# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S69 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von der Kirchensprache. 69 Daß die Kirche berechtigt ist, die göttlichen Wahrheiten auch in anderen Worten, als die in der Schrift gebrauchten sind, auszusprechen, darüber kann kein Zweifel sein, denn das in der Kirche zu ihrer Erbauung nöthige Weis⸗ sagen, d. i. Auslegen der Schrift, ist ja nichts anderes, als die Darstellung des Inhaltes der Schrift nicht nur in einer anderen als der Originalsprache (denn dies ist die Uebersetzung), sondern auch in anderen Worten derselben Sprache oder in umschreibender Rede. Hierzu kommt, daß die Ketzer je und je trotz ihres Gebrauchs biblischer Worte, ja unter dem Deckmantel derselben, ihre Irrlehren ausgestreut haben; daher sich denn die Kirche genöthigt ge⸗ sehen hat, auf solche Ausdrücke zu sinnen und dieselben zu gebrauchen, unter denen kein Ketzer seine Schriftverdrehungen und Mißdeutungen verstecken konnte. Daher schreibt Luther, nachdem er gezeigt hat, wie Arius' Schlau⸗ heit die Rechtgläubigen genöthigt hatte, immer präcisere Termini zu gebrau⸗ chen und ihm endlich das Wort Homousios (gleiches Wesens) entgegen⸗ zusetzen: „Es ist ja wahr, man soll außer der Schrift nichts lehren in göttlichen Sachen, wie St. Hilarius schreibet 1. de trin. Das meinet sich nicht anders, denn man soll nichts anders lehren. Aber daß man nicht sollte brauchen mehr oder andere Worte, weder in der Schrift stehen, das kann man nicht halten, sonderlich im Zank und wenn die Ketzer die Sachen mit blinden Griffen wollen falsch machen und der Schrift Wort ver⸗ kehren; da war vonnöthen, daß man die Meinung der Schrift, so mit vielen Sprüchen gesetzt, in ein kurz und Summarienwort fassete, und fragte: ob sie Christum Homousion hielten, wie der Schrift Meinung in allen Worten ist, welche sie mit falschen Glossen bei den Ihren verkehreten, aber vor dem Kaiser und vor dem Concilio frei bekennet hatten. Gleich als wenn uns die Pelagianer wollten gefähren mit diesem Wort: Erbsünde oder Adams⸗ Seuche, weil solche Worte in der Schrift nicht stehen; so doch die Schrift der⸗ selben Worte Meinung gewaltiglich lehret, als, daß wir in Sünden empfan⸗ gen Ps. 51, 7., alle von Natur des Zorns Kinder Ephes. 2, 3. und alle um Eines Sünde willen Sünder sein müssen Röm. 5, 12." (Schrift von den Conciliis und Kirchen vom Jahre 1539. XVI, 2703. 4.) Selbst Calvin stimmt hierin mit Luther überein. Er schreibt in seinen Institutionen: „Was ist das für eine Gottlosigkeit, Worte zu verwerfen, welche nichts anderes be⸗ zeichnen, als was durch die Schrift bezeugt und aufgezeichnet ist? Es wäre besser, sagen sie, nicht nur seine Gedanken, sondern auch seine Worte in die Schranken der Schrift einzuschließen, als fremde Worte auszustreuen, welche Pflanzschulen von Zwistigkeiten und Wortstreitereien werden mögen.. Wenn sie das ein fremdes Wort nennen, was man nicht aus ebenso viel Sylben zusammengesetzt in der Schrift nachweisen kann, so bürden sie uns ein in der That unbilliges Gesetz auf, durch das jede Auslegung verdammt wird, die nicht aus Schriftworten zusammengestoppelt ist.. Aber was verbietet es, dasjenige, was unserer Fassungskraft verwickelt und schwierig ist, durch ver⸗ ständlichere Worte zu erklären, wenn dieselben doch streng und treu der Wahr⸗ heit der Schrift dienen und sparsam und bescheiden und nicht ohne Anlaß