# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1859_S11 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort zu Jahrgang 1859. 11 „„Göttliche Dinge aus der Philosophie verstehen wollen, heißt ein glühendes Eisen nicht mit der Zange, sondern mit den Fingern angreifen.““ Außerdem bringt der Philosoph jene Einschränkungen und Auslegungen nicht als Phi⸗ losoph vor aus den Principien seiner Wissenschaft, denn dieselbe weiß von den göttlichen Geheimnissen nichts, wie wird sie also um jener willen ihre Axiome einschränken? sondern als Christ oder vielmehr als Theolog aus den Principien der Theologie; und darum sind es nicht mehr philosophische, son⸗ dern in gewisser Rücksicht theologische Axiome. Warum wollten wir aber jene Vermischung der Theologie mit der Philosophie einführen, welche einst die Quelle alles Uebels in der Kirche gewesen ist? Warum wollten wir die scholastische Theologie, welche von dem seligen Luther mit so großer Mühe und Arbeit ausgetrieben worden, in unsere Kirche gleichsam zur Rückkehr ein⸗ laden und mit Beifall auf den theologischen Lehrstuhl setzen? Ist es nicht besser und gerathener, der Philosophie zu überlassen, ihre Axiome aus dem Lichte der Natur zu erklären, einzuschränken und in Uebereinstimmung zu bringen und von den göttlichen Geheimnissen, welche alle Vernunft und Phi⸗ losophie übersteigen, allein aus dem geoffenbarten Wort zu handeln? Unsere Meinung ist diese: Wenn jene philosophischen Axiome, welche von den Geg⸗ nern zur Bekämpfung der himmlischen Wahrheit vorgebracht werden, aus den Principien der Philosophie selbst beschränkt und erklärt werden können, so sind wir nicht gegen solche Einschränkungen und Erklärungen. Wenn man z. B. aus dem philosophischen Axiom: „„Diejenige Eigenschaft, welche eine Sache zu der macht, die sie ist (das proprium), kann nicht einer anderen mit⸗ getheilt werden,““ die wirkliche Mittheilung der göttlichen Eigenschaften be⸗ streitet, die der menschlichen Natur Christi geschehen ist; so wird das Axiom mit Recht aus den Principien der Philosophie selbst eingeschränkt, indem man zwischen einer Mittheilung κατὰ μέθεξιν und κατὰ σύνδυασιν unterscheidet, sowie an den Beispielen eines glühenden Eisens und beseelten Leibes das Gegentheil zeigt. Wenn aber solche Axiome, welche aus den Principien der Philosophie nicht eingeschränkt und erklärt werden können, vorgebracht wer⸗ den, so ist es besser, dieselben in die philosophische Sphäre zurückzuweisen und in der Disputation von den höchsten Glaubensgeheimnissen schlechterdings abzuweisen, als dieselben durch weitläustige Einschränkungen zu erklären, damit die Disputation abgekürzt und die Gegner selbst wider ihren Willen zu dem eigentlichen Princip in der Besprechung solcher Geheimnisse, nehmlich zur heiligen Schrift, hingetrieben werden. Wenn z. B. ein Photinianer also argumentirt: „„Die persönliche Eigenheit im Vater ist entweder dasselbe, was sein Wesen ist, oder sie ist real“ (d. h. thatsächlich, nicht nur nach den Beziehungen, in welchen sie unser Geist betrachtet) „„von demselben verschie⸗ *) Die erstere geschieht nehmlich darum, daß ein Wesen in ein anderes übergeht, daher es an dessen Eigenschaften Theil nimmt (welche Mittheilung in Christo nicht Statt findet); die andere geschieht darum, daß sich ein Wesen mit dem anderen so vereinigt, daß zwar keine Vermischung Statt findet, vermöge dessen aber eine Theilnahme an des an⸗ deren Eigenschaften entsteht (was die in Christo geschehene ist). D. R.