# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1859_S65 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang V. März 1859. No. 3. Von der Kirchensprache. Es ist ein alter Grundsatz: In verbis simus faciles, in rebus ipsis modo conveniamus, d. i.: In Worten laßt uns nachsichtig sein, wenn wir nur in der Sache übereinstimmen. Es stimmt dieser Grundsatz ganz mit Gottes Wort, denn der Apostel schreibt 2 Tim. 2, 14. ausdrücklich: „Bezeuge vor dem HErrn, daß sie nicht um Worte zanken (μὴ λογομαχεῖν), welches nichts nütze ist, denn zu verkehren die da zuhören." Hierzu macht Augustinus die Bemerkung: „Um Worte zanken ist, nicht darum Sorge tragen, wie der Irrthum durch die Wahrheit besiegt, sondern wie deine Art davon zu reden der Redeweise eines anderen vorgezogen werde."*) Und Calov setzt in seiner Biblia illustrata hinzu: „Logomachieen sind nicht nur ohne allen Nutzen, sondern schaden auch den Zuhörern, welche durch jene Zänkereien in Verwirrung gesetzt werden und an dem zu zweifeln anfangen, was sie glaubten; auf welche Weise ihr Glaube erschüttert und in Skepticismus verwandelt wird." Ein Christ und namentlich ein Theolog darf nie außer Acht lassen, was Hieronymus schreibt: „In sensu, non in verbis est haeresis", d. i.: Im Sinn, nicht in den Worten liegt die Ketzerei. Wäre dem nicht so, so könnte niemand rechtgläubig sein, als wer nicht nur selbst der Sprache mächtig, sondern auch mit der Sprache der Mustertheologen vollkommen vertraut ist; die Rechtgläubigkeit hinge dann nicht vom Glauben, sondern vom Reden ab. Hierzu kommt, daß laut der Geschichte der Kirche immer erst die Ketzer, welche unter mehrdeutigen Redeweisen ihre Irrlehren zu verbergen suchten, die orthodoxen Lehrer der Kirche genöthigt haben, für den rechten Glaubenssinn jene Ausdrücke zu suchen, hinter welche die heterodoxen Lehrer ihren Irrglauben nicht verstecken konnten. Daher denn auch die reinsten Kirchenlehrer, so lange gewisse Ketzereien noch nicht aufgekommen waren, wie unsere Theologen sich auszudrücken pflegen, über die betreffenden Lehren „securius" d. i. sorgloser, weniger vorsichtig und genau, geredet haben, als die Lehrer, welche die später aufgetretenen Häretiker genöthigt haben, solche Worte zu gebrauchen, unter denen die letzteren ihr Gift nicht verbergen und ausstreuen konnten. Auch reine Lehrer z. B., die vor dem Ausbruch der Arianischen, Nestorianischen, *) „Verbis contendere est, non curare, quomodo error veritate convincatur; sed quomodo tua dictio dictioni praeferatur alterius." Lib. 4. de doctr. chr. c. 28.