# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 08 02_S206 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) weder — Oder“ — zu heißen. Ich bin von je ein Lan dpfarrer, und habe es immer und über⸗ all noch wahrgenommen (Gott Lob! waren die Beiſpiele nicht häufig): wer einmal an der Gött⸗ lichkeit der Schrift gezweifelt hat, der hat an Allem gezweifelt, auch an ſeiner unſterblichen Seele; wer an Chriſtum, als den Gottmenſchen und Sündentilger, nicht geglaubt hat, der hat auch überhaupt keinen Gott mehr geglaubt. Und geht ſo auf die buchſtäblichſte und ſchauerlichſte Weiſe der Spruch Johannis in Erfüllung: „Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht.“ (1 Joh. 2, 23.) — Jetzt aber wende ich mich an dich, mein liebes chriſtlich⸗evangeliſches Volk! das bisher noch am guten, bewährten Väterglauben hielt, mit der ern⸗ ſten Frage: Willſt du zu den Lichtfreunden über⸗ gehen? Willſt du das Evangelium verleugnen? Willſt du dem Chriſtenthum abſagen? Willſt du in ein zwar vom Aberglauben gereinigtes, aber ſo ſehr dürftiges und troſtloſes Judenthum zurück⸗ treten? O theure Brüder! ich ermahne euch: Laſſet euch grauen vor ſolch einem Schritt! Wahrlich, es ſind köſtliche, unſchätzbare Güter, welche die Kirche Chriſti in ſich trägt, welche unſere Väter durch Gottes Erbarmung in ihrer ganzen Fülle und Reinheit wieder empfangen und auf uns vererbt haben, — achtet ſie nicht geringe! Sehet ſie doch recht an, ehe ihr ſie Preis gebet, daß es euch nicht ewig reue! Erwäget es wohl, was ihr durch den Abfall verlieren würdet. Als Lichtfreunde habt ihr keine Taufe mehr. Ihr ſeid einſt in der Frühe eures Lebens auf den Namen des Dreieinigen getauft worden. Aber nach eurer Meinung war das thöricht, denn es giebt ja, wie ihr ſagt, keinen Dreieinigen. Man hätte euch allein „im Namen des Vaters“ taufen ſolleu; und das hätte dann doch weiter nichts bedeutet, als daß ihr einmal, wenn ihr groß würdet, eure ſittlichen Kräfte gebrauchen ſolltet, um nach Gottes Willen ein reines und goͤttliches Leben zu führen, und daß eure Eltern und Pathen die Pflicht hätten, dafür zu ſorgen, daß ihr zu ſolch einem Leben gebildet würdet. Darum hat auch ſchon ein Paſtor (außerhalb Preußen und Sachſen) den lieben Gott bei der Taufe ganz weggelaſſen, und „im Namen der heiligen Tugend“ das Kindlein mit Waſſer be⸗ goſſen. O wie freute man ſich ſonſt, wenn das Menſchenkind mit Angſt und Schmerzen zur Welt geboren war, Fleiſch von Fleiſch geboren, wie freute man ſich ſonſt, mit ihm in Gottes Haus zu ziehen, „zu dem gnadenreichen Waſſer des Le⸗ bens und Bad der neuen Geburt im Heiligen Geiſt“! Nun aber iſt's „ein ſchlecht Waſſer“, d. i. ein ganz ordinäres Waſſer, dem die auf⸗ geklärte Vernunft weiter keine Wirkung, keinen Segen zuerkennen kann. Sonſt, wenn man mit dem Getauften heimkam, drückte es die Mutter weinend an die Bruſt und ſprach: „du liebes Gotteskind!“ und der Vater küßte es und ſprach: „du lieber Himmels erbe!“ Jetzt ſagen ſie im guten Falle: „Nun, wir wollen einen tüchtigen Mann, ein braves Mädchen an ihm erziehen.