# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 08 02_S209 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Ic ſcheide von euch mit der Zuverſicht, daß ihr bedenken werdet, was zu eurem Frieden dient, und * das gute Theil nicht laſſen, das, wenn wir's er⸗ greifen, uns ewiglich bleiben ſoll. — O wohin, wohin würde dieſes Unweſen einer falſchen Auf⸗ klärung, dieſe Unvernunft einer übermüthigen Vernunft dich bringen, du armes Volk, wenn du dich bethören ließeſt! Du evangeliſches Zion, von Gott gebaut, und, bei allen Gebrechen menſch⸗ licher Seits, doch edel ſtehend und prangend durch Jahrhunderte, mit Frieden geſegnet in deinen Mauern und mit Glück in deinen Paläſten, — was würde aus dir werden, wenn dieſe After⸗ weisheit ſich allgemeine Geltung in dir verſchaffte! Ein zweites Jeruſalem, wie es war, als Titus abzog von der wüſten Stätte. Ich habe für die evangeliſche Sache gekämpft, da ſie von einer andern Seite her angefochten ward, ſpreche aber meine Ueberzeugung offen aus, daß die Gefahr, welche unſrer theuern Kirche von Seite des Lichtfreundthums droht, in einer Hinſicht noch größer iſt, als die von jener; ich meine, ihr verliert noch viel mehr, wenn ihr Licht⸗ freunde, als wenn ihr römiſch werdet. Inſofern aber kann man hier beruhigter ſein, als man an⸗ nehmen darf, daß doch die Wenigſten dem ganz ſaft⸗ und kraftloſen Ding für die Dauer Ge⸗ ſchmack und Befriedigung abgewinnen werden, daß die geprieſene Lichtherrlichkeit nach noch kur⸗ zem Geflacker und Gepraſſel in Dunkel und Ver⸗ geſſenheit hingefunken ſein wird. Das gebe der HErr, der ſeine Kirche ſchirmen und retten will aus jeder Noth. Es iſt aber die Pflicht ſeiner Diener, ſein Werk zu treiben, ſeines Reiches Kriege mitzuführen und anzugehen gegen alle Höhe, die ſich erhebt wider das Erkenntniß Chriſti; darum hab' ich dieſes Schriftchen ge⸗ ſchrieben, und mache mir wenig daraus, wenn es Verdruß erregt und wenn es mir Schmähung zu⸗ zieht. Weiß ich doch auch, daß ich's mit denen, deren Irrthum ich bekämpfe, gut meine, wie mit dem Volk, das ich vor ihrem unheilvollen Treiben varne. O möchten ſie, wenn ſie denn doch wirklich Freunde des Lichts ſein wollen, und anders noch glauben, daß der Urquell des Lichts in der Höhe iſt, und es noch für möglich halten, daß er ſich dem Gebete der Menſchenkinder erſchließt, — möchten ſie es doch einmal unternehmen, recht ernſtlich zu beten, daß ihnen das wahre Licht ſcheine; möchten ſie nicht ablaſſen zu rufen: Vater des Lichts, erleuchte mich! Ich bin überzeugt, ſie würden bald ein ander Licht ſehen, würden nicht mehr die heilige Schrift unehren, nicht mehr die Kirche Gottes verſtören; würden zu IEſu Füßen niederſinken und ſprechen: Ich glaub' an dich, mein HErr und Gott! Dein bin ich lebend und auch todt. 5* Kirchliche Nachricht. Nachdem Herr Paſtor F. W. Richmann, vormals in Fairfield County, Ohio, ſtationirter evangeliſch-lutheriſcher Prediger, einen am 23. Februar d. J. an ihn ergangenen Beruf an die 20⁵ deutſche evangeliſch-lutheriſche Gemeinde ungeän⸗ derter Augsburgiſcher Confeſſion zur St. Petri⸗ Kirche in Lancaſter, Ohio, mit Einſtimmung ſei⸗ ner vorigen Gemeinden angenommen hatte, ſo ſind die letzteren darauf bedacht geweſen, einen Nachfolger des genannten lieben Amtsbruders zu erwählen. Auf den Candidaten des heiligen Predigtamts, Herrn Paul Baumgart, bis da⸗ hin Lehrer an der Schule der lutheriſchen Ge— meinde in Baltimore, aufmerkſam gemacht, berief ſelbigen zuerſt die vormals von Paſtor Rich⸗ mann bediente St. Petri⸗Gemeinde in Hocking County, Ohio, zu ihrem Seelſorger. Herr Baum⸗ gart, dieſen Beruf nicht von der Hand weiſend, wendete ſich hierauf an die Synode von Miſſouri mit dem Geſuch um die kirchliche Beſtätigung ſei⸗ nes Berufes. Nachdem daher derſelbe von dem genannten Körper in Betreff ſeiner Lehre, ſeiner Kenntniſſe und ſeiner Gaben geprüft und zu dem ihm angetragenen Amte tüchtig befunden worden iſt, ſo iſt ihm hierauf durch Herrn Paſtor Rich⸗ mann unter Aſſiſtenz Herrn Paſtor Seidels aus Union County, Ohio, inmitten ſeiner Gemeinde die heilige Ordination am letztvergangenen drit⸗ ten Sonntage nach Trinitatis in Auftrag des Präſes der Synode ertheilt worden. Hierauf hat auch die vorher von Herrn P. Richmann bediente St. Johannis⸗Gemeinde und eine dritte neu ge⸗ bildete, etwas entferntere, Herrn Paſtor Baum⸗ gart die Annahme ihres Pfarramtes angetragen. Letzterer hat auch in dieſe Anträge in Gottes Na⸗ men eingewilligt. Sein Wohnort