# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 08 02_S207 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) rund euch mittheilen können! (ſiehe Seite 26.) Und wenn nur dieß ungetrübte Wahrheit wäre! ſo aber ſtreifen überall die Schatten des Irrthums hinein. Sie haben die richtige Lehre von Einem Gott, und doch keine richtige Erkenntniß vom göttlichen Weſen, weil ſie auf den Juden- und Türken⸗Glauben von nur Einer Perſon in der Gottheit gerathen ſind. Dieſen müßt ihr mit ihnen theilen. Sie nennen euch die göttlichen Eigenſchaften etwa wie wir, pflegen aber z. B. von der Heiligkeit und Gerechtigkeit Got⸗ tes und von ſeiner Liebe ſich und andern einen ſehr falſchen Begriff zu machen. Sie verdunkeln euch die göttliche Heiligkeit und Gerechtigkeit; ihr Gott hat aufgehört, ein verzehrend Feuer gegen die Sünde und ein eifriger Rächer des Böſen zu ſein; ſie vertragen einen ſolchen Gott nicht mehr, weil ſie das Wort von der Verſöhnung nicht ken⸗ nen. Die göttliche Liebe aber wird ſo zur Ge— ſinnung eines ſchwachen Vaters, der ſich um die Unarten und Bosheiten ſeiner Kinder nicht allzu⸗ ſehr bekümmert, und nur dann nach der Ruthe langt, wenn dieſe mit dem Meſſer auf einander losgehen, oder das Haus anſtecken wollen. Ihr höret von einer göttlichen Vorſehung, die über der Welt waltet, aber man zeigt euch nicht, wie ihr euch derſelben getröſten kön.“:; man verſtellt euch den Weg, der zu dem Vater- und Mutterſchooß führt, in welchen das arme Men⸗ ſchenkind unter allen, oft ſo ſchweren Geſchicken ruhig ſein Haupt legt; denn nur durch Chriſtum haben wir Zugang in aller Zuverſicht, nur durch Ihn rufen wir von Herzensgrund: Abba, lieber Vater! Ihr behaltet die Sittengebote*), das Geſetz, aber was iſt es ohne das Evangelium? Wird es nur ſo leichthin gepredigt und aufgenom⸗ men, wie es denn da drüben in der Regel ge⸗ ſchieht, ſo läßt es todt; wird es aber doch einmal ſchärfer gepredigt und ernſter zu Gemüth gefaßt, ſo richtet es nur Zorn an (Röm. 4, 5.); es hält euch eure Uebertretungen unter die Augen und verdammt euch, und weil ihr von einer Vergebung Sünden aus Gnaden um Chriſti willen nichts erfahrt, ſo erregt es in eurem Herzen Bitterkeit gegen den Geſetzgeber, und bewirkt alſo das ge⸗ rade Gegentheil von den erſten aller Pflichten und Tugenden, von der Liebe zu Gott. — Sehet, wie der noch übrigen Lehre der Lichtfreunde überall der Irrthum ſich anhängt, oder wie ſie doch un⸗ wirkſam bleibt, over eine ſchiefe Stellung einnimmt. Nehmet hierzu, daß dieſe Leute, weil ſie unaufhör⸗ lich vorwärts ſchreiten, in drei oder ſieben Jahren ſelbſt wieder aufgeben, was ſie heute als Wahrheit preiſen. Rechnet dazu, daß ſie, außer den dünn⸗ ſtehenden Lehren, worin die Mehrzahl ihrer Sprecher gegenwärtig noch eins iſt, über gar manche und wichtige Punkte im Widerſpruch unter ſich ſelbſt ſich befinden, da der Eine dieß, der Andere jenes (ein Dritter auch gar nichts) meint, z. B. wie weit die göttliche Vorſehung ſich erſtrecke, ob nur *) Ein Erhabener unter den Lichtfreunden auf der Linken hat freilich auch ſchon die Sittengebote der Schrift (Matth. 