“ Als Lichtfreunde habt ihr kein 20² Abendmahl, kein „Sacrament des Altars“ daß die Bibel nicht mehr Gottes Wort mehr. Ihr kommt zuſammen in keiner andern Art, als wenn ihr das Gedächtniß ſonſt eines be⸗ rühmten und theuern Verſtorbenen begehen wolltet, eures heimgegangenen Großvaters, der bei der Familie in geſegnetem Andenken ſteht, oder des verewigten Bürgermeiſters, der ſich, was man auch an ihm aussetzen kann, um die Stadt wohl verdient gemacht hat. Da kann man nun aller⸗ dings in der Erinnerung gerührt werden, kaun dem Vollendeten Dank nachſenden in die Ewig⸗ keit und den Wunſch, daß ihm jenſeits möge ver⸗ golten werden, kann ſich auch vornehmen, ſeinen Tugenden nachzuſtreben. Ich will zugeben, daß dieß auch bei eurem Abendmahl in der Erinne⸗ rung an JIEſum ſtattfinden möge. Aber des HErrn Tod verkündigen, daß er für eure Sünde geſtorben ſei, das könnet ihr nicht; ein himmliſch Siegel der Vergebung eurer Schuld, ein heilig Unterpfand einer Berufung zu dem großen Abend⸗ mahl im Himmel empfanget ihr nicht; ein wun— derbares Mittel, in die innigſte Gemeinſchaft des Lebens mit Dem zu kommen, der das Leben ſel⸗ ber iſt, wird euch nicht dargeboten. Denn der HErr ſpeiſ't und tränkt euch ja nicht mit ſeinem Leibe und Blute, mit ſich ſelbſt; es iſt nichts als ein natürlich Mahl und ein natürlich Genießen, und wie kann Brod und Wein, wie kann leiblich Eſſen und Trinken ſo große Dinge thun?, Als Lichtfreunde habt ihr kein Wort Gottes mehr. Das haben ſie, wie ihr ver⸗ nommen, mit Nachdruck ausgeſprochen, daß das Wort in heiliger Schrift ſich nicht weiter für un— fehlbare Wahrheit, für Gottes Wort ausgeben dürfe. Alſo, was euch hinfort erleuchten ſoll über die höhere Welt, was eure Füße richten ſoll nach den ſeligen Pforten der ewigen Welt, was eure innerſten, theuerſten, heiligſten Angelegenheiten berathen ſoll, das iſt Men ſchenwort, irrſames Menſchenwort, das etwa Recht haben, das euch aber auch betrügen kann. Sonſt hieß es: der Prophet Jeſaia, der Apoſtel Paulus ſpricht im Geiſte Gottes: ꝛc. — jetzt heißt es: der alte Pau⸗ lus, der noch ältere Jeſaias meinen: ꝛce. — ſonſt hieß es: Gott, der HErr, der Allerhöchſte ſelber ſpricht: ꝛc. — jetzt: der Paſtor A. B. C. läßt ſeine Gedanken alſo vernehmen: ꝛc. — Kein Wort Gottes mehr! — o theure Seelen, habt ihr bedacht, was das heiße? Wenn nun nach den ſauern Werktagen der liebe Sonn⸗ tag angebrochen iſt und die Glocken läuten wie Engelgruß und Heroldsruf von Oben, ſo kann der Hausvater nicht mehr ſagen: Komm, Frau! kommet, Kinder! wir wollen in die Kirche gehen, zu hören unſers Gottes Wort. Wenn jene arme Wittwe ihre einzige Kuh, ihre letzte irdiſche Hilfe, verloren hat, ſo kann ſie nicht mehr, hinter der Kirchenſäule verborgen ſitzend, ſüße weinen über den Troſt aus der Predigt des göttlich en Wortes. Wenn ein Vater ſieben Monden auf dem Bette liegt, krank am Leib, matt an der Seele, und er ſpricht zur Tochter: „Mein Kind, lies mir etwas aus Gottes Wort, daß ich mich erquicke in meinem Elend“, — ſo muß das Töchterchen ſagen: „Ach Vater! Ihr habt wohl vergeſſen, iſt; ſtärkt euch aus eurer aufgeklärten Vernunft.