# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S66 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 66 Von der Kirchensprache. Eutychianischen, Pelagianischen, Zwinglianischen, Calvinischen, Kryptocal⸗ vinischen, pietistischen und anderen Streitigkeiten lebten und lehrten, bedie⸗ nen sich daher oft solcher Ausdrücke, die erst in diesen Streitigkeiten verdächtig geworden sind und deren sich daher später kein rechtgläubiger Lehrer leicht mehr bedient. So wenig nun Irrlehrer sich für ihren Lehrtypus auf die alten treuen Zeugen und deren Redeweisen berufen können, so wenig wäre es billig, um dieser Uebereinstimmung älterer rechtgläubiger Lehrer mit neueren Irrlehrern im Ausdruck dieselben gleichen Irrthums zu zeihen, da aus anderen Stellen der reine Glaube derselben sich ergibt. Gar richtig schreibt daher Luther in seiner „theologischen Abhandlung, daß in Christo die gött⸗ liche und menschliche Natur dergestalt vereinigt sind, daß Christus nur eine einige Person sei", Folgendes: „Daher muß man nun bei solchen hohen und über alle Vernunft gehenden Wahrheiten dahin sehen, daß die Redensarten der Väter, wo es die Noth erfordert, auf eine bequeme Weise erkläret werden. Denn es ist was gottloses und tückisches, wenn man einem um unbequemer Worte willen einen Irrthum aufbürden will, da man doch weiß, daß er in andern Stücken richtig lehret. Denn auf die Weise wird man nirgend einen Kirchenvater oder anderen Kirchen⸗ lehrer finden, der nicht unbequeme Redensarten gehabt haben sollte, wenn man anders ihre Worte also mißhandeln will. Der sehr christliche Poet Se⸗ dulius singet: Beatus autor seculi servile corpus induit: der hochgelobte Schöpfer dieser Welt hat Knechtsgestalt angezogen; und das wird in der ganzen christlichen Kirche nachgesungen. Da doch, wenn man an Worten klauben wollte, nichts ketzerischer gesagt werden kann, als daß die menschliche Natur Christi das Kleid seiner Gottheit sei; denn das Kleid und der Leib, der im Kleide steckt, machen keine einige Person zusammen aus, so wie Gott und Mensch in Christo Eine Person sind. Dennoch beweisen dieses Sedulii übrige Gedichte, daß er ein reiner und rechtgläubiger Lehrer gewesen. Da⸗ her bestehet eine Ketzerei niemals in den Worten, sondern in dem Ver⸗ stande, den sie haben, wie solches der heilige Hieronymus gar recht sei⸗ nen Verleumdern entgegengehalten hat. Dahingegen muß ein solcher, der in verkehrten Sinn dahingegeben worden, wenn er auch gleich recht redet und sich fleißig auf die Schrift beziehet, nicht geduldet werden. Denn Christus ließ die Teufel nicht reden, als sie ihn für den Sohn Gottes erkannten, weil sie sich in Engel des Lichts zu verstellen wissen. So gütig und einfältig ist der heil. Geist, daß die Sei⸗ nigen, wenn sie auch nach der Grammatik nicht allzu bequem reden, dennoch dem Verstand und Meinung nach die Wahrheit sagen. Dahingegen ist die Schalkheit und Bosheit des Teufels so groß, daß die Seinigen, wenn sie auch nach den Regeln der Grammatik richtig reden, dennoch im theologischen Verstande keine Wahrheit reden. Hier mag es wohl heißen: Wenn du ein Lügner bist, so wird auch die Wahrheit, die du redest, für Lügen gehalten.*) Hingegen wenn du die Wahrheit gerne redest, so ist auch das mitunterlaufende *) Si mentiris, sagt Chrysippus, etiam quod verum dicis, mentiris.