5, 38—41.) angegriffen, ein Beweis, welch rei⸗ hende— alles niederreißende — Foriſchritte die Aufklärung macht. 203 über das Größere oder auch über das Geringere, über deine Hühnerchen im Stall, — ob das Gebet etwas bei dem Weltregenten ausrichten könne, oder ob das Schickſal ſeinen unveränderlichen Gang fortgehe, — ob Gott mit der menſchlichen Seele ſelbſt in Berührung komme, oder nur durch die Außendinge auf ſie einwirke u. ſ. w., u. ſ. w. Ich frage euch nun: Iſt das ein rechtes Licht? Dieſe ſpärlichen, geſchwächten, gebrochenen, zitt⸗ rigen, in kämpfendes Gewölk, in der Erde Nacht ſich verlierenden Strahlen — könnet ihr ſie ein vol⸗ les, reines, lieblich und tröſtlich den Erdenpfad beſtrahlendes Licht nennen? Ach, wo das Wort Gottes in ſeiner ungeſchmälerten Würde und Wahrheit, wo jene Sonne der Gerechtigkeit, unter deren Flügeln Heil iſt, nicht mehr leuchtet, da iſt's wahrlich trüb' und finſter und grauenhaft! Theure Brüder! höret weiter: Als Licht— freunde habt ihr keinen Frieden. Und hierauf, ich bitte euch, achtet beſonders, denn ich rede von dem beſten aller Güter. Alles andere, wie's auch ſcheine, kann euch ohne dieſes nicht wahrhaftig ergötzen und erquicken; aller Reich⸗ thum, alle Ehre und Freude dieſer Erde iſt ohne den Frieden in der Tiefe der Seele nur ein leerer Schein, am Ende noch ein ſchweres Joch. Aber das iſt's, womit Chriſtus ſeine Jünger über die Entbehrung irdiſcher Herrlichkeiten und über alle Leiden dieſer Zeit göttlich tröſte: „Deun Frie⸗ den laß ich euch!“ Und wenn die Apoſtel ihren Mitchriſten das Köſtlichſte, ja eine Fülle alles Guten wünſchen wollen, ſo ſagen ſie: „Gnade ſei mit euch und Friede“ „Gott gebe euch viel Gnade und Friede“ —; ſo fangen alle ihre Briefe an. Nun aber können wir nimmermehr zum Frieden, das iſt, zur Gewißheit, daß man mit Gott gut ſtehe, zu dem ſeligen Ruhen in ſeiner Liebe und Treue gelangen ohne den, „der Frieden gemacht hat durch ſein Blut am Creuze, durch ſich ſelbſt'. Denn was auch der Mund reden und ſich ſelber vorheucheln mag, unſer Gewiſſen be⸗ zeugt uns, wie die Schrift, daß wir alleſammt ſündig und verdammlich vor Gott ſind; und ſo können wir zu dem heiligen Gott und gerechten Richter der Welt unſere Augen nicht getroſt auf⸗ ſchlagen ohne den Glauben an den Verſöh—⸗ ner, der unſere Sünde getilgt und uns den Zu⸗ gang zur Gnade geöffnet hat. Wenn wir gerecht worden ſind durch den Glauben, dann haben wir Friede mit Gott durch unſern HErrn JEſum Chriſt. (Röm. 5, 1.) Dieſen Chriſtus, der für uns gekreuzigt iſt, dieſen Glauben an das Lamm Got⸗ tes, das der Welt Sünde trägt, müſſet ihr aber als Lichtfreunde abthun; die Lehre, daß IEſus die Verſoͤhuung ſei für unſere Sünde durch Vergießung ſeines Blutes, wird euch als Unſinn, als Gräuel geſchildert, — ſo ſeid ihr gerichtet und habt euch ſelbſt gerichtet. Ich behaupte mit aller Beſtimmt⸗ heit, und es muß ausgeſprochen werden um der Lichtfreunde ſelbſt willen, wenn ſie noch einer ern⸗ ſten Hindeutung nachgehen wollen, und um all' der Seelen willen, denen ſie den Zugang zur alleinigen Troſtquelle verſperren wollen, daß nicht Einer von ihnen den Frieden Gottes koſtet. Es kann ihn keiner koſten, oder die Schrift wird zur Lüge; wir dürfen ſie aber nicht zur Lüge werden laſſen. Von Natur ſind wir alle „unter dem Zorn“ (Epheſ. 