# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1864_S382 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 382 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. II. Ausland. Landeskirchenthum. Selbst Pastor Rocholl, der durch ein Bundeskirchenregiment Vertriebene, sieht doch in der Form der Bundeskirche den eigentlichen Hoffnungsanker für die Kirche. Er hielt auf der Pastoral-Conferenz zu Hannover am 19. Juni 1862 einen Vortrag „Volkskirche und Freikirche," dessen Grundzüge in der Guericke'schen Ztschr. von diesem Jahre S. 725 f. wie folgt dargestellt werden: „Wohl kann das Landeskirchliche seine Gefahren haben und sie sind vorhanden in schlechtem Territorialismus, Bureaukratismus, in der constitutionellen Form des Staates mit Ministerien, die den gemischten Kammern verantwortlich sind — der Verf. verschließt seine Augen nicht gegen diese Gefahren; allein theils liegen dieselben nicht in der Landeskirche an sich und lassen sich darum auch wieder von ihr abthun, theils reichen die Gefahren nicht an diejenigen, welche die Religionsfreiheit nothwendig gebiert. Das Gerede aber von den todten Massen der Gemeinden in der Landeskirche, von denen die Erweckten ausziehen müßten, von dem Abfall, der durch Verbindung der Kirche mit dem Staate geworden, bezeugt wenig von tragender und hoffender Liebe und schmeckt stark nach Baptismus. Der principiellen Lust zur Freikirche, welche aus der reformirten Kirche mit dem Westwinde zu uns herüberkommt, ist deshalb zu bedenken zu geben, daß die lutherische Kirche in Form der Freikirche eben diese Kirche nicht bleiben kann. Die aus Noth gewordenen lutherischen Freikirchen — „„hier ein Fähnlein, dort ein Fähnlein"" — tragen schwere Gefahren in sich, mächtiger als die Selbstverleugnung der Heiligen, die sie allein beseitigen könnte. Der Hauptfeind in ihr ist der Sectengeist, den der Bruch mit der Geschichte und Tradition erzeugt, welcher sich in den Gemüthern unfehlbar als Bruch mit dem geschichtlichen Sinne vollzieht. Hieraus dann jener Subjectivismus, der sich nicht beugt, nicht wartet, nur Fertiges sehen will, der unruhigen Agitation verfällt, Nebenfragen zu kirchentrennenden Factoren erhebt und den Gemeinden den Ausdruck eines krankhaft Verzerrten gibt. Einen starken Hebel hat dieser Geist darin, daß diese Freikirchen ihren Ursprung in der Form des gesellschaftlichen Vertrages haben, welchen sie auch nicht werden verleugnen können, so daß der Schwerpunct in der Gemeinde bleiben wird, welche weiß „„wie man Kirchen macht."" Statt des bisherigen monarchischen und aristocratischen Laienelementes muß daher das demokratische die sociale Unterlage hergeben. „„Gegen die Züge, die dem neuen kirchlichen Wesen damit eingegraben werden, schützen keine Bekenntnisse. Sie schützen weder vor dem Independentismus, noch vor dem Chiliasmus, dem Seufzer, den die Sectenform auspreßt."" Man wende nicht ein, das Dogma macht die Kirche und in Erhaltung reiner Lehre liegt die conservative Stütze auch der Freikirche. Denn nicht das Dogma allein constituirt die Eigenthümlichkeit der lutherischen Kirche, sondern das Dogma und die sociale Unterlage. — Dieses den Grundzügen nach der Inhalt des vorliegenden trefflichen Vortrages, der auch im Wesentlichen der Gedanken-Ausdruck der zur Conferenz versammelten Pastoren gewesen sein dürfte." Die Lehre von Christi Höllenfahrt wird von Pastor H. O. Köhler zu Gr. Vielen in Mecklenburg, aus dessen Feder schon mehrere vortreffliche Auffäße in der Guericke'schen Zeitschrift erschienen sind, in ausgezeichneter Weise in einem Auffaße in genannter Zeitschrift von diesem Jahre (4. Quartalheft) behandelt. Das Resultat gibt der theure Mann in folgenden Worten selbst an: „Für die Glaubenslehre resultirt also Folgendes: Nachdem die Todesbande durch die ζωοποίησις gelöst, und der Leib Christi auferweckt worden zu einem geistlichen Leben, ist Christus (d. h. der ganze Christus, Gott und Mensch mit Leib und Seele) als der lebendige und als der Siegesfürst zur Hölle gefahren. Seine Waffe gegen dies Reich war das Schwert des Geistes, das Wort seiner Predigt, nicht einer berufenden und erlösenden, sondern einer richtenden und niederschmetternden Predigt. Ihm selber kann der Tod, und der des Todes Gewalt hat, nichts mehr anhaben, denn er steht nunmehr im geistlichen Leben da; ebenso wenig aber den Seinigen, denn Haupt und Glieder sollen gleich sicher wohnen. In der Höllenfahrt liegt demnach für uns Christen der Trost, wie der Dresdener Kreuzkatechismus so schön sagt: „„wenn wir bedenken: Christus habe in seiner Höllenfahrt über den Satan triumphirt; also daß nun alle, die an ihn glauben, von der Hölle erlöst, in den Himmel kommen und selig werden sollen.""