# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1859_S5 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort zu Jahrgang 1859. 5 philosophie ist einzeln zu handeln. Die Logik dient der Theologie in Darlegung der Gesetze der Definitionen, der Eintheilungen, der Methode und der Beweisführungen, damit der Theolog die theologischen Sachen genau bestimmt und in Ordnung vorlegen, die streitigen Puncte deutlicher aus⸗ einandersetzen, dieselben klarer auflösen und die Gegner schlagender wider⸗ legen könne; dahin jene Lobsprüche gehören, welche von den Alten der Logik ertheilt werden. Augustinus schreibt im 2. Buch von der Ordnung, im 2. Capitel: „„Die Dialektik (Logik) ist die Disciplin aller Disciplinen, welche lehrt das Lehren und Lernen, welche weiß zu wissen und andere wissend zu machen.““ Die Rhetorik dient dem Theologen, indem sie die Regeln der Beredtsamkeit lehrt, die Figuren und Tropen auslegt u. s. w., daher das Studium derselben von einem künftigen Theologen nicht für eine gleichgültige Sache anzusehen ist.*) Der kataskeuastische Gebrauch besteht in dem Beweisen der Lehrpuncte. Es gibt aber zwei Gattungen von Lehrpuncten in der Theologie. Einige betreffen die höchsten Glaubensgeheimnisse, welche alle Fassungskraft der menschlichen Vernunft übersteigen, dergleichen das Ge⸗ heimniß der heiligen Dreieinigkeit, der Menschwerdung, der Auferstehung ꝛc. sind. Einige aber sind so beschaffen, daß der menschliche Verstand einige Er⸗ kenntniß derselben erreichen kann durch die allgemeinen Ideen und durch Schlußfolgerungen, die aus der Betrachtung der Creaturen gezogen werden, als: daß ein Gott sei, daß derselbe gut, gerecht und ein Rächer des Verbrechens sei. Die Lehrpuncte der ersten Gattung können durch philoso⸗ phische Argumente nicht bewiesen und bestätigt werden, denn wovon die Phi⸗ losophie durchaus nichts weiß, das kann sie aus ihren Principien nicht be⸗ weisen und bestätigen. Davon redet Ambrosius, wenn er im 1. Buch vom Glauben, im 5. Capitel schreibt: „„Hinweg mit Vernunftbeweisen, wo es sich um den Glauben handelt!““ Jedoch steht nichts entgegen, daß nicht jene Geheimnisse zum Zwecke irgend einer Erläuterung durch gewisse aus dem Buche der Natur genommene Vergleichungen erklärt werden könnten, nur daß es vorsichtig, sparsam und mit Angabe des Statt findenden Unterschiedes geschehe. Auch kann es nicht schlechterdings gemißbilligt werden, wenn man, um die Heiden zu überzeugen, bei Erklärung dieser Geheimnisse Manches aus den Büchern der Heiden anführt, nicht weil anzunehmen wäre, daß sie durch das Licht der Natur zur Erkenntniß derselben gelangen könnten, sondern weil sie dergleichen entweder aus der Lesung der göttlichen Offenbarungen, oder durch den Umgang mit dem Volke Israel, oder aus den Gerüchten von der Predigt *) Luther schreibt in seiner Einleitung zur Auslegung des Propheten Jesaias: „Wer diesen Propheten erklären will, muß zweierlei verstehen: erstlich die Grammatik; jedoch ist die andere Wissenschaft, nehmlich der heiligen Historien, noch nöthiger, zu welcher nicht allein dieses erfordert wird, daß man die Worte und Sylben so, wie sie lauten, verstehe, sondern daß man auch dasjenige, was zur Rhetorik und Logik gehöret, inne habe.“ Zu Jes. 14, 10. macht Luther die Bemerkung: „Derowegen soll uns der so wichtige Irrthum des ganzen Pabstthums, welches diesen Text von dem Fall der Engel angenommen hat, bewegen, daß wir uns die Studia der gelehrten Wissenschaften und der Redekunst lassen anbefohlen sein, als Sachen, die einem Theologo zur Abhandlung der heil. Schrift höchst nöthig sind.“