2, 1.), alle der göttlichen Strafgerechtigkeit verfallen; „die wahr⸗ haftige Gnade aber iſt durch JEſum Chriſtum geworden“ (Joh. 1, 17.). Sie verlaſſen ſich nicht auf Dieſen, ſondern auf ſich ſelbſt, auf ihr würdig Leben, auf ihr löblich Thun; aber es iſt keines Menſchen Leben würdig und keines Men⸗ ſchen Thun ſo löblich, daß er nicht vor dem An⸗ geſichte des Dreimalheiligen erzittern müßte. Wo iſt da der Friede? In der Einbildung vielleicht, aber nicht in der Herzenstiefe. Und wenn ihr noch ſo fleißig wäret in guten Werken, — „das Gewiſſen (ſagen unſere Väter) kann nicht zu Ruh und Frieden kommen durch Werk, ſondern allein durch den Glauben, ſo es bei ſich gewißlich ſchließt, daß es um Chriſti willen einen gnädigen Gott habe.“ Dann iſt euer Herz zu Ruh und Frieden gekommen, wenn es ſingt: Ich habe nun den Grund gefunden, Der meinen Anker ewig hält; Wo anders, als in IEſu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, Der Grund, der unbeweglich ſteht, Wenn Erd' und Himmel untergeht. O Brüder! macht euern Anker feſt in dieſem Grunde, und verlaßt nicht um eiteln Geſchwätzes ruhmrediger Lippen willen den ewigen Grund des Heils. Gönnet doch ſeurer ſehnenden Seele das edelſte aller Güter, ohne welches ſie bei aller äußern Glückſeligkeit arm und elend iſt immerdar; gönnet euch den Frieden Gottes, den Chriſtus ſpendet, den euch aber kein Lichtfreund geben, keiner mit all' ſeinen pomphaften Reden in's Herz predigen kann. Wohl recht ſagt Paulus, der Friede ſei höher als alle Vernunft (Phil. 4, 7.); was aber höher iſt als die Vernunft, das kann ſie ja nicht gewähren; was ihre Begriffe überſteigt, das iſt ja — nach ihrer eignen Erklärung derſel⸗ ben — nichts für die Denkgläubigen, und darum iſt auch der Friede Gottes nichts für ſie. Theure Brüder! höret weiter: Als Licht⸗ freunde habt ihr kein Leben. Zwar laß ich gerne zu, daß ihr auch als ſolche einen ehr— baren Wandel vor der Welt führen könnet, denn das verniag der Menſch aus natürlichen Kräften, wie es Artikel 18. der Augsburg. Conf. heißt: „daß der Menſch etlicher Maßen einen freien Willen hat, äußerlich ehrbar zu leben“ ꝛc. Aber das iſt noch nicht das wahre Leben. Dieſes quillt als ein neues himmliſches Weſen im Innern des Menſchen auf, und heiligt von Innen heraus ſein äußeres Thun und Laſſen, daß es gottgefällig wird. Und dieſes Leben entſpringt nur aus dem Glauben an Chriſtum, wie ihn die Schrift lehrt, als den eingebornen und für unſere Sünden da⸗ hin gegebenen Sohn Gottes. „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn nicht hat, der hat auch das Leben nicht.“ (1 Joh. 5, 12.) Unſer wahres Leben beſteht in der Gemeinſchaft mit Gott und in der kindlichen, freudigen Liebe zu Gott, aus welcher dann wieder die Liebe des Nächſten fließt. Aber dieſe kindliche, freudige Liebe zu Gott wohnet nur in dem Herzen, welchem Chriſtus ſeine Sündenbürde abgenommen