# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 08 02_S205 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Cutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Redigirt von C. F. W. Walther. Zahrgang 4. St. Louis, Mo., den 22. August 1848. No. 26. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, weiche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Galder 2c. euthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Ueber die Lichtfreunde, von Wilhelm Redenbacher. (Dresden, bei J. Naumann. 1846.) Schluß.) Was ſind denn nun aber die Lichtfreunde hin⸗ ſichtlich ihrer Religion? Wenn man dem, was ſie noch an wirklicher weſenhafter Lehre haben, genauer nachforſcht, und ſich hierbei eben an die Mehrzahl ihrer Sprecher, und an die kirchlichen Vorträge ihrer Prediger hält, ſo findet man: ſie ſind gegenwärtig — Juden; und damit wir ihnen auch nicht im Geringſten Unrecht thun, ſo ſetzen wir gleich ein Beiwort hinzu und ſagen: ſie ſind verfeinerte Juden. Das iſt auch recht begreiflich, wenn man beachtet, daß ſie ge⸗ gerade die eigenthümlich christlichen Lehren von der Erlöſung und dem, was damit zu⸗ ſammenhängt — aus ihrem Chriſtenthum aus⸗ gemerzt haben; da bleibt ihnen nichts übrig, als ſo ein Judenthum ohne Schweineſcheu und der⸗ gleichen Aberglauben, die doch neuerer Zeit ſchon viele Kinder Israels ſelbſt abgelegt haben. Die Religion der Lichtfreunde befaßt etwa noch folgende Lehrſtücke: Von dem Daſein Eines Gottes (und zwar nur Einer göttlichen Perſon) — von den Eigenſchaften Gottes, daß er ſei twig, allmächtig, allgegenwärtig ꝛc. — von den Werken Gottes, daß er die Welt erſchaffen habe, ſie erhalte und regiere — von den Sittengeboten, die Gott in unſer Gewiſſen geſchrieben, und die Moſes im Ganzen übereinſtimmend vorgetragen von den glücklichen Folgen eines tugendhaften und den unglücklichen Folgen eines laſterhaften Lebens in dieſer und einer andern Welt. — Ge⸗ rade das aber iſt ohngefähr der Lehrgehalt des inen Judenthums“. Ich habe auf meiner erſten Pfarrſtelle, wo ich zugleich Inspector über eine iſraelitiſche Reli⸗ gionsſchule war, in derſelben einen (wenn ich nicht irre, zu Würzburg herausgegebenen) jüdi⸗ ſchen Katechismus kennen gelernt, welcher eben die bezeichneten Lehren und nicht viel mehr und, ſoviel ich mich erinnere, gar nichts von abergläu⸗ biſchen Satzungen enthielt.“) Solch einen Kate⸗ chismus könnten die Lichtfreunde mit wenig Ver⸗ änderung ihren eigenen Kindern in die Hände geben und bei ihrem Religionsunterrichte ſelbſt zu Grunde legen. Ich bin auch überzeugt, daß manche jüdiſche Katechismus-Verfertiger, daß viele aufgeklärte Rabbi's ſich mit, der Hoffnung ſchmeicheln, die Zeit ſei nicht ferne, wo die Chri⸗ ſtenheit bei ihnen in die Schule gehen werde, wie ich denn einmal einen Rabbiner mit großer Zufriedenheit ſagen hörte: „Der reine Mo— ſaismus (Moſislehre) iſt zur Weltreli—⸗ gion (zur Religion aller Menſchen) beſtimmt.