# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S40 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 40 Vorwort zu Jahrgang 1859. die jener weiß, daß also auch hier immer noch die göttliche Seite ein ungebührliches Uebergewicht behauptet. (!) An diesem Puncte nun wird das Dogma von der von uns zu beschreibenden Lehrfortbildung aufgenommen." (S. 40.) Man sieht hieraus, die reformirte nestorianische Lehre von Christi Person soll durch die lutherische so hindurch gehen, daß sie auf der andern Seite übler zugerichtet wieder heraus kommt. Wenn daher Ebrard in der Herzog'schen Real⸗Encyklopädie unter dem Titel: „Jesus Christus der Gottmensch", schreibt*): „Daß der Logos selbsteigen Mensch wurde, daß er sich auf die Existenzform einer embryonischen Kindesseele herabsetzte, daß er, in welchem alle Fülle der Gottheit in der Form der ewigen Präsenz wohnte, sich reducirte (!) zu einem Wesen, in welchem jene Fülle in der Form des entwickelungsfähigen Keimes lag, — daß er Kindesseele, keimendes, menschliches Lebenscentrum wurde, und als solches einging in den menschlichen Mutterschooß, in die Keimzelle, und aus dem irdischleiblichen Stoff sich einen Leib — zunächst eine beseelte Faser, die zum Leibe sich entwickelte, — bildete und sie beseelte und zum Leibe heranwachsen ließ — dies ist die Wahrheit, welche von jenen beiden irrigen Anschauungen gleichermaßen verkannt wurde. Sobald jene Wahrheit begriffen und festgehalten wird, kann man gar nicht zu dem absurden Satze kommen, der Logos habe sich mit einem Menschen, der Gottessohn mit einem Mariensohn verbunden" — und wenn nun ferner auf diese Theorie hin Ebrard nicht ansteht eine Communicatio idiomatum anzuerkennen, die „keine verbalis" sei: so kann uns das Lob, welches Ebrard am Schlusse seines Artikels den Erlangenschen Theologen zollt, nur tief betrüben als eine auf der lutherischen Kirche unserer Tage lastende Schmach. Ebrard schließt nehmlich, wie folgt: „Die neuere lutherische Theologie, namentlich die der Erlanger Schule, hat einen ernsten und anerkennenswerthen Anlauf genommen, jene aus der mittelalterlichen Scholastik herübergenommene Anschauung zu überwinden. Dr. Thomasius hat zuerst 1845 (Zeitschr. für Protest. und Kirche. Heft 2) die Ansicht auszusprechen gewagt, daß der Logos im Stande der Niedrigkeit sich selbst beschränkt und so gleichsam die Eigenschaften der menschlichen Natur angenommen habe. Immerhin soll der so beschränkte Logos sich dann mit einer „„menschlichen Natur""im concreten Sinne verbunden haben. Im Stande der Erhöhung habe die göttliche Natur ihre göttlichen Eigenschaften wieder angenommen, und dieselben auch der menschlichen Natur communicirt. Die Anschauung von den zwei Naturen als zweien Bestandtheilen war hier noch beibehalten, aber ein erster Anfang war doch gemacht, die Unhaltbarkeit der lutherischen Scholastik von 1577 (der Concordienformel) anzuerkennen. Weit energischer dagegen hat neuerdings Dr. Hofmann in seinem „„Schriftbeweis""die Lehre durchgeführt, daß der Logos Mensch geworden sei. Die Form der Darstellung Hofmann's (der Sohn Gottes habe „„aufgehört, Gott zu sein, um *) Wir haben hier nur das mit gesperrter Schrift gegeben, was Ebrard selbst so gibt.