# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1859_S7 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort zu Jahrgang 1859. 7 Heiden, die Gott aus dem Buche der Natur zu erforschen suchen und nach der Vorschrift der gesunden Vernunft leben, die ewige Seligkeit zuschreiben. 2. Wenn der Philosophie in der Erklärung der theologischen Begriffsbezeich⸗ nungen eine Meisterschaft beigelegt, und gefordert wird, daß der Theolog das Urtheil über die aus der Philosophie herübergenommenen Begriffsbezeich⸗ nungen ganz und gar dem Philosophen überlasse, während doch jene in den heiligen Gottes⸗Staat aufgenommenen Begriffsbezeichnungen öfters eine neue Bedeutung annehmen und man in der Kirche mit neuen Zungen reden lernen muß. So ist es ein Mißbrauch der Philosophie, wenn die Papisten aus der grammatischen Zusammensetzung des Wortes justificare (rechtferti⸗ gen, gerecht machen) beweisen wollen, die Rechtfertigung bestehe in einer Eingießung der Gerechtigkeit und in Hervorbringung gerechter Werke. 3. Wenn die Logik der Theologie nicht mehr als Magd dient, sondern über die⸗ selbe herrscht, das heißt, wenn sie aus ihren topischen Regeln (Regeln für Wahrscheinlichkeitsschlüsse) wider theologische Lehrsätze Beweise bildet und, dem Charakter der wahren Wissenschaft entgegen, eine Ueberschreitung in fremdes Gebiet (μετάβασις εἰς ἄλλο γένος) begeht.“ „Bei dem kataskeuastischen Gebrauche mißbraucht man die Philosophie, 1. wenn man die höchsten Glaubensgeheimnisse mit philosophi⸗ schen Gründen zu bestätigen sucht, mit Uebergehung des einigen Princips der Theologie, welches das Wort Gottes ist. So versuchen Scotus, Raymundus von Sabunde u. A. das Geheimniß der Dreieinigkeit aus den Principien der Philosophie zu entwickeln. 2. Wenn die Zeugnisse der Schrift den philoso⸗ phischen Beweisgründen nachgesetzt werden, gleich als ob die Beweisführung mit philosophischen Argumenten gewisser wäre, als mit Aussprüchen der Schrift. So schickt Keckermann, indem er aus den Eigenschaften eines ver⸗ ständigen Wesens die Trinität der Personen nachweisen will, Folgendes vor⸗ aus: „„Wir werden den Antitrinitariern klar machen, daß die Trinität der Personen aus dem Wesen Gottes selbst fließe und daß Gott nicht Gott sein könne, wenn er nicht drei verschiedene Arten zu existiren oder Personen hätte, und wenn wir dies werden gezeigt haben, werden wir auch Zeugnisse der hei⸗ ligen Schrift vorführen.““ Mit diesen Worten setzt er aber nicht undeutlich seinen philosophischen Discurs den göttlichen Zeugnissen vor. So disputiren die Scholastiker häufig über Glaubensartikel vorerst aus philosophischen Gründen und Aussprüchen des Aristoteles weitläuftig, hernach erst fügen sie nur um der Form willen Aussprüche der Schrift hinzu. 3. Wenn man dafür hält, daß der seligmachende Glaube durch philosophische Gründe befestigt werde, während es doch keinen festeren Beweis des Glaubens geben kann, als Gottes Autorität, der in der Schrift und durch die Schrift redet, denn Gott ist die Wahrheit selbst und sein Wort von vollkommen gewisser und fester Wahrheit, ja fester als Himmel und Erde. 4. Wenn man meint, daß in ge⸗ mischten Fragen, wie man sie nennt, das ist, in denen ein Terminus philoso⸗ phisch, der andere theologisch ist, die Beweisgründe aus der Philosophie ge⸗ nommen werden können. Aber die Entscheidung einer Frage erfordert die