# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S41 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort zu Jahrgang 1859. 41 Mensch zu werden""") ist eine schiefe und über das Maß hinausgehende (denn nicht, Gott zu sein, hat er aufgehört, sondern nur die μορφῇ θεοῦ [die göttliche Gestalt Phil. 2, 6.] hat er aufgegeben). — Es dürfte die wesentlichste Aufgabe der Theologie unserer Zeit sein, die Lehre von dem Gottmenschen zu rectificiren." So sehen wir denn auch jetzt wieder, daß Luther Recht hat, wenn er erklärt, daß zu aller Zeit der Artikel von Christo der Hauptanstoß ist für die menschliche Vernunft und daß alle Irrlehrer hier anheben. Wohl sieht Satan, daß er in der alten Gestalt seinen Kampf gegen Christum, Gott und Mensch zu Einer Person vereinigt, nicht erneuern darf, will er die wenigen in dieser letzten Zeit noch übrig gebliebenen Gläubigen berücken; daher kommt er denn nun unter dem Deckmantel nöthiger „Fortbildung" der alten Lehre einher getrollt und hofft so den arglosen Christen einen „gläubig" zugestutzten Arianismus auf- und ihren Christus mit schönen Worten ihnen abzuschwatzen. Einen ferneren traurigen Beweis, wie das Bewußtsein, daß die lutherische Kirche wirklich das Kennzeichen der reinen Predigt habe, in den Theologen erloschen sei, welche jetzt als die lutherischen Choragen dastehen, liefert Dr. Rudelbach. Anderes, bei früherer Gelegenheit bereits Erwähntes, hier nicht zu wiederholen, erinnern wir nur an einen Aufsatz des genannten hochberühmten Theologen in dem vierten Quartalheft seiner „Zeitschrift" von 1842. Darin heißt es u. A. wie folgt: „Bei der Reformation galt es in der That so ganz den innersten Herd des christlichen Gewissens, den Mittelpunct und die Wurzel des Evangeliums, daß viele andere Fragen um so mehr bei Seite mußten liegen bleiben, als der Kampf sonst nicht pro aris et focis (für Altar und Herd) hätte rechtschaffen geführt werden können. Nur was durch die ganze Dogmatik hindurch die Lehre von der Rechtfertigung wieder in Anwendung brachte, oder was nothwendig daran anknüpfte, oder worin man den Pelagianismus hineingetragen hatte, um sein Blättergold als wirkliches zu verkaufen, konnte und mußte Gegenstand der näheren Untersuchung werden. So kämpfte man gegen das Purgatorium (Fegefeuer), und mit Recht, weil es Christi Verdienst in Schatten stellte und den Grundbegriff des Versöhnenden in seinem Tode gefährdete; aber mit Entfernung dieser Vorstellung wurde der Glaubensbegriff des Mittelzustandes überhaupt und des Seelenbehältnisses bis zur allgemeinen Auferstehung, welcher unleugbar das Zeugniß der heil. Schrift hat, mehr oder weniger gleichgültig bei Seite geschoben. So kam es, daß der Artikel im Symbolum „„Herabgefahren zur Hölle""zum Theil auch in der lutherischen Kirche nicht die vollständige Auffassung wie andere, am wenigsten die angemessene Lehrentwickelung fand*)... Der Verfasser (der *) Hier fügt Rudelbach einige zerstreute Aeußerungen Luther's, Matthesius', Rhegius', Luc. Osianders' und Schlüsselburgs ein, welche die bekannte Hypothese zur Erklärung von 1 Pet. 3, 19. 20. enthalten, daß entweder alle Seelen oder doch die von der Sündfluth überraschten bis auf Christi vollbrachten Opfertod in einem Mittelzustand sich befanden; welche Hypothese nun Rudelbach, ohne die geringste Berechtigung, zu seiner Lehre von einem Hades als Mittelort auch nach Christi Opfertod ausbeutet.