# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1859_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 24 Das „amerikanische“ Lutherthum. aber, der in Bekenntniß unserer Kirche seinen Ausdruck findet, als von Eu⸗ ropa her eingedrungen zu bezeichnen. Diese Benennung aber hat jene Partei nicht ohne Klugheit gewählt. Denn sie sucht damit die nativistischen Sympa⸗ thien für sich zu gewinnen und in ihren Dienst zu stellen. Die Erregung des eingeborenen Theils unserer Bevölkerung wider die „Fremden“, die bisher zu politischen Parteizwecken genährt und benutzt worden ist, wird so auch für religiöse Parteizwecke ausgebeutet. Aber schon dieser Umstand, daß eine kirchliche Partei zu solchen Mitteln ihre Zuflucht nimmt, die man billig den Demagogen überlassen sollte, ist in hohem Grade bedenklich. Denn diese Vermengung von Politik und Theo⸗ logie, dies Hereinziehen weltlicher Sympathien und Antipathien in den Streit um die Wahrheit ist von jeher der lutherischen Kirche zuwider gewesen, die nirgends anders als im Worte Gottes ihre Bewährung und ihre Empfehlung sucht. Es ist vielmehr durchaus eine papistische Kampfesweise, und jene Be⸗ nennung ein echter Jesuitenkniff. Beim Lichte besehen ist es aber auch eine durchaus unberechtigte Anma⸗ ßung. Warum soll denn eigentlich jenes Afterluterthum vorzugsweise ame⸗ rikanisch sein, die bekenntnißgemäße Lehre aber nicht? Da erhält man zur Antwort: „Weil Mühlenberg und die andern Prediger, welche zuerst luthe⸗ rische Gemeinden in diesem Lande gegründet haben, nicht⸗strenge Orthodoxe waren, sondern vielmehr dem Halle'schen Pietismus huldigten, darum ist hier nur die Richtung, welche es mit der Lehre nicht so genau nimmt, dafür aber das Leben und die Werke der Liebe für die Hauptsache hält, die historisch be⸗ rechtigte in der lutherischen Kirche. Die „strengen Symbolisten“ aber sind eingewanderte Theologen, die eben deshalb, weil sie vom amerikanischen Geiste noch nicht völlig durchdrungen sind, so für reine Lehre eifern; doch je mehr sie ihre europäischen Vorurtheile durch den Einfluß unseres hiesigen Lebens ablegen werden, desto mehr werden sie auch ihr Streiten für die Lehre aufgeben, und „tolerant“ werden, da sich nur dies mit der christlichen Liebe verträgt.“ Aber im Vorstehenden ist eine dreifache Illusion enthalten, der sich die Herren vom „amerikanischen Lutherthum“ hingeben. Zuerst können sie sich mit wenig Recht auf die ehrwürdigen Männer be⸗ rufen, welche in unserm Lande zuerst lutherische Gemeinden gegründet haben. Denn Mühlenberg hat in den sämmtlichen symbolischen Büchern unserer Kirche den Ausdruck seines Glaubens gefunden und hat allein die darin dargelegte Lehre gepredigt und auch von andern Lehrern der Kirche dasselbe gefordert (s. den historischen Nachweis Jahrg. II. Heft 4). Solche Greuel wie die sogenannten „amerikanisch⸗lutherischen“ falschen Lehren von der Taufe, vom Abendmahl, von der Absolution, von der Erbsünde u. a. würde darum Mühlenberg verabscheut und verworfen haben. Aber abgesehen davon, ist es nicht lästerlich, wenn man Menschen, die zwar aufrichtige Kinder Gottes waren, aber doch um der menschlichen Schwachheit willen in mancher⸗ lei Irrthum, neben lebendiger und großer Erkenntniß der evangelischen Wahr⸗ heit, steckten, gerade zur Bestätigung und Belegung des Irrthums als Auto⸗