# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S62 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 62 „Was thust du für mich?“ nen Unterschied vom Gegentheil, somit also die ihm entgegenstehende Wahr⸗ heit für geringfügig ansehen — das können wir nicht, weil wir von Gewis⸗ senswegen nicht dürfen. Das ist unsre Stellung zur Union. Es ist gewiß: nichts ist schöner als Einigkeit, nichts schmerzlicher als Zertrennung. Gedenken wir des Wortes des HErrn: „auf daß sie alle Eines seien, gleichwie Du Vater in mir und ich in Dir, daß auch sie in uns Eines seien, auf daß die Welt glaube, Du habest mich gesandt" — was ist betrüben⸗ der als der Streit der Kirchen? Gewiß: nur allzuleicht gewöhnen wir uns an diesen Stand der Dinge, den wir tagtäglich beklagen und beweinen soll⸗ ten. Aber: Eines in der Wahrheit! Es wäre nicht mehr Liebe zu ihr, welche die Treue gegen sie verleugnete. Das nöthigt uns, die äußere Schei⸗ dung zu ertragen und aufrecht zu erhalten, bis sie innerlich aufgehoben sein wird! Werden wir erst eines Sinnes sein, dann ist der Tag der Union da; aber man braucht sie nicht erst zu machen, denn sie ist geworden. Bis dahin müssen wir die gemachte bestreiten. Aber das will ich gerne bekennen: freuen wir uns bis dahin mehr des Gemeinsamen als des Verschiedenen, und seien wir scharfsichtiger das zu suchen und zu finden was uns verbindet, als das was uns trennt! Aber alle Freude über das gefundene Gemeinsame darf uns nicht übersehen lassen was trennt. Gott sei Dank, daß die Gemeinschaft der Gläubigen über die Gränzen der Kirchen hinausreicht!... Aber nicht min⸗ der gilt: dennoch sind diese Unterschiede kirchentrennend. Denn sie betreffen die Wahrheit von der Gnade Gottes in Christo, deren Haushalter wir zu sein berufen sind. So müssen wir denn auch, so lange jene Unterschiede be⸗ stehen, Wächter dieser Trennung sein. Und wir können gemeinsame Liebes⸗ arbeit nicht pflegen auf Kosten dieses Dienstes an der Wahrheit. Jener Be⸗ richterstatter sagt sagt es dem Gustav⸗Adolph⸗Verein zum Ruhm nach, daß er „unirende evangelische Grundsätze" habe. Eben das ist in den Augen der Confessionellen das Bedenkliche an ihm und das Abhaltende. „Was thust du für mich?" Bei Gelegenheit einer Recension der Hollenbergischen Schrift über „die freie christliche Thätigkeit" schreibt Ströbel in dem 1. Quartalheft der Rudel⸗ bach'schen Zeitschrift von diesem Jahre: „Unsere Vorfahren hatten starke apostolische Gründe, dem gekreuzigten Versöhner nichts weiter in den Mund zu legen, als das lautere Evangelium: „„Das that ich für dich!"" Die salzkornlose Gesetz⸗Anflickerei: „„Was thust du für mich?"" gründet sich nicht auf Gottes Wort, sondern auf Zinzendorf's Bleistift, und predigt in diesem Zusammenhange einen andern Christus, als den, der gekommen ist, nicht um sich von uns dienen zu lassen, sondern um uns zu dienen und sein Leben zur Erlösung für uns zu geben; — sie ist eine Unterdrückung des Evangeliums durch das wiederhergestellte Gesetz. Und gesetztreiberisch wie ihr Stichwort ist auch die gesammte „„christliche Freithätigkeit"", hätte sie