# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1859_S33 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang V. Februar 1859. No. 2. Vorwort zu Jahrgang 1859. (Fortsetzung und Schluß.) Nach einer längeren Episode, die hoffentlich unsere geehrten Leser nicht ermüdet und ungeduldig gemacht hat, die dieselben vielmehr gewiß dankbar als eine köstliche Perle aus der Schatzkammer unserer Väter hingenommen haben, lenken wir nun wieder ein. — In der Theorie wenigstens dürften vielleicht alle sogenannten gläubigen Theologen unserer Zeit darin mit uns übereinstimmen, daß die seligmachende Wahrheit etwas bereits in der Schrift fertig Vorliegendes ist und daß daher weder neue Offenbarungen eines montanistischen Parakletus oder eines sogenannten inneren Lichtes der Schwärmer (Wiedertäufer, Quäker, Inspirirten, Schwenkfeldianer, Weigelianer, Swedenborgianer u. A.), noch papistische Traditionen, als das angebliche ungeschriebene Wort Gottes, noch endlich Ergänzungen aus den Vorräthen des Natur- und Vernunftlichts, der Philosophie, vonnöthen seien. Es entsteht aber nun die Frage: Ist es auch möglich, daß es eine sichtbare Kirche gebe, welche die in der Schrift enthaltene volle seligmachende Wahrheit bereits hat? Viele leugnen in unseren Tagen diese Möglichkeit, obgleich sie zugestehen, daß die volle Wahrheit in der Schrift enthalten sei. Entweder sehen sie daher die Schrift, anstatt für eine Offenbarung der Wahrheit, nur für ein ewiges Uebungsmittel im Suchen der Wahrheit, für den Sisyphus⸗Block, den die Kirche bis ans Ende zu wälzen hat, an; oder sie meinen, darin bestehe eben die für die Weltzeit der Kirche gestellte Aufgabe, nach und nach das himmlische Metall der vollen Wahrheit aus dem dunklen Schachte der Bibel zu Tage zu fördern, sei dies endlich erfolgt, so habe die Kirche ihr Ziel erreicht, sie sei dann jener „vollkommene Mann" geworden, „der da ist in der Maaße des vollkommenen Alters Christi" (Ephes. 4, 13.), und werde dann ihr tausendjähriges Siegesfest feiern. So wenig wir aber mit dem offenbaren, nackten Skepticismus der ersteren, mit jener Verzweiflung an dem Finden der Wahrheit, die wohl einem „Was ist Wahrheit?" fragenden heidnischen Pilatus, aber keinem Christen ansteht, etwas zu thun haben mögen; eben so wenig können wir uns je mit der Entwicklungstheorie der letzteren versöhnen. Es ist zwar ein hor-