# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S80 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 80 Wie soll sich ein Seelsorger am Krankenbette seiner Gemeindeglieder verhalten? einen jeglichen Fall eine besondere Regel und Anweisung zu geben, sondern es sollen hier nur etliche leitende Grundsätze eines weitern besprochen werden. Die meisten Fälle werden sich aber unter folgende vier Punkte einreihen lassen, nämlich daß der Seelsorger es zu thun habe entweder mit Sichern, oder Selbstgerechten, oder Angefochtenen, oder fröhlich Glaubenden. Daß auch in solchen Gemeinden, wo das Wort Gottes lange Jahre lau⸗ ter und rein gepredigt worden ist, sich dennoch bei allem Licht des Evangelii leider noch gar viel Finsterniß vorfindet, und oft der Sichern keine kleine Zahl vorhanden ist, wird gewiß ein jeder treuer Seelsorger bekennen und sehr beklagen müssen. Denn wenn auch im Ganzen äußerliche Ordnung und gu⸗ ter Kirchenbesuch vorhanden ist, so wäre es doch thörlich, alsobald anzuneh⸗ men, daß Alle, welche äußerlich für Gottes Wort und Reich gewonnen zu sein scheinen, auch wirklich gewonnen seien. Wir haben zwar, wie ein jeder Christ, die Weisung, vom Bruder, d. h. von dem, der sich äußerlich in die Ordnung des göttlichen Wortes schicket, nichts Böses zu denken: jedoch gilt, wie allen Christen, so doch besonders den Dienern am Wort, auch die Mah⸗ nung des Apostels: „Prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind“. Und wenn ein Prediger längere Jahre bei einer Gemeinde ist, und nur einiger Maßen die Gabe, Geister zu unterscheiden besitzet, so wird er Manchen, der ihm an⸗ fänglich ein frommer, demüthiger Christ zu sein schien, leicht als einen Sichern erkennen können, auch ohne daß ihm geradezu etwas Böses nachgesagt werden könne. Das Gemeindeleben bietet eben gar viele Gelegenheiten dar, zur Of⸗ fenbarung dessen, was im Herzen ist, und lange Jahre das Wesen der Gott⸗ seligkeit zu heucheln, wird unmöglich sein. Es versteht sich aus der Absicht dieses Aufsatzes von selbst, daß hier von keinen groben Spöttern und Lästerern die Rede sein kann, denn hier wird nur gehandelt von denen „die drinnen sind“, die zu einer ordentlichen Gemeinde, darin Gottes Wort regiert, gehören. Es gibt aber zweierlei Menschen, die zu den Sichern gerechnet werden können, nämlich solche, welche mit dem Kopfe den Weg des Heils wohl ken⸗ nen, bei denen aber diese Erkenntniß unfruchtbar ist; und die deßhalb auch nicht selten sich noch in ziemlich starken Sünden finden lassen, die aber, weil ihr Gewissen von Gottes Wort schon angefaßt ist, etwaige Ermahnungen, die an sie ergehen, annehmen, obwohl man leider oft den argen Gedanken unterdrücken muß, sie thun auch dies nicht rechtschaffen. Gegen solche Leute soll nun ein Seelsorger, wenn er an ihr Krankenbett kommt, gar ernstlich das Gesetz gebrauchen, ihnen ernstlich in das Gewissen reden, und ihnen vorhal⸗ ten, wie Gott der HErr den Aufrichtigen und Bußfertigen alle Gnade verheißen, den Sichern und Lauen aber gedroht habe, sie auszuspeien aus seinem Munde; und daß es für sie besser wäre, wenn sie nie etwas von Gottes Wort gehört hätten, als daß sie so liederlich damit umgingen. Und jedenfalls ist es bes⸗ ser, daß man, wenn ein solcher Mensch, wie er vielleicht bei öfterer früherer Vorhaltung schon gethan, mit dem Munde seine Lauheit und Sicherheit be⸗ kennt, auf die etwaige Bitte um Darreichung des h. Abendmahls nicht ein⸗ geht, sondern dieselbe, und sei es bei sehr gefährlicher Krankheit auch nur