# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1859_S3 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort zu Jahrgang 1859. 3 und eine desto scheinbarere Farbe gibt sie den Irrthümern“ ꝛc.*) Wir ver⸗ werfen nicht den Dienst, sondern die Herrschaft der Philosophie auf dem Gebiete der Offenbarung, wir verwerfen nicht den formalen, sondern den materialen Gebrauch der Philosophie. Und selbst den materialen Gebrauch weisen wir nur in Betreff derjenigen Begriffe ab, welche nur aus der Offen⸗ barung geschöpft sind. Doch unsere alten Lehrer haben hiervon besser ge⸗ schrieben, als wir es zu thun im Stande sind. Sie lassen wir daher reden. So schreibt z. B. Johann Gerhard: „Der Gebrauch der Philosophie in der Theologie ist ein dreifacher, ein organischer (als Werkzeug dienend), ein katasteuastischer (zum Beweisen dienend) und ein anasteuastischer (zum Widerlegen dienend). Der orga⸗ nische Gebrauch erstreckt sich am weitesten; um der Lehrdarstellung willen kann er auf gewisse Hauptstücke zurückgeführt werden; um die Sache aber recht zu verstehen, müssen wir die Eintheilung der philosophischen Wissen⸗ schaften vorausschicken. Man theilt sie nehmlich in Instrumental⸗ und Real⸗Philosophie ein. Zur Instrumentalphilosophie gehört die Logik und Rhetorik (die Grammatik gehört zur Sprachwissenschaft); zur Realphilosophie gehören theils theoretische Wissenschaften, als Meta⸗ physik, Physik, Mathematik, theils praktische, als Ethik, Politik, Oekonomik. 1. Was alle Theile der Philosophie zusammen genommen, sowohl die realen, als die instrumentalen überhaupt betrifft, so sagen wir, daß die Erkenntniß derselben den Geist des Menschen aufweckt, schärft, vorbereitet und ihm die Fertigkeit gibt, in jedem Studium der höheren Disciplinen un⸗ gehinderter und mit geringerer Mühe fortzuschreiten, welchen vorbereitenden Nutzen sie auch dem zukünftigen Theologen leisten. 2. Was die einzelnen Theile der Realphilosophie insonderheit betrifft, so sagen wir, daß die Kenntniß derselben der Theologie in der Erklärung gewisser Begriffsbe⸗ zeichnungen (terminorum) dienlich ist. Die Theologie bedient sich aber einer doppelten Gattung von Begriffsbezeichnungen; einige finden sich dem Wort⸗ laut nach in der Schrift, welche biblische genannt werden, andere sind von den kirchlichen Schriftstellern und Lehrern angenommen worden, und finden sich zwar nicht dem Wortlaut nach, aber doch dem Sinne nach in der Schrift, daher sie kirchliche heißen. In jeder von beiden Gattungen kommen einige vor, zu deren genauerer Erklärung die Philosophie etwas beiträgt. So sind die Worte: Ding, gut, wahr, vollkommen, endlich, unendlich, Person, Existenz, Wesen, Wirklichkeit, Möglichkeit u. s. w. Begriffsbezeichnungen aus der Metaphysik, daher auch die Kenntniß der Me⸗ taphysik zur Erklärung derselben etwas beitragen kann. Zeit, Ort, Him⸗ mel, Erde, Meer, Feuer, Schnee, Hagel, Regen, Seelen⸗ kräfte u. s. w. sind Begriffsbezeichnungen der Physik, daher der Theolog die Erklärung derselben der Physik entnimmt. Von den Reisen der Patriarchen, *) S. Einleitung in die Religionsstreitigkeiten innerhalb der ev.⸗luth. Kirche von Walch. Bd. IV. S. 518. Vgl. Buddeus' Isagoge p. 259 über Wenceslaus Schilling, der den Kampf Hofmann's gegen jeden Gebrauch namentlich der Metaphysik wieder aufnahm.