# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 07 19_S203 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) reinen Lehre dienen, ſo ſtand doch mit Grund zu hoffen, daß der „Kirchenfreund“ mittelbar unſerer heiligen Sache die weſentlichſten Dienſte leiſten, den Sinn für gründliche Wiſſenſchaft wecken, manchen hier von dem Kampfplatz faſt gänzlich abgeſchnittenen einſamen Prediger in lebendiger Geiſtesverbindung mit ſeinen kämpfenden Brü⸗ dem und in Bekanntſchaft mit den Lebensfragen unſerer Zeit auf dem Gebiete der Theologie er⸗ halten und, anfeuernd zum Forſchen, Beten und Handeln, auf die großen Aufgaben aufmerkſam machen werde, deren Löſung die Kirche unſerer Tage zu erzielen hat. Je weniger wir nun Urſache haben, uns dieſer Freude und Hoffnung jetzt, nachdem der Kirchen⸗ freund in ſieben Monatsheften erſchienen iſt, zu ſchämen, zu deſto größerer Freude fühlen wir uns gegenwärtig bewegt, da wir mit Obigem unſern theuren Brüdern im Amte den Proſpectus zu einer ähnlichen theologiſchen Zeitſchrift haben mittheilen können, die es ſich zum Ziele geſetzt hat, einen Sprechſaal zu eröffnen, in welchem unſerer Kirche und den Bekenntniſſen ihres goldreinen Glaubens das Wort geredet werden ſoll. Zwar iſt uns der Herausgeber, Herr Profeſſor Reynolds, nicht näher bekannt, doch wiſſen wir ſo viel von ihm, daß er nicht nur ein wiſſenſchaft⸗ lich gründlich durchgebildeter und namentlich auch in der älteren und neueren theologiſchen Literatur unſeres deutſchen Vaterlandes wohlbewanderter Mann iſt, ſondern auch der herrſchend gewordenen ſogenannten amerikan iſch-lutheriſchen (das iſt, methodiſtiſch⸗zwinglianiſch⸗rationaliſtiſchen) Theo⸗ bgie von Herzen abhold, hingegen der in den in den Symbolen unſerer Kirche niedergelegten Lehre von Herzen zugethan ſein ſoll. Neuerdings iſt Herr Profeſſor Reynolds rühmlichſt bekannt geworden vurch ſeinen Eifer dafür, die calviniſtiſchen und methodiſtiſchen Geſänge, welche in dem gebräuch⸗ lichen engliſch-lutheriſchen Geſangbuche in großer Rehrheit ſich finden, wieder aus demſelben aus⸗ zuweiſen und unſeren alten deutſchen Kernliedern in guten engliſchen Uebertragungen den Platz der⸗ ſelben einzuräumen und ſo dieſen unſchätzbaren Schat unſerer Kirche zu einem Eigenthume auch der engliſch⸗lutheriſchen Kirche zu machen. Hierzu kommt, daß Herr Profeſſor Reynolds erklärt hat, daß es ſeine Abſicht ſei, in ſeinem“ Review“ Ueberſetzungen von den beſten Artikeln über theo⸗ hggiſche Gegenſtände von einem Harleß, Ru⸗ Delbach, Guericke, Sartorius und Andern, ſowohl von bereits erſchienenen als etwa noch von Zeit zu Zeit erſcheinenden, zu liefern; auch iſt der Herr Herausgeber bereit, ſelbſt ſolche gehaltvolle Entwicklungen, Vertheidigungen ꝛc. des luthe⸗ nichen Lehrbegriffs, die ihm von hieſigen luthe⸗ riſchen Theologen nur in deutſcher Sprache eingeliefert werden können, zu berückſichtigen, die Ueberſetzung derſelben in das engliſche Idiom ſelbſt zu beſorgen und ſelbige in ſein Review“ aufzunehmen. Wir halten es daher für unſere Pflicht, alle, denen die Verbreitung reiner Erkenntniß auch unter unſeren engliſchen Brüdern und der Aufbau unſerer Kirche überhaupt unter ihnen am Herzen 199 liegt, auf die Herausgabe dieſer neuen theologi⸗ ſchen Vierteljahrsſchrift aufmerkſam zu machen und zur Unterſtützung dieſes wichtigen Werkes hiermit aufzufordern. * „Das iſt die Hand Gottes.