“ Und es fällt in die Augen, daß die heutigen Licht⸗ freunde kräftig dahin arbeiten, daß des Rabbiners Ausſpruch wahr und derſelbe immer zufriedener werde. Mit den gereinigten Moſiskindern wiſ⸗ ſen und fühlen ſie ſich eins. Ihrer viele bekennen ſelbſt unverhohlen, daß zwiſchen einem aufgeklär— ten Juden und einem aufgeklärten Chriſten wei⸗ ter kein Unterſchied in der Religion ſei; und daß ein Rabbiner neuern Schnitts und ein licht⸗ freundlicher Paſtor aus Einem Geiſt und oft mit Einem Munde predigen, und gar wohl ihre Kan⸗ zeln tauſchen könnten, davon kann man in N. und N. Erfahrung machen. Nehmen doch ſo manche Rabbiner gar keinen Anſtand mehr, ein⸗ zelne ſchöne Sprüche IEſu von der göttlichen Vorſehung und Sittenſprüche desſelben in ihre Vorträge einzuflechten, nur daß ſie aus Scho— nung der altgläubigen Juden den Namen des Verfaſſers nicht ausſprechen. Dieſen Namen ſprechen aber auch viele lichtfreundliche Prediger, nachdem der Text verleſen iſt, nur ſelten oder nicht mehr aus, woran ſie jedoch ohne Zweifel beſſer *) Wie so gar nicht altjüdisch man in ſolchen neuern jüdiſchen Katechismen von Sätzen redet, welche ſonſt die kraſſeſten Vorſtellungen hervorriefen, davon iſt folgende Stelle aus Herxheimer's Lehrbuch, das ich gerade zur Hand bekomme, ein Beweis: Meſſiasreich. „Die Zeit, wo die wahre Verehrung des einigen Gottes ſo verbreitet ſein wird auf Erden, daß alle Völker einmü⸗ thig den Allvater verherrlichen, ſich unter einander brüder⸗ lich lieben, und durch Bruderliebe, Gottesfurcht und Tu- gend glücklich ſein werden — heißt die Zeit des Moſchiach, oder das Reich des Meſſias.“ thun, als diejenigen von ihnen, welche ihn noch oft, ja wohl mit dem Zuſatze „der Heiland“ in den Mund nehmen, denn es erhellt aus allem, was wir geſagt haben, daß das Erſtere minde⸗ ſtens ein gezwungenes Weſen, das Letztere eine arge Heuchelei iſt. So weit hätten es alſo die Lichtfreunde zur Stunde gebracht — bis zu einem raffinir⸗ ten Jndenthume!! Das iſt ihr großer Fortſchritt, der von tauſend Poſaunen in die Welt geblaſen wird. Allein — ihre Parole heißt ja: „Vorwärts! Immer vorwärts!“ und ſo müſſen wir annehmen, daß ſie auf dieſem Stand⸗ punkte nicht werden ſtehen bleiben, und daß der obenerwähnte Rabbiner doch um ſeine ſüße Hoff⸗ nung möchte getäuſcht werden. Und weil ihr Fortſchritt nur auf dem Felde des Leugnens, des Verneinens, wie wir gehört und geſehen haben, ſtattfindet, ſo werden ſie wohl in nicht lan⸗ ger Zeit zur Erkenntniß gelangen, daß auch Ewigkeit und Gericht und das heilige Geſetz Gottes und endlich der liebe Gott ſelbſt ſich nicht mehr halten laſſen und zum Tempel hinaus müſ⸗ ſen, wie es ja ſchon einmal in Frankreich geſche⸗ hen iſt, zur Zeit der vorletzten Revolution, wo man nicht nur den König, ſondern auch den gro⸗ ßen Gott abſetzte, und dafür die Vernunft, näm⸗ lich eine unzüchtige Weibsperſon als Bild der Vernunft, auf den Altar der Pariſer Hauptkirche ſetzte und mit Lobgeſängen und Räucherungen verehrte. Auch viele unſerer deutſchen Lichtfreunde ſind wohl ſchon ein gut Stück über das reine Judenthum hinaus; ein Gericht zur Verdamm⸗ niß, eine Hölle in der andern Welt, werden die meiſten, wenn man ſie auf ihr Gewiſſen fragt, nicht zugeben. Ich will hier noch eine Bemer— kung machen und zwar für die Lichtfreunde, deren etliche vielleicht dies Schriftchen zu Geſicht kriegen, für die Wohlmeinenderen unter ihnen, die in ihren Wahne wirklich von Köthen aus Heil erwarten für die Menſchheit, eine Be⸗ merkung zur Beherzigung: Der gemeine Mann hält ſich nicht leicht in einer gewiſſen Mitte oder Schwebe zwiſchen Bibelglauben und völligem Unglauben; bei ihm pflegt's: „Ent⸗