iſt gegenwärtig Logan. Möge der HErr dieſem neuen Arbeiter in ſei⸗ nem Weinberge Gnade ſchenken, daß er ſei un⸗ ſträflich in Lehre und Leben und wandle im vol⸗ len Segen des ſüßen Evangeliums von der Gnade in Chriſto IEſu, unſerem Heilande. Amen. Adreſſe: Rev. P. Baumgart, Logan, Hocking Co., Ohio. Mittheilung von Welthändeln. Die Synode hat den Beſchluß gefaßt, daß künftighin im Lutheraner auch kurze ſummariſche Nachrichten über die politiſchen Weltereigniſſe re⸗ gelmäßig aufgenommen werden ſollen. Sie be⸗ abſichtigt dadurch keineswegs, den Lutheraner zu einem Zwitterding von politiſch-kirchlicher Zei⸗ tung zu machen, ſondern es geſchieht lediglich in der Abſicht, den Leſern behülflich zu ſein, ſich auf den richtigen Standpunkt zu ſtellen, von dem aus die Weltereigniſſe zu betrachten ſind, und ſie zu verwahren, ſich in ihrem Urtheil über dieſelben nicht der ungläubigen geiſtloſen Welt gleichzu⸗ ſtellen. Gewiß bedarf dieſer Beſchluß nicht erſt der Rechtfertigung vor unſern Leſern, wenn ſie bedenken, 1.) wie nachdrücklich uns der HErr er⸗ mahnt, auf die Zeichen der Zeit zu merken, 2.) wie Gottes herrliches Regiment nicht allein in ſeinem Gnadenreiche, ſondern auch nicht weniger im Reiche der Welt hervorleuchtet, 3.) wie vielfältig die Einwirkungen der Weltereigniſſe auf die mit⸗ ten in die Welt geſtellte und von der Welt um⸗ gebene Kirche ſind, im Guten ſowohl, als im Böſen, 4.) auch wie hoch es Noth den Chriſten thut, die Lehre der Schrift von der göttlichen Ordnung der Obrigkeit ſich tief einzuprägen zu einer Zeit, wie die unſrige, wo dieſe Lehre ganz mit Füßen getreten wird, beides in der alten und nenen Welt, 5.) das Vorbild der heiligen Schrift, beſonders des Alten Teſtaments. Indem wir heute damit den Anfang machen, wollen wir zunächſt eine kurze Ueberſchau der jüngſt verfloſſenen Zeit halten. Jedermann weiß, was ſich (wir ſchweigen jetzt von andern Theilen der Welt) in Europa und in unſerm alten Vater⸗ lande ſeit nur etwa einem halben Jahre ereignet hat, Begebenheiten, die, obwohl lang vorbereitet und zum Theil vorausgeſehen, dennoch durch ihre Heftigkeit und die Gleichzeitigkeit, in der ſie ſich über die entfernteſten Theile Europas verbreitet haben, die Ohren gellen gemacht haben. Im Februar brach in Paris die Revolution aus, ſtürzte König und Königthum und proclamirte die Republik. Mit Blitzesſchnelle verbreitete ſich das Feuer faſt über den ganzen Continent Europas und zerſtörte die Pfeiler aller bisherigen bürger⸗ lichen Ordnung in ihrem innerſten Grunde. Bald erfolgten die blutigen Tage in Berlin, die einen der mächtigſten Könige zu einer Spielpuppe des Volks machten; dasſelbe geſchah faſt gleich⸗ zeitig in der alten Kaiſerſtadt Wien, in Baiern, Sachſen, Hannover, den beiden Heſſen und den meiſten kleineu Staaten Deutſchlands. Merk⸗ würdig, ohne vorherige Uebereinkunft waren die Forderungen des entfeſſelten Volks überall die⸗ ſelben: Volksſouveränität, Preß⸗ und Religions⸗ freiheit, Trennung der Kirche vom Staate, Auf⸗ hebung der ſtehenden Heere, allgemeine Volks⸗ bewaffnung u. ſ. w. Auf Seiten der Fürſten war weder Glück, noch Sieg; ſie wetteiferten in kriechender Nachgiebigkeit gegen die gebieteriſchen Forderungen der Volksmaſſe. Die verhaßten Mi⸗ niſter mußten fliehen und den Vertrauensmännern des Volks Platz machen. Dieß alles geſchah in Zeit von wenig Wochen. Selbſt England iſt vom Revolutionsgeiſt nicht unberührt geblieben und wer weiß, welchen Ausgang die Irländiſchen Unruhen noch nehmen werden. In Paris, nach⸗ dem die Republik die Kriſis der Mai- und Juni⸗ tage mit furchtbarer Aufopferung von Menſchen⸗ leben beſtanden hat, iſts jetzt unter dem Schutz des Martialgeſetzes anſcheinend ruhig bis auf Weite⸗ res. In Oberitalien dauert der Krieg zwiſchen Oeſtreich und den empörten Lombarden, an deren Spitze ſich der König von Sardinien geſtellt hat, mit wechſelndem Glück fort. Dem allerheiligſten Vater ſind ſeine mündig gewordenen Kinder über die Schultern gewachſen und machen mit ihm, was ſie wollen. Siecilien hat ſich nach blutigem Kampfe von Neapel unabhängig gemacht und Neapel ſelbſt ſtehet auf vulkaniſchem Boden. Wie werthlos jetzt die Königskronen geworden ſind, beweiſ't die Thatſache, daß der Großherzog von Toskana kürzlich die ſeinem Sohne angetragene Krone von Sicilien ablehnte. Das Emporkom⸗ men der liberalen Parthei in Deutſchland hatte den Krieg mit Dänemark zur Folge; ein drei⸗ monatlicher Waffenſtillſtand ſollte endlich einen