“ Wenn der erwachende Sünder das verklagende Gewiſſen hört, und die Schreckniſſe des kommenden Gerichts ſeine Seele durchbeben, kann er ſich nun nicht mehr, wie bußfertig und heilverlaͤngend er ſei, die Vergebung ſeiner Sünden ſprechen laſſen aus Gottes Wort. Wenn der arme hin⸗ fällige Menſch angefochten wird von ſeiner eignen Luſt und von den Verſuchungen der Welt und von den liſtigen Anläufen des Böſewichts, kann er nun nicht mehr „das Schwert des Geiſtes“ er⸗ greifen, „welches iſt das Wort Gottes“! Kein Wort Gottes mehr! — ach, es möchte einem das Herz zerſpringen vor Wehmuth (und vor Entrüſtung)! Wo iſt nun, evange⸗ liſche Kirche! dein heiliger Trotz gegen alle Feinde deines Glaubens und aller Feinde Wü⸗ then, — dein heiliger Trotz: „Des HErrn Wort bleibet in Ewigkeit!“? Er iſt zuſammengebrochen, und die draußen ſind, lachen und pfeifen dich an. Wo iſt nun, Guſtav Adolf! die goldene Schrift auf deinem Halsſchild, unter der du, ge⸗ fallen aber des Sieges gewiß, — deine Helden⸗ ſeele aushauchteſt, — die goldene Schrift: „Des HErrn Wort bleibet in Ewigkeit!“?*) Ihr Goldglanz iſt erloſchen, ſie iſt vom Roſt gefreſſen. Die aufgeklärten Köpfe in unſerer Kirche ſelbſt trommeten nach allen Seiten hin: Es giebt kein Wort Gottes mehr! Darum kann es auch nicht bleiben in Ewigkeit! Aber nein, meine Brüder! laßt mich die Sprache ändern. Alles Fleiſch, all' dieſe fleiſch⸗ liche Kunſt und Wiſſenſchaft, iſt Gras, und alle Herrlichkeit dieſer Weltweisheit, wie des Graſes Blume; das Gras verdorret und die Blume fällt ab, — aber des HErrn Wort, aber des HErrn Wort bleibet in Ewigkeit. Meine Brüder! wollet ihr Lichtfreunde werden? Als ſolche habt ihr — wenig Licht. Laßt euch doch ja nicht täuſchen, wenn ſie ihren Mund weit aufthun über ihre gewaltige Aufklärung und wie erſtaunlich hell es in ihren Kreiſen geworden ſei. Es iſt ein alter wahrer Vergleich, daß Gottes Wort gleich der ſtrahlenden Sonne, die Vernunft dagegen gleich einer Nacht— lampe ſei. Iſt euch die Sonne untergegangen, gut, ſo leuchtet euch eure Nachtlampe, oder wenn auch nicht die eure ſelbſt, doch die Großen unter den Lichtfreunden; ſehet zu, wie weit ihr damit reicht. Sie haben nun freilich zu ihrer Lampe ein wenig vom himmliſchen Oele gemauſ't, denn ſouſt würde ſie nicht im Geringſten heller als die der Chineſen brennen; mit deutlicheren Worten: ſie haben das Beſte, was noch in ihrer Lehre iſt, doch aus der Bibel genommnen, und wären ohne die liebe Bibel nimmer dazu gelangt, wenn es gleich eitel Ausſpruch der menſchlichen Vernunft ſein ſoll. Aber bei alle dem, wie dürftig bleibt doch immer das, was ſie noch als weſentliche Lehre beſitzen ) In der Rüſtkammer der Feſte Schwarzburg wird der Helm und der eiſerne Halskragen gezeigt, welche Guſtav Adolf trug, als er in der Schlacht bei Lützen fiel. Auf letzterem ſteht mit goldenen Buchſtaben: Verbum do- mini manet in aeternum — zu deutſch: des HErrn Wort bleibet in Ewigkeit.