohl sie es im Puncte von Christi Person ohne Zweifel redlich verdient haben. Der nördliche District der evang.⸗luth. Ohio⸗Synode hatte seine Sitzungen in Monroe, Mich., vom 17. Sept. 1858 an. Aus dem Amtsbericht des Präsidenten wie aus dem Synodalbericht selbst geht hervor, daß verschiedene Collisionen zwischen Pastoren der Ohio⸗ und Missouri⸗Synode vorgefallen sind. Es wird sich sicherlich seiner Zeit herausstellen, auf welcher Seite Recht und Unrecht ist. Das Nebeneinanderbestehen zweier lutherischen Synoden innerhalb eines Gebietes ist ein großer Uebelstand, zumal wenn beide Synoden zwar formell sich zu den symbolischen Büchern bekennen, in Geist und Praxis aber so weit differiren. Dieser Uebelstand kann gewiß nur zeitweilig bestehen und muß endlich entweder einer brüderlichen Eintracht und Verschmelzung beider Synoden Platz machen, oder aber wird voraussichtlich zu offener Spaltung umschlagen. Wie ernstlich sollten die leitenden Personen darauf hin arbeiten, letzteres zu verhüten, ersteres zu verwirklichen. Wir müssen aber wieder auf die allgemeine Conferenz aufmerksam machen, als das zweckmäßigste Mittel, jenen beklagenswerthen Uebelstand allmählich zu heilen. B. Der „Lutheran Standard“ hat neuerdings erklärt, daß die Zeit des Schweigens in Betreff der jetzt so „brennenden Frage“ über Kirche und Amt vorüber und die des Redens gekommen sei; er eröffnet daher seine Spalten der Discussion über diesen so wichtigen Gegenstand. Wir begrüßen diese Erklärung von ganzem Herzen. Fürchtet doch die Wahrheit nichts, als verheimlicht zu werden. Möge JEsus Christus, der treue Erzhirte Seiner Kirche, auf jedes Zeugniß, das der Wahrheit gegeben wird, Seinen Segen legen und es gnädig verhüten, daß der Kampf zu einer Entzweiung führe, sondern aus Gnaden geben, daß unsere Schwestersynode in der Wahrheit einig und durch solche Einigkeit stark werde. Wir würden uns dessen nicht weniger freuen, als wäre der Segen unserer eigenen Synode zugeflossen. Denn „so Ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und so Ein Glied wird herrlich gehalten, so freuen sich alle Glieder mit.“ 1 Cor. 12, 26. In der Nummer des „Standard“ vom 28. Jan treten bereits zwei Kämpfer auf den Plan. Der erste ist Herr Pastor P. J. Bühl, der nach unserer Ueberzeugung das Punctum saliens getroffen hat, wenn er erklärt, daß nur dann Klarheit und Einigung erzielt werden könne, wenn die Lehre von der Rechtfertigung bei der Untersuchung zu Grunde gelegt werde. Der andere ist Herr Pastor M. Loy, der vorerst in einer Einleitung zu einer Series von Artikeln die Wichtigkeit des Gegenstandes in beredter Rede nachweist. Der „Missionary“ veröffentlichte in seiner Nummer vom 27. Jan. eine Einsendung mit dem Namen „Peter“ unterzeichnet, in welcher „Lehre und Wehre“ wegen einer Bemerkung in Betreff einer Auslassung des „Luth. Observer“ (s. Januarheft S. 29.) und mit ihr auch der „Standard“ wegen eines ähnlichen Verbrechens der Lieblosigkeit bezüchtigt wird. Als wir das Ding lasen, wußten wir in der That nicht, was wir daraus machen sollten. Die darin vorkommenden Sophismen waren so handgreiflich, daß wir einen längeren dagegen geschriebenen Artikel unvollendet wieder hinweglegten, in der Besorgniß, durch operose Widerlegung eines unbegreiflich sich selbst widersprechenden Angriffs unsere Leser zu beleidigen. Rathlos, wie wir waren, half uns endlich der „Standard“ aus unserer Verlegenheit. Was war geschehen? Die Einsendung „Peter's“ war verstümmelt *) Folgende Stellen citirt der Ref. Herr freilich nicht: Matth. 11, 27., Joh. 1, 14., 3, 35., 5, 23., 16, 30., 17, 2. u. s. w. D. R.