# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S79 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 79 (Eingesandt.) Wie soll sich ein Seelsorger am Krankenbette seiner Gemeindeglieder verhalten? Das ist eine Frage, die alle Beachtung verdient; sie greift ja so sehr in die Amtsthätigkeit, daß kein Prediger sich derselben entschlagen kann; und der Fälle gibt es wegen der Verschiedenheit der Herzen der Menschen so man⸗ nigfaltige, daß mancher treue Seelsorger zu Zeiten rathlos ist. Gott der HErr fordert von den Predigern, daß sie, „es sei zu rechter Zeit oder zur Un⸗ zeit“, anhalten sollen, im „predigen, strafen, drohen, ermahnen mit aller Ge⸗ duld und Lehre“; ferner, daß sie ihr Amt „redlich“ ausrichten sollen. Sie sollen also das Heil ihrer ihnen befohlenen Heerde suchen, auf daß, so Gott Gnade gibt, durch ihren Dienst alle ihre Gemeindeglieder selig werden, und es an ihnen nicht liege, wenn dennoch nicht Alle zur Buße zu Gott und zum Glauben an Jesum Christum gelangen und selig werden. Nun ist wohl un⸗ bestreitbar, daß die öffentliche Predigt das rechte Hauptmittel ist, um der Leute „Nutz und Heil“ zeitlich und ewiglich zu befördern, — denn die Gottseligkeit hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens: jedoch darf kein Pre⸗ diger in dem verderblichen Wahne stehen, als wenn er mit der öffentlichen Predigt in der Kirche seinem Amte genug thue, und er nun sein Gewissen quiesciren könne, er richte sein Amt „redlich“ aus. Denn nicht nur auf der Kanzel ist er Prediger und Seelsorger, sondern überall, und es ist seine Pflicht und sein hoher Beruf Christo Seelen zu werben, vornehmlich, daß er die Heerde, so ihm befohlen ist, mit aller Geduld und Lehre weide, pflege, nähre, stärke und, ob Gott will, selig mache. Das ziemt sich für einen frommen Prediger, und soll dies zu aller Zeit sein ernstliches Bestreben sein, er erndte auch zum Theil dafür Dank oder Undank, Liebe oder Haß. Dafür haben wir auch das Beispiel unsers HErrn Christi, der nicht nur in seinen öffent⸗ lichen Reden und Predigten, sondern bei allen Gelegenheiten seine Jünger und das Volk zum seligmachenden Glauben an Ihn reizte, und es nicht ver⸗ schmähte, mit einzelnen Personen über den Weg der Seligkeit zu reden als z. B. mit Nicodemus und Maria Lazari Schwester. Und sein lieber Apostel Paulus stellt sich selbst als ein gar sehr beschämendes, zugleich aber auch als ein zur Treue reizendes Beispiel hin, wenn er Act. 20 den Aeltesten der Ephesinischen Gemeinde vorhölt, er habe ihnen nichts verhalten, das da nütlich sei, das er ihnen nicht verkündigt hätte, und sie gelehret öffentlich und sonderlich; und sie ermahnet daran zu denken, daß er nicht abgelassen habe drei Jahre, Tag und Nacht, einen Jeglichen mit Thränen zu vermahnen. Ist nun aber ein Ort und eine Gelegenheit geschickt dazu, dem Beispiele Pauli nachzufolgen, so ist es das Krankenbett, zu dem der Prediger entweder mit oder ohne Aufforderung kommt. In der Regel ist das Herz des Kranken empfänglicher für Gottes Wort, als das des Gesunden, und wenn auch nicht, so gebietet hier die Noth, der Seele des krank darniederliegenden sich beson⸗ ders anzunehmen. Es soll nun nicht die Aufgabe dieses Aufsatzes sein, für