# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S81 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie soll sich ein Seelsorger am Krankenbette seiner Gemeindeglieder verhalten? 81 bis zum folgenden Tage, verschiebt, damit, ob Gott will, eine nachhaltigere Buße gewirkt werde. Es gibt aber noch eine andere Art sicherer Leute, bei denen die Sicher⸗ heit nächst dem erbsündlichen Verderben auch aus einer gar großen natürli⸗ chen Stumpfheit entspringt. Zwar sollten ja alle Christen aus der öffentli⸗ chen Predigt das, was zum Heil ihrer Seele dient, lernen, damit, wenn Krank⸗ heit hereinbricht und der Tod ihnen nahe tritt, sie selig zu sterben wüßten: — allein die Erfahrung lehrt, daß abgesehen von der muthwilligen Gleichgültig⸗ keit gar Vieler, wie vorhin angegeben, bei denen Gottes Wort ohne Kraft zu sein scheint, doch auch gar Manche wegen Schwäche der natürlichen Gei⸗ stesgaben in Verbindung mit dem natürlichen erbsündlichen Verderben nicht gerade aus Bosheit und Muthwilligkeit, sondern aus geistiger Trägheit und Stumpfheit weder zu einer rechtschaffenen Erkenntniß ihrer Sünden noch zu einer gewissen, fröhlichen Zuversicht auf Christum gelangen. Dr. Luther sagt in seiner Schrift: „Ob man für dem Sterben fliehen möge“, ernste und ge⸗ wichtige Worte: „Man soll das Volk, spricht er, vermahnen, daß sie zur Kirche in die Predigt gehen und hören, daß sie lernen Gottes Wort, wie sie leben und sterben sollen. Denn da soll man Acht auf haben, daß, welche so rohe und ruchlos sind, daß sie Gottes Wort verachten, weil sie leben, die soll man auch wiederum lassen liegen in ihrer Krankheit, es sei denn, daß sie mit großem Ernst, mit Weinen und Klagen ihre Reue und Buße beweisen. Denn wer wie ein Heide oder Hund will leben und deß kein öffentliche Reue hat, dem wollen wir auch das Sacrament nicht reichen, noch unter der Chri⸗ sten Zahl annehmen; er mag sterben, wie er gelebt hat, und sehe für sich, denn wir sollen den Säuen nicht Perlen fürwerfen, noch den Hunden das Heiligthum. Man findet leider so viel grobs verstockts Pöbels, das weder im Leben noch Sterben für seine Seele sorget, gehen hin und liegen, ster⸗ ben auch dahin, wie die Klötze, da weder Sinn noch Gedanken in ist. Zum andern, daß ein Jeglicher sich selbst zeitlich schicke und zum Ster⸗ ben bereite mit Beichten und Sacrament nehmen, alle acht Tage oder vier⸗ zehn Tagen einmal, versöhne sich mit seinem Nächsten, und mache sein Te⸗ stament, auf daß, ob der HErr anklopfet, und er übereilet würde, ehe denn Pfarrherr oder Caplan dazu kommen können, er gleichwohl seine Seele ver⸗ sorget und nicht versäumet; sondern Gott befohlen habe, denn es auch nicht wohl möglich ist, wo groß Sterben ist und nur zween oder drei Seelsorgen sind, daß sie zu allen gehen mögen, und einem Jeglichen allererst alle Dinge sagen und lehren, was ein Christenmensch wissen soll in Sterbensnöthen. Welche aber hierin lässig und säumig sein werden, die geben für sich selbst Rechnung, und sei ihre Schuld, ob man nicht kann für ihrem Bette, einen täglichen sonderlichen Predigtstuhl und Altar halten, weil sie den gemeinen Predigtstuhl und Altar so haben verachtet, dazu sie Gott berufen und gefordert hat.“ Das sind gar schöne und herrliche Worte, die recht beherzigt zu werden verdienen, jedoch ist auch zu merken, daß unser lieber Vater Luther damit durch⸗