# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1864_S380 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 380 Vermischtes. Ein gelehrter Neger über Sclaverei. In den Actis historico-ecclesiasticis wird von einem Neger erzählt, daß er als ein Kind von 7 oder 8 Jahren, seiner Eltern bereits beraubt, an einen holländischen Schiffscapitän mit Namen Arnold Steenhart verkauft wurde, der an einem Plaß der afrikanischen Küste, Rivier vom S. Andreas genannt, gelandet war. Dieser schenkte den jungen Neger seinem Freunde Jakob von Hoch, einem zur afrikanischen Compagnie gehörigen Kaufmann, der sich in Guinea damals aufhielt. Letzterer legte dem ihm Geschenkten den Namen Capitein bei, faßte eine väterliche Zuneigung zu ihm und nahm ihn nach einigen Jahren auf seiner Rückreise nach Europa mit und zwar nach seinem Geburtsorte Gravenhaag. Der Neger nahm hier nicht nur den erhaltenen Unterricht in Gottes Wort mit Freuden an, so daß er bald die Taufe und in derselben die Namen Jakob Elisa Johann erhielt, sondern zeigte auch ebensoviel Lust als Gabe zum Studiren, um nach erhaltener Ausrüstung dazu seinen armen elenden Brüdern nach dem Fleische in deren Muttersprache das Evangelium predigen zu können. Sein Wunsch wurde ihm gewährt. Nach einem siebenthalbjährigen Schulcursus zur Erlernung namentlich der lateinischen, griechischen, ebräischen und chaldäischen Sprache, studirte er noch 4 Jahr lang in Leyden Theologie. In einer bei seinem Abgange von der Haagischen Schule auf die Universität gehaltenen Rede handelte unser Neger von der Berufung der Heiden, und zeigte damit, daß er sein Ziel, seiner Zeit als Missionar auszugehen, über den Sprachstudien nicht aus den Augen verloren hatte. Besonders merkwürdig aber ist eine lateinische Dissertation, welche unser Capitein kurz vor seinem Abgange von der Universität im Jahre 1742 niederschrieb, und unter dem Präsidium des berühmten reformirten Theologen von den Honert in einer öffentlichen akademischen Disputation selbst vertheidigte, worauf er dem Berufe nach dem Castell St. George auf d'Elmira in Guinea folgte und dort als Missionar unter den Negern wirkte. Die genannte Dissertation hatte merkwürdigerweise zum Thema: "De servitute libertati christianae non contraria,"*) d. i. daß die Sclaverei der christlichen Freiheit nicht widerstreite. In den Actis wird ein weitläufiger Auszug aus dieser, 10 Bogen im Druck umfassenden, gründlichen Dissertation mitgetheilt, welche wohl werth wäre, hier auch mitgetheilt zu werden, zur Beschämung der jetzt sich breit machenden abolitionistischen Aftertheologie, Schriftverdrehung und Geschichtsverfälschung, durch einen Neger, der einst selbst ein Sclave war und ausging, den Sclaven das Evangelium zu predigen, aber nicht das neue Humanisten- und methodistische Evangelium von einer weltlichen und fleischlichen, sondern das alte Evangelium von der christlichen, geistlichen Freiheit, nämlich von der Sclaverei des Teufels, der Sünde und des Todes. (S. Act. hist.-eccles. Bd. VI, S. 963 — 982.) *) Diesen lateinischen Titel theilt die Unpartheiische Kirchen-Historie mit, Bd. IV, S. 510. ────◆◆────