# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1859_S25 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Das „amerikanische“ Lutherthum. 25 rität wider das Zeugniß des Wortes Gottes aufstellt? Es ist ein Mißbrauch des Namens Mühlenbergs und seiner Mitarbeiter, daß sie irgendwie zur Stütze falscher Lehre dienen sollen; und nur diejenigen ehren ihr Gedächtniß, welche für die in Gottes Wort begründete und daraus erwiesene Wahrheit ihr im Glauben abgelegtes Zeugniß mitanführen, wo dies etwa erforderlich und nützlich ist. Ferner erlauben wir uns die Frage, ob Mühlenberg und Genossen ge⸗ borene Amerikaner und nicht viel mehr ehrliche Deutsche waren, auf deutschem Boden geboren, auf deutschen Universitäten gebildet und nach Amerika aus⸗ gewandert? Da nun dies letztere der Fall ist, so ist ihre eigenthümliche Theo⸗ logie gerade so viel und so wenig „amerikanisch“, als die der „Symbolisten“. Wie das amerikanische Volk in Europa seinen Ursprung hat, so wurzelt auch die Wissenschaft und insonderheit die Theologie und die Gestaltung des kirch⸗ lichen Lebens in diesem Lande im Mutterboden Europa's. Aber gerade dies ist nach dem Bekenntniß aller intelligenten Amerikaner die Ehre und Größe dieser Nation. Denn was wäre das für ein Vorzug, wenn die gegenwär⸗ tigen Amerikaner statt von Europäern von Chinesen, Malayen oder Negern stammten? Sie würden dann zu den erbärmlichsten Völkern der Erde gehören. Daß aber Europäer, und insonderheit Europäer germanischen Stammes dies Land zu ihrer Wohnstätte erwählt, und die gesammte Bildung und den Glau⸗ ben ihrer Völker hieher verpflanzt haben, das macht gerade die amerikanische Nation so groß, das macht sie zum Erben aller Schätze, welche die durch meh⸗ rere Jahrtausende hindurch rastlos fortgesetzte Arbeit des europäischen Geistes zu Tage gefördert hat. Wie durchaus unwürdig ist es darum, wenn man irgend eine theologische Richtung als die „amerikanische“ bezeichnet, in dem Sinn, als ob andere Richtungen und insonderheit die einzige, die nach Got⸗ tes Wort berechtigt ist, nämlich die Theologie des lutherischen Bekenntnisses, nicht ebenso „amerikanisch“ sei, nicht ebenso Heimathsrecht auf diesem freien Boden beanspruchen könne. Wie muß es denen an Gründen für ihre Sache fehlen, an Gründen aus Gottes Wort, die zu solchen Albernheiten ihre Zu⸗ flucht nehmen, welche dem Lutherthum überhaupt und dem amerikanische Lu⸗ therthum insbesondere gleich fremd sind. Denn wie Gott bei seiner ganzen Weltregierung nur das Reich seines Sohnes im Auge hat, so hat er auch in der ganzen eigenthümlichen Führung dieser Nation nur sein Wort, nur die Ausbreitung und Erhaltung der lautern Wahrheit Jesu Christi im Auge. Himmel und Erde müssen dem Evangelium dienen, und darum hat die ganze Geschichte dieses Landes, darum haben alle die herrlichen Gaben, die Gott über dies Volk herabgeströmt hat, kein anderes Ziel, als daß der Predigt von Christo, der ungefälschten Wahrheit der Reformation hier eine Stätte bereitet werde. Das ist im Licht des göttlichen Worts die Aufgabe der amerikanischen Nation und jeder wahre amerikanische Lutheraner muß sie erkennen und sie an seinem Theile mit allen Kräften verwirklichen helfen. Doch will man unter „amerikanischem Lutherthum“ die Entwickelung der aus Europa und insonderheit aus Deutschland in dies Land verpflanzten