# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S56 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 56 Ueber Passionspredigten. ein unbekannter Schriftsteller dieser Zeiten ¹): „Indem ich die göttlichen Aussprüche vorbringe, so gib mit Fleiß Acht, in welcher Ordnung sie uns den Sohn und heiligen Geist zu setzen belehren. Denn es geziemet den Kindern der Kirche, göttliche Dinge nicht nach menschlichen Gedanken und Schlüssen abzumessen, sondern nach dem Willen und Meinung der Lehre des Geistes die Reden auszulegen.“ (Fortsetzung folgt.) ——— (Eingesandt von Past. Keyl.) Ueber Passionspredigten. Die Passionsgeschichte ist schon seit dem zweiten Jahrhundert in der Charwoche öffentlich gesungen und vom vierten Jahrhundert an vorgelesen worden, wozu so wie zum Predigen darüber später die ganze Passionszeit bestimmt wurde, welchem Vorbild auch unsere lutherische Kirche von Anfang an gefolgt ist. Wir können nun nichts besseres thun, als in diese Fußtapfen zu treten, besonders da wir die treffliche Zusammenstellung aus allen vier Evangelisten besitzen, die Dr. Bugenhagen auf Dr. Luthers Antrieb zum Gebrauch in den Kirchen verfaßt hat. Ueber diese Harmonie der Reihe nach zu predigen, ist weit gerathener, als Texte aus einem oder dem andern Evangelisten oder solche Stellen zu wählen, die von dem Nutzen des Leidens und Sterbens Christi handeln, weil es der Hauptzweck der Passionspredigten ist, die ganze Passionsgeschichte mit allen Einzelnheiten den Gemeinden jährlich vorzulesen und so viel als möglich auszulegen, was um so nöthiger ist, da viele Zuhörer von diesem wichtigen Theile der heil. Schrift früher wenig oder nichts, oder doch keine rechte Auslegung gehört haben. Um nun mit der ganzen Passionsgeschichte durchzukommen, fange man, wie die Pommersche Kirchenordnung empfiehlt, schon am Sonntage Septuagesimä oder wenigstens zu Estomihi an und fahre damit in den Nachmittags⸗ und Wochengottesdiensten bis zum Charfreitage fort, so, daß man mit dem Leiden Christi in Gethsemane bequem und mit seinem Begräbniß schließe; über die Einsetzung des heil. Abendmahles predige man am Gründonnerstage. Hinsichtlich der Einrichtung der Passionspredigten weiß ich nach 18jähriger Erfahrung keinen bessern Rath zu geben, als den ich bei den Evangelien⸗ und Katechismuspredigten gegeben habe; im ersten Jahre nämlich soll nur eine summarische Auslegung jedes einzelnen Abschnittes der Passionsgeschichte gegeben und in den folgenden Jahren abwechselnd ein Theil weiter ausgeführt, die andern Theile aber kürzer behandelt werden, worauf man diese Weise wieder von vorne anfängt. Dabei hat man drei große Vortheile, indem alle Hauptsachen alljährlich gepredigt, alle Einzelnheiten nach und nach vollständig ausgelegt und Prediger und Zuhörer immer weiser werden an Erkenntniß und Erfahrung. 1) in Expositione fidei, quae JUSTINI MARTYRIS Operibus iungi solet, pag. 374. 375.