# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S61 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Fordert die Lehre von einer allgemeinen unsichtbaren Kirche Union? 61 Erden geschieden und oftmals wider einander sind; und ist auch alles Gebiet hienieden vermessen und abgetheilt, so ist doch eine Stätte, da sie Alle sich be⸗ gegnen, welche durch das Blut Jesu einen Zugang zu Gott haben: es ist der Thron der Anbetung. Und ich wiederhole: diese Gemeinschaft der Gläubi⸗ gen — dieser Friede im Streit der Gegenwart und dieses Unterpfand einer seligeren Zukunft — sie ist nächst der Seligkeit der eigenen Gotteskindschaft die größte Freude des Christen. Aber das Christenthum gewinnt Gestalt nicht nur in einzelnen Men⸗ schen, sondern auch in kirchlichen Gemeinschaften. Es eignet ihm Gemeind⸗ lichkeit. So will es der HErr, so fordert es die Natur der Sache. Die kirchlichen Gemeinschaften scheiden sich nicht blos in Aeußerlichkeiten, sondern auch nach Wahrheit und Irrthum. Es ist uns die seligmachende Wahrheit gegeben, sie zu besitzen nicht blos in der Gestalt unentwickelter Unbestimmt⸗ heit, sondern in immer reicher sich entfaltender Fülle ihres vollen Inhalts. Wie wir Glaube und Liebe besitzen sollen nicht blos als unentwickelte Her⸗ zensstimmung, sondern in allseitiger Bethätigung und Erweisung als das Gut unsers Verhaltens, so sollen sie das immer völligere Gut auch werden unserer Erkenntniß — nicht einer blos verstandesmäßigen, sondern einer solchen, von der unser Hohepriester sagt, daß sie das ewige Leben sei (Joh. 17,3). Sie ist bedingt durch den Gehorsam gegen das Wort. Darnach scheiden sich die Kirchen. Sind wir gewiß, daß Gott unserer Kirche vor den andern die selige Wahrheit von der Gnade Gottes in Christo zu erkennen gegeben habe, so wissen wir auch, daß ihr Beruf ist, diesen Schatz zu wahren und zu meh⸗ ren. Dann aber ist uns auch das Andere gewiß, daß die Liebe zur Wahrheit sich zu erweisen hat in der Treue gegen den kirchlichen Wahrheitsbesitz. Sie bindet uns. Das ist nicht Gebundenheit an Formeln. Der Wahrheit, deren Hüterin unsre Kirche zu sein von Gott bestellt ist, sind wir unterthan. „In Freiheit unterthan": das ist unser Wappenspruch; denn „die Wahrheit wird euch frei machen," und Liebe ist ein Verhalten der Freiheit. Und ebenso wenig ist das Verachtung, Haß, und Feindschaft wider die Andern. Denn was uns überhaupt ein Verhältniß zu jenen gibt, ist die Wahrheit von der Gnade Gottes in Christo. Ist unsre Treue gegen den Wahrheitsbesitz unsrer Kirche, dessen Haushalter wir sind, Bethätigung der Liebe gegen die Wahr⸗ heit, die auch jene selig macht, so wird sie uns doch wohl auch jene nicht has⸗ sen lehren, sondern lieben, nicht ihnen entfremden, sondern verbinden. Was uns scheidet ist der Irrthum. Wohl, handelte es sich nur um Verschieden⸗ heiten menschlicher Ansichten und dergl. von blos subjectivem Werthe, es wäre verwerflicher Eigendünkel, ihnen solches Gewicht beizulegen. Handelt es sich aber um die seligmachende Wahrheit Gottes in ihrer Selbstentfaltung, so fordert es die Treue, daß wir die Liebe zu ihr beweisen im Protest wider den Irrthum. Nicht von den einzelnen Menschen reden wir, sondern vom Be⸗ kenntniß der Kirchen. Nicht ist so, daß hier Wahrheit wäre und dort Irr⸗ thum statt der Wahrheit. Gewiß, auch dort ist Wahrheit, die Wahrheit von Christo, aber Irrthum an der Wahrheit. Wider ihn streiten wir. Und sei⸗