# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort zu Jahrgang 1859. 35 Heiligen, die im Himmel mit Christo triumphiren. Von der Kirche der Auserwählten, die im Himmel triumphiren, wird mit Recht gesagt, daß sie keinem, auch nicht dem geringsten, Irrthume unterworfen sei, weil mit dem klaren Schauen Gottes kein, auch nicht der geringste, Irrthum besteht. In Betreff der Kirche der Auserwählten, die noch auf Erden streiten, ist mit Unterscheidung zu antworten, da es zweierlei Irrthümer gibt, von denen die einen fundamentale sind, welche den Grund des Glaubens selbst umstoßen, die anderen aber nicht⸗fundamentale, welche mit dem Grund des Glaubens bestehen, und da der Irrthum auf zweierlei Weise vorkommen kann, entweder nur eine Zeitlang, oder bis an den Tod. Auserwählte können nehmlich eine Zeitlang in Irrthümer gerathen (einige gerathen auch wirklich in dieselben), nicht nur in leichtere, sondern auch in fundamentale; indessen winden sie sich doch vor dem Ende ihres Lebens aus diesen wieder heraus, denn sonst wären sie nicht jene eigentlich sogenannten Erwählten, von denen wir nach unserem Vorhaben hier reden; daher sie in fundamentalen Irrthümern nicht bis zum Tode verharren, jedoch in leichtere Irrthümer (welche der Apostel 1 Cor. 3, 12. Heu und Stoppeln nennt) nicht nur eine Zeitlang, sondern auch bis zum Tode verstrickt werden können, die jedoch durch das Feuer des Creuzes und der Anfechtung in ihnen verzehrt werden, damit sie ihre Seligkeit nicht umstoßen. Die katholische Kirche der Berufenen umfaßt alle Gläubige oder Bekenner aller Zeiten und Orte. Wenn nun in Absicht auf diese gefragt wird, ob sie irren könne, so ist unsere Antwort, daß die ganze Kirche nicht irre; was wir sowohl rücksichtlich der Zeiten, als der Orte, also erklären: Obgleich solche Zeiten einfallen können, zuweilen auch wirklich einfallen, daß die Verderbnisse die öffentliche Ausübung der Religion einnehmen, so irrt doch die ganze katholische Kirche aller Zeiten nicht, weil Gott immer von Zeit zu Zeit Propheten und andere treue Kirchendiener erweckt, welche jene Verderbnisse in der Lehre strafen, den Gottesdienst reformiren und die Kirche in ihrem ursprünglichen Glanze wieder herstellen. Obgleich auch bisweilen die Verderbnisse die ganze sichtbare Kirche und das öffentliche Kirchenamt in allen Particularkirchen aller Orte einnehmen, so daß nirgends ein reines und unverderbtes Predigtamt übrig ist: so irrt doch die ganze Kirche niemals also, daß es nicht Solche geben sollte, welche, einfältig der Leitung des Wortes folgend, durch Regierung und kräftige Wirkung des heil. Geistes in der Wahrheit und im Glauben also geheiliget werden, daß sie den Grund des Heils behalten, von fundamentalen Irrthümern frei bleiben und aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werden zur Seligkeit, obgleich ihrer zu Zeiten wenige sind und, während die Verfolgungen und Verderbnisse öffentlich grassiren, so verborgen liegen, daß sie öffentlich vor der Welt nicht erkannt werden. Hierher kann gerechnet werden, daß einige die Sache so vorstellen, daß in der sichtbaren Kirche des Neuen Testaments hauptsächlich vier Veränderungen oder Gestalten sich beobachten lassen. 1. War sie schön gezieret zur Zeit der Apostel und Märtyrer, da sie zwar wegen der Verfolgungen ver-