# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1859_S8 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 8 Vorwort zu Jahrgang 1859. Erkenntniß sowohl des Subjects, als des Prädicates, ja auch des Zusammen⸗ hangs, in welchem beide stehen; nun aber erkennt die Philosophie in gemisch⸗ ten Fragen nicht beide Termini, das Subject und Prädicat, noch den Zusam⸗ menhang beider. So ist eine gemischte Frage: ob Christi Leib nur an Einem Orte sei. Die Entscheidung dieser Frage kann nicht aus der Philosophie ge⸗ holt werden, weil die Philosophie, obgleich der Begriff Ort in ihr Gebiet gehört, doch nirgends vom Leibe Christi handelt; von dem natürlichen Leibe handelt sie zwar, aber Christi Leib ist nicht ein bloß und rein natürlicher, son⸗ dern ein verklärter, ja des Logos selbst eigener Leib, in welcher Rücksicht die Beschaffenheit desselben aller menschlichen Vernunft und darum auch der Philosophie unbekannt ist. Es hilft auch nichts, daß man zwischen einer für sich allein betrachteten und durch das Licht der Gnade erleuchteten Philosophie unterscheidet, weil eine durch das Licht der Gnade erleuchtete Philosophie nicht mehr aus ihren Principien, sondern aus Gottes Wort über die theologischen Fragen urtheilt und erkennt, daß sie durchaus so urtheilen müsse. Und die Philosophie bedient sich nicht der Theo⸗ logie als einer ihr untergeordneten Wissenschaft, sondern im Gegentheil ist vielmehr die Philosophie der Theologie untergeordnet und wird von derselben in Gehorsam genommen. Das Licht der Natur vervollkommnet nicht das Licht der Gnade, sondern das Licht der Gnade vervollkommnet das Licht der Natur.“ „Bei dem anaskeuastischen Gebrauche mißbraucht man die Philosophie auf vielfache Weise, 1. wenn man die philosophischen Axiome (in der Philosophie allgemein wahre Sätze) für allgemeine annimmt und den Glaubensgeheimnissen entgegensetzt, während sie doch speciell sind und nur in ihrer Sphäre Wahrheit enthalten. So lehrt der Physiker: ein natür⸗ licher Leib könne nicht zugleich an mehreren Orten sein; was in der Sphäre der Physik wahr ist, wenn es sich nehmlich um einen natürlichen Leib und um natürliche Fähigkeit handelt. Wollen aber die Calvinisten aus diesem Prin⸗ cip einwenden, Christi Leib sei nicht im heiligen Abendmahl gegenwärtig, so nehmen sie ein philosophisches Axiom als absolut allgemein und setzen es fehlerhafter Weise einem Glaubensgeheimniß entgegen. 2. Wenn das Ur⸗ theil über einen wahren Widerspruch in Glaubensgeheimnissen der mensch⸗ lichen Vernunft überlassen wird. Zwar ist es wahr, daß Gott nichts absolut und schlechterdings Widersprechendes thut,*) und daher ist es auch gewiß, daß ein absolut und schlechterdings so genannter Widerspruch in den gött⸗ lichen Geheimnissen nicht Statt hat; aber aus den Principien der Vernunft kann und darf nicht entschieden werden, was in den Artikeln des Glaubens *) Die Scholastiker beweisen dies also: Da Gott das höchste und vollkommenste We⸗ sen ist und alles Wirkende sich Aehnliches wirkt, so kann Gottes Handlung sich nicht auf etwas erstrecken, was kein Wesen hat. In jedem Widerspruch aber ist etwas, was kein Wesen hat, weil in jedem Widerspruch Wahres und Falsches ist, das Falsche aber kein We⸗ sen hat. Was aber das nicht hat, widerstreitet Gott und hat keine Aehnlichkeit mit ihm. Wenn Gott thun könnte, was einen Widerspruch in sich faßt, so könnte er einen falschen Satz wahr machen. Nun ist aber das Falschsein Gott entgegen, weil er selbst die Wahrheit ist.