# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S38 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 38 Vorwort zu Jahrgang 1859. verlangt zu größerer Ehre, damit die Herrlichkeit des zweiten Tempels größer sei, als die des ersten, daß noch vieles gebessert werde. Was die Sitten und den Wandel betrifft, so ist alles von papistischem und heidnischem Sauerteige voll. Was die Kirchengebräuche und die gottesdienstlichen Weisen betrifft, wer sollte darin nicht allenthalben Gleichmäßigkeit und Einheit wünschen? O möchten nach den sächsischen Kirchen, von denen das wieder gereinigte Evangelium ausgegangen ist, alle anderen und auch unsere Straßburgischen Kirchen conformirt werden können!" (Liber conscientiae I. p. 941.) Noch deutlicher redet Luther. Er schreibt z. B. in der Vorrede zu den Schmalkaldischen Artikeln im Jahre 1537: „Daß ich wieder komme zur Sache, möchte ich fürwahr wohl gern ein recht christlich Concilium sehen, damit doch viel Sachen und Leuten geholfen würde. Nicht daß wir's bedürfen; denn unsere Kirchen sind nun durch Gottes Gnaden mit dem reinen Wort und rechtem Brauch der Sacrament, mit Erkenntniß allerlei Ständen und rechten Werken also erleuchtet und beschickt, daß wir unserthalben nach keinem Concilio fragen, und in solchen Stücken vom Concilio nichts bessers zu hoffen und zu gewarten wissen. Sondern, da sehen wir in den Bisthümern allenthalben viel Pfarren ledig und wüst, daß einem das Herz möcht brechen ꝛc." So schreibt ferner Luther im Jahre 1541 in seiner Schrift wider Herzog Heinrich zu Braunschweig: „Was habt ihr (Papisten) selbst gethan, daß ihr jetzt ein Concilium begehret? jetzt verheißen, jetzt verzogen, jetzt versagt? Ist eure Kirche heilig, wie fürcht sie sich denn vor einem Concilio? Was darf sie Reformirens oder Concilii? Darf sie eines Conciliums, wie ist sie heilig? Wollet ihr eure Heiligkeit auch reformiren? Wir für uns haben nie keines Conciliums begehrt, unsere Kirchen zu reformiren. Denn Gott der heil. Geist hat durch sein heiliges Wort unsere Kirche längst geheiliget, ja vielmehr alle päbstliche Hurerei und Abgötterei ausgefegt, daß wir alles (Gott Lob!) rein und heilig haben, das Wort rein, die Taufe rein, das Sacrament rein, die Schlüssel rein; und alles, was zur rechten Kirchen gehört, haben wir heilig und rein, ohne allen menschlicher Lehre Zusatz und Unflath. Das Leben (wie droben gesagt,) gehet nicht völliglich hernach, wie wir gerne sähen und wollten, darüber die Propheten und Apostel selbst auch klagen; denn das gehöret dorthin, da wir den Engeln gleich sein werden, Matth. 22, 30. Aber wir begehren eines Concilii darum, daß unsere Kirchen verhöret und unsere Lehre frei an's Licht kommen möchte, damit eure Hurerei im Pabstthum erkannt, verdammt und jedermann, der dadurch verführet, zu der rechten heiligen Kirchen mit uns und sammt uns bekehret und gemehret möchte werden." (XVII, 1693. 1694.) Dieses Bewußtsein, daß unsere lutherische Kirche die, was die Lehre betrifft, wahrhaft reformirte Kirche*) sei, ist jedoch gerade in den *) Wie sie ausdrücklich in der Concordienformel (s. Wiederholung. Summar. Begriff. fol. 256. b.) genannt wird.