# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Vorwort zu Jahrgang 1859. borgen lag, aber in Betreff der Reinigkeit des Glaubens wahrhaft glänzte. 2. War sie etwas befleckt zur Zeit der Ketzer und Kirchenväter, da sie von der alten Einfalt nach und nach sich abwendete und menschliche Meinungen und Ueberlieferungen mehr und mehr beigemischt wurden; daher Hegesippus bei Eusebius (4. Buch der Kircheng. Cap. 22.) sagt: „„Die Kirche sei nach den Zeiten der Apostel eine Jungfrau genannt worden, weil sie noch nicht durch Einschleichen eines unächten Wortes geschändet gewesen, daß sie aber nicht lange so beschaffen geblieben sei."″ Hieronymus schreibt in dem Leben des Malchus: „„Nachdem die Kirche christliche Fürsten erhalten habe, sei sie zwar größer an Macht und Reichthum, aber an Tugenden kleiner geworden."″ An einer anderen Stelle nennt er die Zeiten, in denen er lebte, „„die Hefe der ersten Zeiten."″ Chrysostomus vergleicht in der 36. Homilie zu 1 Cor. die Kirche seiner Zeit mit einem „„Weibe, welches die erste Blüthe seiner Jungfräulichkeit verloren habe."″ 3. War sie gänzlich entstellt zur Zeit der Herrschaft des römischen Pabstes, unter dessen Tyrannei der ganze Leib der himmlischen Lehre jämmerlich zerrissen und zertrennt wurde. 4. Ist sie in diesen letzten Zeiten aufs neue reformirt und in dem ursprünglichen Glanze des apostolischen Glaubens wieder hergestellt worden." (Loc. de ecclesia § 104.) Obgleich nun hiernach Gerhard es zugesteht, daß die Kirche nicht immer von allen Irrthümern rein, sondern vielmehr oft tief verderbt gewesen ist, so behauptet er doch, daß die Kirche der Reformation eine Kirche von apostolischer Reinheit war. Und wir glauben es mit ihm. Oder wie? fließt selbst nach der Reformation die seligmachende Lehre in allen sichtbaren Kirchen noch immer aus getrübter Quelle? Ist eine jede nur Eine Regenbogen⸗Farbe, so daß erst durch ihre Zusammenreihung der himmlische Regenbogen reiner, voller Wahrheit auf Erden sichtbar sich darstellt? Hat keine die vollkommen reine Lehre? Gibt es nur eine vergleichungsweise rechtgläubige, eine bessere, als alle anderen, oder beste unter allen, aber keine, welcher das Prädicat einer wahren sichtbaren Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes gebührte? Besitzt auch diese „beste" Lehrreinheit nur annähernd dem Bilde einer wahren Kirche? Gibt es noch immer Lehren, welche in den Zusammenhang der Heilsoffenbarung, wie Glieder in eine Kette, gehören, Glaubensartikel (denn allein von solchen Wahrheiten ist hier die Rede), die auch nicht von Einer Kirche dargestellt, oder die doch von keiner rein und richtig dargestellt wären? Gibt es keine wirklich reformirte Kirche, die daher, was die Lehre betrifft, keiner Reformation bedarf? — Daß Gott nach der Offenbarung des Antichrists wirklich Gnade gegeben habe zur Darstellung einer solchen sichtbaren Kirche, das glaubten, wie wir oben aus Gerhard ersehen haben, unsere Väter vor drei⸗ und zweihundert Jahren von ganzem Herzen und sie lobten Gott darob mit fröhlichem Munde. Wohl waren sie weit davon entfernt, zu glauben, daß die luth. Kirche keiner Reformation bedürfe in Betreff des Lebens. Sie wußten wohl, wie jeder einzelne Christ bis in den Tod zu bitten hat: Vergib uns unsere Schuld, und daher des täglichen Ausziehens des alten und