# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1859_S1 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang V. Januar 1859. No. 1. Vorwort zu Jahrgang 1859. Die römische Kirche behauptete von jeher und behauptet noch, die Kirche bekomme auch in Betreff von Glaubensartikeln und göttlichen Verordnungen im Verlaufe der Zeit immer mehr Licht. Noch vor wenigen Jahren haben wir es selbst erlebt, daß der gegenwärtige Pabst die Lehre von der unbefleckten Empfängniß der gebenedeiten Jungfrau für einen Glaubensartikel de cathedra erklärte, und zugleich aussprach, daß dies keinesweges ein neuer, sondern ein ihm nur als solcher jetzt erst offenbarter sei. Dieses letztere Vorgeben war kein neues Figment. Schon der spanische Jesuit Maldonatus, dieser be⸗ rühmte Exeget der römischen Kirche (gest. 1583), der freilich gerade wegen seiner Leugnung der Nothwendigkeit des Glaubens an jene unbefleckte Em⸗ pfängniß bei den Seinen zum Theil anrüchig wurde, schreibt in seinem Com⸗ mentar zum Evangelio Johannis über die Worte: „Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“ (Joh. 16, 12.), Folgendes: „Aus dieser Stelle erhellt, daß Christus nicht alles gesagt habe, was er zu un⸗ serer Seligkeit nöthig achtete, und es ist zu glauben, daß der heilige Geist dasselbe gethan, daß er nehmlich der Kirche nicht alles auf einmal offenbart habe, weil sie nicht alles zugleich tragen konnte, sondern daß sie, wie sie an Alter wuchs, auch an Erkenntniß zunahm.“ Daß auch die Schwärmer, namentlich die Wiedertäufer, von einem immer neuen Lichte geträumt haben, das durch sie der Kirche aufgehe und dieselbe dem „vollkommenen Alter Christi“ entgegenführe, ist bekannt. Schon Carlstadt behauptete, wie Luther in seiner Auslegung des ersten Briefes Johannis (zu 1 Joh. 5, 1.) bemerkt: „Es sei nicht alle Schrift offenbaret.“ Aehnliche Gedanken haben sich jetzt, wie nur zu offenbar ist, der meisten angesehenen Theologen auch innerhalb unserer lutherischen Kirche bemächtigt.*) Nicht das sehen sie für ihren Beruf an, die Lehre der Kirche der Vergangen⸗ heit wieder an das Licht zu ziehen und gegen die neue angebliche Weisheit *) Solcher Theologaster, wie des Dr. Benj. Kurtz, der vor einigen Jahren schrieb: nicht wir seien die Kinder und unsere alten Lehrer die Väter, sondern umgekehrt, wir mit unserer natürlich nun größer gewordenen Erkenntniß seien die Väter und die alten Lehrer gegen uns nur Kinder — ganz zu geschweigen. 1