# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1859_S2 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 2 Vorwort zu Jahrgang 1859. unserer Tage zu vertheidigen; sondern offenbar vielmehr dies: jene Lehre jetzt besser darzustellen, dieselbe zu vervollständigen, zu reinigen und fortzuent⸗ wickeln. Diese Anschauung ist namentlich in Deutschland so geläufig gewor⸗ den, daß, nur Ein Beispiel anzuführen, Pfarrer Löhe der Jowa⸗Synode den Vorschlag gemacht hat, selbst in die Gemeindeordnungen folgenden Passus aufzunehmen: „Da es innerhalb der treu lutherischen Kirche dennoch ver⸗ schiedene Richtungen gibt, so unterlassen wir nicht, hiermit derjeni⸗ gen öffentlich beizupflichten, welche auf dem Wege (!) der Symbole an der Hand des göttlichen Wortes einer größeren Vollendung der evan⸗ gelisch⸗lutherischen Kirche entgegenstrebt.“*) Je eingreifender und für die Zukunft unserer Kirche entscheidender dieser bezeichnete, immer allgemeiner werdende Grundsatz ist, um so nöthiger achten wir es, daß wir uns bei Gelegenheit des Anfangs eines neuen Jahrgangs unserer theologischen Zeitschrift über denselben aussprechen. Wir achten denselben aber — um es sogleich ohne Umschweife auszu⸗ sprechen — für durchaus falsch; und zwar darum, weil wir nicht nur glauben, daß es eine sichtbare Kirche geben könne, welche durchaus reine Lehre hat und bekennt, sondern auch, daß unsere evangelisch⸗lutherische Kirche eine solche ist, und gründen uns hierbei auf das Wort des HErrn: „So Ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Joh. 8, 31. 32. Auf Grund dieser Verheißung glauben wir nehmlich erstlich, daß die seligmachende Wahrheit nicht ein Problem ist, das der Mensch erst zu lösen hätte, sondern daß sie klar und deutlich schon in Christi Wort enthalten ist; nicht eine Art Philosophie, die einer ewigen Fortentwickelung, Weiterbildung und Verbesserung bedürftig oder nur fähig wäre, sondern daß sie etwas in der Schrift bereits fertig Vorliegendes ist; nicht ein babylonischer Thurm, an dessen Bau die Theologen bis an den jüngsten Tag zu arbeiten hätten, son⸗ dern daß sie ein längst vollendetes himmlisches Gebäude ist, an welches bereits die Propheten und Apostel die letzte Hand gelegt haben. Jede Zusätze hierzu, jede angeblichen Ergänzungen aus irgend welcher philosophischen Disciplin sind uns daher nichts als Gifttropfen in den lauteren Brunnen der himm⸗ lischen Wahrheit, indem wir eingedenk sind der apostolischen Warnung: „Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre, und nach der Welt Satzungen, und nicht nach Christo.“ Col. 2, 8. Wohl leug⸗ nen wir nicht, daß es auch einen heilsamen Gebrauch der Philosophie von Seiten des Theologen gebe. Wir stimmen nicht mit dem helmstädter Theo⸗ logen Daniel Hofmann überein, welcher schrieb: „Je mehr die mensch⸗ liche Vernunft durch das Studium der Philosophie ausgebildet wird, eine desto gerüstetere Feindin ist sie, desto heftiger richtet sie sich wider die Theologie *) S. Kirchliche Mittheilungen aus und über Nord⸗Amerika. Jahrg. 1858. Nro. 8.