# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S43 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort zu Jahrgang 1859. 43 zog ihrer Seligkeit würde, und andererseits, daß auch hierin die Glieder dem Haupte nachfolgen werden; denn der Jünger ist nicht über den Meister ... Ebenso klar, dogmatisch und historisch, aber schließt sich die wahre Lehre von der Höllenfahrt Christi zusammen mit der Frage über das Schicksal der Heiden, die Gottes Wort nicht gehört oder empfangen haben*) ... Wenn, wie stets in der Offenbarung, so namentlich in der Lehre von der Höllenfahrt Christi, das Licht der göttlichen Barmherzigkeit mit dem der Wahrheit sich vermählt, so ist dies zwar keineswegs auf das Schicksal derer auszudehnen, die die gnädige Einladung durchs Evangelium verachtet haben, und die ohne Zweifel so gut „„an ihren Ort““ gehen, wie der reiche Mann, der den Ruf Gottes an ihn durch Lazarus verachtet hatte; noch viel weniger werden wir dadurch zur Annahme eines Mittelzustandes im Sinne des Purgatoriums berechtigt; wohl aber können wir die prophetische Hoffnung nicht schlechterdings als unbegründet abweisen, daß eine außerordentliche gnadenvolle Veranstaltung, ähnlich jener Evangelisirung der Todten bei der Hades⸗Fahrt Christi**), für Diejenigen eintreten werde, die vom Worte des Lebens nichts gehört haben, und die so wenigstens nicht in ein ausdrückliches Verhältniß zu dem Lichte eingetreten sind, das allen Menschen erschienen ist.“ (S. 145—156). Traurig ist u. A. ferner die Wirkung, welche die neuen Entdeckungen auf dem Gebiete der Naturwissenschaften selbst bei denen, welche sonst unserer Kirche treu sein wollen, hervorgebracht haben. Die meisten haben nun nichts eiligeres thun zu müssen geglaubt, als zu versuchen, wie die Bibel mit den angeblich unumstößlichen Resultaten der Forschung auf dem bezeichneten Felde in Einklang zu bringen sei. Dies ist denn der Weg geworden zu den ungeheuersten Behauptungen. So schreibt, um nur Ein Beispiel anzuführen, Kurtz, damals in Mitau, dessen Name sonst unter den Lutheranern einen so guten Klang hat, in seiner Schrift: „Bibel und Astronomie. Ein Beitrag zur biblischen Kosmologie. Berlin 1849.“: „Wir haben bereits in vormenschlicher Zeit eine Erde, und nicht minder eine Geschichte, die sich auf ihr und an ihr entfaltet hat. Der Prophet der Urgeschichte erblickte diese Erde als Wüste *) Schon zu Anfang der Abhandlung hatte Rudelbach geschrieben: „Zu leugnen ist es ja nicht, daß ein weichlich⸗sentimentales, pelagianisches Interesse oft, und namentlich im 18. Jahrhundert, hinter die Frage von der Seligkeit der Heiden sich versteckte . . .; um desto mehr aber thut es Noth, daß sie zu ihrem christlichen Rechte komme, in ihrer wahren Bedeutung erkannt werde“. **) Von einer „Evangelisirung der Todten“ bei der Höllenfahrt Christi sagt die Schrift kein Wörtlein. 1 Petr. 4, 6. handelt nicht von einer den Todten im Tode, sondern als sie noch lebten, geschehenen Verkündigung des Evangeliums; welche Predigt aber 1 Petr. 3, 19. gemeint sei, ist leicht aus Col. 2, 15. zu schließen. Auch in Erklärung dieser Stellen ist ja billig die Analogie des Glaubens nicht zu verletzen, Röm. 12, 7., und „eigene Auslegung“, 1 Petr. 1, 20., wie die Hölle zu meiden. Luther schreibt zu 1 Petr. 19—22., nachdem er seine Auslegung gegeben hat: „Das kann ich aber nicht wohl glauben, daß Christus hinabgefahren sei zu den Seelen, und habe ihnen da gepredigt; so ist die Schrift auch dawider, und sagt, daß ein jeglicher, wenn er dahin kommt, werde empfahen, wie er gegläubt und gelebt hat.“ Ebenso schreibt Luther zu 1 Petr. 4, 6.: „Ich kann den Verstand nicht annehmen, daß den Todten und Verstorbenen das Evangelium soll gepredigt sein.“