# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1859_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 10 Vorwort zu Jahrgang 1859. Schrift redet anders: Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Wenn nun jemand das bestreitet oder leugnet, was in der heiligen Schrift zu glauben vorgelegt wird, darum, weil es unsere Fassungskraft übersteigt und unmöglich und daher widersprechend zu sein scheint, der nimmt sich das Urtheil über Gottes Macht und hält frevelhaft dafür, daß Gott nicht mehr leisten könne, als die mensch⸗ liche Vernunft einsieht, daß geleistet werden könne. 3. Die menschliche Ver⸗ nunft ist durch den Fall und nach dem Fall erblindet und in Eitelkeit, Irr⸗ thümer und Finsterniß eingehüllt, wenn sie von göttlichen und geistlichen Dingen urtheilen will. Es ist daher gefährlich, ihr das Urtheil von dem Widerspruch in den Geheimnissen des Glaubens zuzuerkennen. Ja befindet es sich doch, daß sie selbst in natürlichen Dingen zuweilen wie ein Nachtrabe kläglich im Finstern tappt, wie viel weniger kann sie daher über göttliche Dinge ein untrügliches Urtheil fällen! 4. Es wird uns geboten, die Vernunft unter den Gehorsam Christi gefangen zu nehmen, 2 Cor. 10, 5., daher dürfen wir ihr das Richteramt über den Widerspruch in den Artikeln des Glaubens nicht zusprechen. Der Zusammenhang dieser Folgerung ist offenbar. Denn wenn die Vernunft über Wahr und Falsch, desgleichen über den Widerspruch in verkündigten Geheimnissen urtheilen könnte oder dürfte, wozu würde dann geboten, sie unter den Gehorsam Christi gefangen zu nehmen? 5. Wenn der Vernunft und der Führerin derselben, der Philosophie, das Urtheil über Sachen des Glaubens und über den Widerspruch in denselben zugetheilt wer⸗ den sollte, so wird sie über viele in der Schrift geoffenbarte Glaubensgeheim⸗ nisse den Stab brechen. Aus jenen Principien: „„So viel ihrer in Absicht auf die Person verschieden sind, so viele haben nicht ein und dasselbe Wesen der Zahl nach. Wenn der Sohn vom Vater gezeugt ist, so wird er auch von ihm abhängen und also nicht Gott sein““ u. s. w. — aus diesen und ähn⸗ lichen philosophischen Aussprüchen wird, sage ich, die Vernunft das Urtheil fällen, daß in der Gottheit die Dreieinigkeit zu leugnen sei. Nach jenem Princip: „„Das Endliche kann das Unendliche nicht in sich fassen,““ wird sie urtheilen, daß das Geheimniß der Menschwerdung zu leugnen sei. Wenn man sagt: daß eine durch die Offenbarung des Wortes und durch die Wirk⸗ samkeit des heil. Geistes erleuchtete Vernunft oder Philosophie dieses alles so erklären könne, daß kein Widerspruch übrig bleibe, — so antworte ich kurz, daß bei denen, welche das Geheimniß der Dreieinigkeit aus der Schrift ge⸗ lernt haben und dasselbe mit festem Glauben annehmen, jene Antworten und Einschränkungen leicht Raum finden, aber die Gegner, welche dieses Geheim⸗ niß aus jenen Principien bestreiten, finden immer etwas einzuwenden, und lassen sich durch jene Erklärungen und Einschränkungen nicht genügen. Das Sicherste ist daher, die gegen die Glaubensgeheimnisse von den Widersachern vorgebrachten philosophischen Sätze in ihre Sphäre zurückzuweisen und allein aus der heiligen Schrift, welche das einige und einzige Princip der Theologie ist und welche allein ein unwandelbares und untrügliches Fundament dar⸗ bietet, über jene höchsten Glaubensgeheimnisse zu denken und davon zu handeln. Chrysostomus schreibt in der 5. Homilie über den Brief an die Corinther: