# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S68 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 68 Von der Kirchensprache. deskirche, der Ausdruck Kirche und Geistlichkeit für Prediger u. s. w. die fruchtbaren Keime zu den gefährlichsten, tiefeingewurzeltsten Irrthümern geworden sind. So schreibt daher z. B. Luther von dem Wort Priester: „Nu meine ich, aus diesem Allem sei bekräftigt, daß die, so dem Volk in Sa⸗ cramenten und Wort vorstehen, nicht mögen noch sollen Priester genennet werden. Daß sie aber Priester geheißen werden, das ist entweder nach heidnischer Weise geschehen, oder ist überblieben von des jüdischen Volkes Gesetze; danach ist es zu großem Schaden der Kirchen angenommen. Aber nach der evangelischen Schrift würden sie viel besser genennet Diener, Diakoni, Bischöfe, Haushalter, welche auch bei derweil von wegen ihres Alters presbyteri d. i. die Aeltesten genennet werden." (Sendschreiben an die Böhmen. X, 1859—60.) Mit vollem Rechte schreibt daher der alte Wilhelm Lyser: „Es ist ein Zeichen einer bescheidenen Gesinnung, nicht nur mit der Kirche zu glau⸗ ben, sondern auch zu reden."*) Es gibt nehmlich nicht nur eine beson⸗ dere Bibelsprache**), sondern auch eine auf dieselbe gegründete besondere Kirchensprache. Was die Bibel betrifft, so kommen nehmlich in der⸗ selben eine große Anzahl Worte und Redensarten vor, die darin in einer Bedeutung gebraucht werden, welche sie vorher nicht hatten, die sie erst vom Geiste Gottes, der sie eingegeben hat, erhalten haben, in einer Bedeutung, die aus keinem profanen Schriftsteller, sondern allein aus dem Zusammen⸗ hang der göttlichen Schrift selbst erschlossen und ersehen werden kann. Hier⸗ her gehören z. B. die Worte: Glaube, glauben an Christum, Werke, mit Werken umgehen, gerecht, Gerechtigkeit, Rechtfertigung, Erwählung, Auser⸗ wählte, Berufene, Erbauung, Taufe, alter und neuer Mensch, Fleisch und Geist, Kreuz, Kirche, Wort (λόγος), Gott der Vater, Sohn Gottes, heiliger Geist, zeugen und ausgehen (von Gott gebraucht), todt in Sünden, todte Werke, Sünde zum Tode, Vollkommenheit u. s. w. Auch die Kirche redet nun zwar in diesen biblischen Ausdrücken; ja, dieselben sind und bleiben ihr unerschöpfliche Fundgruben göttlicher Offenbarungen: aber nichts desto we⸗ niger muß sie, weil sie nicht nur das Wort Gottes der Welt zu predigen und auszulegen, sondern dasselbe auch gegen die Irrlehrer zu vertheidigen und zu wahren den Beruf hat, sich auch anderer, als solcher biblischer Worte, be⸗ dienen, mit denen sie den rechten Verstand, den sie von den Schriftworten hat, ausspricht und die Verkehrung derselben durch die Ketzer abweist. Und so ist denn außer der besonderen Bibelsprache auch nach und nach eine gewisse besondere Kirchensprache entstanden, das heißt, eine Art gewisse in der Schrift enthaltene Begriffe auszudrücken und davon zu reden, die, zwar nicht in der Schrift dem Laute nach enthalten, aber dem Sinne nach darin gegründet, der rechtgläubigen Kirche eigen ist und von derselben constant gebraucht wird. *) „Moderati ingenii est, cum ecclesia non tantum sentire, sed et loqui." Syst. theol. exeget. p. 494. **) Wir nehmen hier den Ausdruck Bibelsprache in dem Sinne von biblischer Termi⸗ nologie.