# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S64 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 64 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. eines ungläubigen Fürsten zu fürchten; da wird kund, was sie so gerne verbergen möchte, daß sie zu den Dingen gehört, die die Welt lieb hat, Joh. 15, 19.; manches schlafende Ge⸗ wissen wacht dann auf, das sonst fortgeträumt hätte. Eine rechtgläubige Kirche aber hat nichts weniger zu fürchten, als den Zorn der Großen und Mächtigen dieser Welt, denn da gilt, was der HErr sagt: „Eben darum habe ich dich erwecket, daß ich an dir meine Macht erzeige, auf daß mein Name verkündiget werde in allen Landen." Röm. 9, 17. Wie die Ungläubigen bereits jubiliren, ersahen wir in diesen Tagen aus einer hiesigen politischen Zei⸗ tung, welcher aus Berlin unter dem 29. Dec. v. J. Folgendes geschrieben wird: „Eine be⸗ sondere Weihnachtsfreude hat der Minister des Innern dem Lande damit gemacht, daß er den Professor Hengstenberg aus der wissenschaftlichen Prüfungs⸗Commission entfernte. Hinter diesem Namen steht die ganze Armee der „„Evangelischen Kirchenzeitung"". Das Triumvirat Stahl⸗Leo⸗Hengstenberg wird damit gemeinsam getroffen, sammt den verschie⸗ denen Generalsuperintendenten und ihrem Anhang. Die Candidaten werden nicht mehr durchs Examen fallen, wenn sie die innere Einrichtung der Arche Noah nicht zu beschreiben wissen. Wie selbst kirchlich⸗fromm gesinnte Männer über Hengstenberg's Stellung ur⸗ theilen, beweist Bunsens schon vor längerer Zeit erfolgter Ausspruch: daß es unbegreiflich und unerklärlich sei, daß ein Mann wie Hengstenberg Examinator sein könne. Seine Ent⸗ fernung ist allerdings nur ein Sieg des gesunden Menschenverstandes, aber als solcher um so mehr zu feiern, nachdem er so lange gefehlt hatte. Hengstenberg's Fall ist ein Wegweiser für die ganze Partei, welche wenigstens keinem mehr Schaden thun wird." Die Anhänger Christoph Hoffmanns scheinen ziemlich entmuthigt durch den Bericht der 3 Kundschafter, welche, vom Verein für Sammlung des Volkes Gottes in Jerusalem ausgesandt, zurückgekehrt sind; doch wollen sie ihr fanatisches Treiben noch kei⸗ neswegs aufgeben, wie sie das auf einer Versammlung zu Cannstadt aussprachen. Christliche Kunst. Prälat von Genäösen gibt in Verbindung mit Schnaase in Berlin und Schnorr in Dresden vom October an ein „christliches Kunstblatt" heraus. Es soll umfassen Beschreibung bedeutender älterer und neuerer Werke der Architectur, Sculptur und Malerei, Biographien christlicher Künstler, Entwürfe und Holzschnitte zu christlichen Bauten, Stadt⸗ und Landkirchen, Altären, Gefäßen, Bildern, Crucifixen u. s. w. Baden. Hier ist, wie dem „Kirchenfreund" gemeldet wird, eine neue Agende einge⸗ führt worden. In der Form nähert sie sich der altkirchlichen Liturgie, im Wesen ist sie unio⸗ nistisch. Sie stößt auf vielen Widerspruch, nicht eben wegen ihrer unionistischen Tendenz, sondern weil sie dem an den Rationalismus gewöhnten Haufen zu orthodox und kirchlich er⸗ scheint. Auch ein Todesurtheil der Union! In der französischen Provinz Algier in Afrika befinden sich jetzt 6 prote⸗ stantische Prediger, die in deutscher Sprache das Evangelium (welches? ist uns freilich un⸗ bekannt) predigen. Zu Hippo, wo Augustin Bischof war, ist ein Pastor, der in Halle unter Tholuck studirte. Schmid und Ebrard haben sich bekanntlich zu Gunsten von Hofmann's und wider Philippi ausgesprochen. Ströbel schreibt von ihren Apologien: „Eins ist nicht zu verkennen: Durch die Polemik wider Philippi, wie sie unseren drei Schriften (die von Hof⸗ mann'sche mit eingerechnet) auftritt, geht ein immer stärker anschwellender rationalisti⸗ scher Grundton." Wie könnte es auch anders sein, wo man gegen eine klare, zur Ana⸗ logie des Glaubens gehörende Lehre der Schrift angreift!