# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S42 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 42 Vorwort zu Jahrgang 1859. Schrift: die Lehre von Christi Höllenfahrt, J. L. König) thut ohne Zweifel der Darstellung der Concordienformel Unrecht, wenn er zur Ergänzung die oft erwähnte Predigt Luthers zu Hülfe nimmt; womit wir freilich nicht gesagt haben wollen, daß die in Frage stehende Lehrentwickelung überall die angemessene sei; sie fordert vielmehr eine tiefere und klarere ... Ohne Zweifel hat eine jede große Zeit im Reiche Gottes eine oder mehrere Seiten des ganzen christlichen Lehrbegriffs im vorzüglichen Sinne zu entwickeln: es ist dies eben so oft bemerkt, als von der Geschichte vollkommen bestätigt. Die häretischen Elemente selbst, welche die Kirche zu bekämpfen hat, sowie ihr eigenes innerstes Bewußtsein treiben dann alle auf diesen Mittelpunkt hin. Ein solcher ist der gegenwärtigen großen Zeit im Reiche Gottes gegeben mit der Lehre von der Kirche sowie mit der von den letzten Dingen ... Es kann nicht geleugnet werden, daß wohl keine Lehre dem Glaubensbewußtsein unserer Zeit entfernter liegt, als die vom Hades und der Höllenfahrt des HErrn, so möchte vielleicht nichts näher zum Ziele führen, als zu zeigen, wie diese ganze Lehre ebenso nothwendig in die ganze Oekonomie der evangelischen Geschichte verflochten ist, als ein unentbehrliches Glied im Ganzen des christlichen Glaubens, so daß sie nicht minder die übrigen Glieder trägt, als von denselben getragen wird.*) Wir brauchen blos zu erinnern an Christi tröstliche Verheißung an den reuigen Schächer (Luc. 23, 43.), um sofort einzusehen, daß die gewöhnlich entgegengehaltene Vorstellung von einem sofortigen Gelangen der Verschiedenen zur vollendeten Seligkeit, zum Anschauen Gottes, die unhaltbarste von allen ist; denn wäre dem so, dann wäre unstreitig der Fürst des Lebens, sobald er seine Seele, ausathmend, befohlen hätte in die Hände des Vaters, nicht an jenen Ort im Untern der Erde (εἰς τὰ κατώτερα μέρη τῆς γῆς Eph. 4, 9.), sondern grade in den Himmel gegangen ... So wenig ist irgend ein Zweifel, daß das Paradies, worin der fromme Schächer kam, eben jener Ort sei, wo der HErr hingefahren,**) daß vielmehr im entgegengesetzten Falle des HErrn Wort seiner That oder seine That seinem Wort widersprechen, in beiden Fällen aber seine Weissagung von seinem dreitägigen und nächtlichen Weilen „„im Herzen der Erde""(ἐν τῇ καρδίᾳ τῆς γῆς Matth. 12, 40.), nach dem Vorbilde, das am Propheten Jonas geschehen war, zu nichte gemacht würde.. So irren wir gewiß nicht, wenn wir einerseits folgern, daß auch hierin, wie im Tode, der Herr seinen Brüdern gleich gemacht, doch so, daß er eben auch darin der Her- *) Man sieht hieraus, daß es sich hier nicht um ein theologisches Problem handelt, über das pro et contra disputirt werden könne, sondern um einen Glaubensartikel im eigentlichen Sinne des Wortes, der erst jetzt in dieser „großen Zeit" an das Tageslicht gezogen und von seinen Schlacken gesäubert werden soll. D. R. **) „So findet auch Abraham's Schooß im Gleichnisse vom reichen Mann und armen Lazarus (Luc. 16, 22.) die befriedigendste Aufklärung." (Rudelbach.) Nach R. ist also Christi Höllenfahrt die Fahrt ins Paradies und in Abraham's Schooß! Das ist Lehrentwicklung!