# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S93 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Bibliographischer Anhang. 93 von seinem Fleische fühlet, und leider viel hundert Christen, so das Wort des Lebens mit großer Freude haben angenommen, lassen sich mit dieser Anfechtung also einnehmen, daß sie Christum sammt dem Evangelio darüber verleugnen. Denn viel Prediger, weil sie sehen, daß sie mit dem göttlichen Worte große Herren erzürnen, großer Leute Ungunst und Haß auf sich laden, in Verachtung und Spott dadurch gerathen und verfolget werden, lassen sie ihr Bekenntniß fallen und schicken sich also in die Sache, daß sie der Gefahr gefreiet und großer Herren Gunst behalten mögen. Viel Zuhörer auch, wenn sie sehen, daß große Herren dem Evangelio abstehen und sie mit Weib und Kind in Gefahr kommen, alle Tage der Verfolgung gewärtig seyn müssen, heben sie an zu zweifeln am Evangelio, richten sich nach dem großen Haufen und glauben das, dabei sie guten Frieden haben mögen. Dies kömmt nun Alles daher, daß wir vor der häßlichen Gestalt des Reiches Christi einen Abscheu haben und allesammt das Kreuz fliehen. Alle wollten wir gerne einen solchen Messias haben, der mit weltlicher Pracht gezieret wäre, mit unserer Vernunft stimmte und deß wir in Ehre und zeitlicher Wohlfahrt genießen könnten. Alle wollten wir gerne ein solch Evangelium haben, damit große Herren zufrieden wären, darüber kein Streit noch Zank entstünde, das von Jeglichen angenommen würde. Aber daran ist Denken verloren; Gott wird uns keinen andern Messias ordnen, denn der arm und elend auf dem Esel einreitet. Gott wird uns kein ander Evangelium offenbaren lassen, denn das er durch seinen Sohn hat lassen verkündigen, dem alle Welt zuwider ist. Darum sollen wir uns darein schicken und uns an der armen, häßlichen Gestalt dieses Einzugs nicht stoßen; also auch an der Verachtung und Armuth seiner Diener und Worts nicht ärgern: Je mehr das göttliche Wort und dessen Diener auf Erden verachtet, verhöhnt, verhaßt und verlästert werden, je heller es leuchtet, je weiter es durchdringet, je größere Kraft es den Leuten gibt; je härter die Diener Gottes verfolgt werden, je größere Gaben ihnen der Geist Gottes gibt und je gewaltiger Gott sein Reich durch sie pflanzet und ausbreitet .... Je mehr die Kirche Christi auf Erden gedrückt und verfolgt ist, je herrlicher ihr Bekenntniß hervorleuchtet und je größere Wunder sie ausrichtet. Wenn man bei Gottes Wort will Ehre, Gewalt, Geld und Gut suchen, so gehts zu Grunde und wird verfälscht, wie im Papstthum geschehen. Wenn man Gottes Wort also will meistern und klügeln, daß man eitel Ruh und Friede dabei habe und wir alles Haders und Zankes entnommen seyn mögen, so verlieren wir's unter'n Händen und behalten Menschen⸗Träume anstatt Gottes Wort. Wehe thut's dem Fleische, daß man also mit der Welt ohn Unterlaß sich muß zanken und beißen über Gottes Wort, aber es will und kann nicht anders seyn; darum muß man sich dessen erwegen und die Art des Reiches Christi wohl kennen lernen.“ So denkt und so spricht Til. Hesh. Ihn noch weiter redend einzuführen, gestattet der Raum nicht; aber wer auch nur einen kleinen Theil seiner Evangelienpostille kennen gelernt hat, der überzeugt sich leicht, daß es keines weitern bedürfe, „um das köstliche Buch zu empfehlen, da jede Predigt für das Ganze redet.“ Aus diesem Grunde zweifle ich auch nicht, daß die neue Ausgabe zugleich eine glänzende Ehrenrettung seyn werde: die Rechtgläubigkeit des vielverkannten Mannes wird durch diese Postille gewiß in das hellste Licht gesetzt“; — haben doch nur Häretiker ihn der Häresie beschuldigt! So möge denn der alte ehrliche Heshusius, der sich im Leben niemals geschämt hat, Christi Schmach zu tragen, bei Allen, die gleiches Sinnes sind, erwünschten und reichgesegneten Eingang finden! Walt's Gott! (K. Ströbel.)