# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S89 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Kirchenjammer in Hessen⸗Darmstadt. 89 ist doch auch trostreich, die verrotteten Waffen zu sehen, welche er hervorbringt, um mit dem Schwert des göttlichen Wortes zu streiten. Die Einführung eines Bretschneider'schen Gesangbuches in die Schulen ist doch, so sehr es ein Greuel ist, wiederum eine Maßregel, die dem ganzen Vorhaben nur schaden kann. Denn die Zeit der aus Brettern geschnittenen langweiligen Reimereien ist doch offenbar vorüber. Und nun gar, wenn man sieht, welche unbekannte Größen man beruft, um den Rationalismus in Coburg zu vertreten, wenn man auch bescholtene Leute darunter wahrnimmt, so muß man sich doch gestehen, daß es mit dieser ungläubigen Richtung am Ende ist, wie zu Julian's Zeiten mit dem offenen Heidenthum. Wie damals ordentliche Leute sich schämten, Heiden zu heißen, so schämt man sich jetzt des Rationalismus. Und ist es etwa in Coburg schlimmer als bei uns? Ja Großherzogthum Hessen braucht ein Gesangbuch, das aus den Brettern des Lügenbaumes geschnitten, hölzern genug ist, nicht mehr eingeführt zu werden. Es ist da. Vorderhand bleibts auch da. Und Leute wie in Coburg haben wir auch. Und ihre Schande ist nicht minder offenbar als die der Coburger. Von Jäger ist nun abermals eine Schrift in Frankfurt erschienen, „Christus oder Belial,“ welcher das faule Wesen gründlich aufdeckt und die Resultate des gelehrteren Werkes von Reich über unsere Kirche in gemeinfaßlicher Form zugleich anregend und ernst darlegt. Dabei merkt man auch dem Buche an, daß es nicht geschrieben ist, um zu schelten, sondern daß es Buße predigt zu sein selbst Besserung. Er geht von der bekannten Ewaldischen Angelegenheit aus und weist die Greuel der Verwüstung nach, um derentwillen solch ein Lügenprophet nicht abgesetzt wird. Wenn ich Ihnen schrieb, daß unsere Kirchenbehörde zu Ewald doch nicht geschwiegen habe, so war dies wahr. Unterdeß ist es nachher herausgekommen, daß die Kirchenbehörde dem Pöbelvolk zu Darmstadt gegenüber nicht einmal den Muth hatte, offen aufzutreten. Dieser Verweis sollte ein heimlicher sein. Ewald schwieg von selbst. Da es aber doch im Kirchenblatte stand, so fing man eine Untersuchung an, durch wen es herausgekommen sei, daß der Ewald den Verweis bekommen habe. Auf diese Weise wird die Ehre der Kirchenbehörde bei diesem Streite sehr gering. Denn der Verweis wird durch die Heimlichkeit nichts anderes, als ob einer dem Andern in das Ohr sagte: Du hast einen dummen Streich gemacht. Diese Sache ist zu kameradschaftlich. Neben diesen Vorgängen stehen auch andere von weniger Bekanntschaft und doch von gleichem Ernste. In N. predigte ein Pfarrer, daß die evangelisch⸗protestantische Kirche die Lehre vom alleinseligmachenden Glauben aufgegeben habe, weil sie widerstreite 1) der Vaterliebe Gottes, 2) der Bruderliebe, 3) dem Heilsplane Gottes. Am folgenden Sonntage predigte dessen College darüber, daß die evangelisch⸗lutherische Kirche das Kleinod der Lehre des alleinseligmachenden Glaubens bewahren müsse, und zwar, weil in ihr 1) die Vaterliebe Gottes gegen seine Kinder, 2) die Bruderliebe,