“ Der Menſch prüfe aber ſich ſelbſt, und alſo eſſe er von dieſem Brot, und trinke von dieſem Kelch. (1 Kor. 11, 28.) Zu dem ſächſiſchen Prediger Joh. Biltzing (geſt. 1762) kam ein Mann in den Beichtſtuhl, den er noch gar nicht kannte. Unter der Anrede an ihn merkte er Zeichen einer außerordentlichen Unruhe, und es brach dem Beichtenden der Angſt⸗ ſchweiß aus. Beim Weggehen ſagt Biltzing zu ihm: „Mein Freund, hat Er ſich auch auf die Abendmahlshandlung recht vorbereitet?“ Er antwortete: „Ich denke, ja!“ — „Mein Freund, wiſſen muß Er das, und nicht bloß denken.“ Den Tag darauf predigte Biltzing über Joh. 3, 18. von der Gefahr ungläubiger Sünder. Als darauf die Communion gehalten wurde, ſo ward jener Mann von einer entſetz⸗ lichen Erſchütterung des ganzen Körpers über⸗ fallen, er bebte an allen Gliedern. Mit vieler Mühe nahm ſein Mund das Brot, aber als er den Kelch nehmen wollte, wurden die Convulſio⸗ nen ſo heftig, daß er es nicht konnte. Der Mann beſaß viel Ehrgeiz. und wollte daher die vermeinte Schande, daß er das heilige Abendmahl nicht habe empfangen können, auf friſcher That vertilgen. Er ließ daher den Paſtor bitten, es ihm hernach noch allein zu reichen, und erklärte jene Erſchüt⸗ terung für einen Anfall vom kalten Fieber. Biltzing erinnerte ihn nochmals ernſtlich an die Wichtig⸗ keit der Handlung, und erfüllte nachher ſeinen Wunſch, das Abendmahl öffentlich zu haben. Aber jene Anfälle brachen noch heftiger heraus. Da ſagte der Geiſtliche: „Mein Freund, das iſt die Hand Gottes, laßt uns den HErrn nicht weiter verſuchen; geht nach Hauſe, und prüft Euer Leben und Eure geſchehene Vor⸗ bereitung.“ Noch an demſelbigen Tage ging er zu ihm, und erfuhr, daß er ſeine Frau mit Schlägen übel behandelt hatte, und an demſelben Tage in voller Wuth, ohne Verſöhnung, zur Beichte und zum Abendmahl gegangen ſei. Dieß Beiſpiel wird dadurch noch denkwürdiger, daß dieſer Mann dieß in's vierte Jahr verſchiedene Male verſuchte, öffentlich und beſonders das hei⸗ lige Abendmahl zu genießen, aber er hat nie dazu kommen können, bis er es endlich noch kurz vor ſeinem Ende empfangen, da er auf einem lang⸗ wierigen Krankenlager zur Buße gebracht wurde. Oeffentliche Sünde erfordert öffentliches Be⸗ kenntniß. Als im Jahre 1586 die Ligue (Bündniß) der Katholiken gegen den König von Frankreich, Hein⸗ rich IV., einen Proteſtanten, ſich erhob, ſo hatte dieſer König nicht lange vorher eine ſchwere Miſſethat auf ſich geladen, indem er der Tochter eines vornehmen Mannes in Rochelle ihre Ehre geraubt hatte. Die Kirche hatte ihm dieſe Sünde oft vorſtellen laſſen; er bekannte ſie auch, konnte ſich aber nicht entſchließen, das gegebene Aerger⸗ niß öffentlich zu bekennen und zu bereuen. Einige Tage vor der Schlacht bei Courtras ſprach er mit Mornay, ſeinem Miniſter, von mancherlei beſorglichen Umſtänden. Dieſer be⸗ nutzte die Gelegenheit, und ſprach zu ihm: „Wie gut wäre es nun, mit dem Gotte, der die Siege nach Seinem Gefallen austheilt, verſöhnt zu ſein! — Wie würde es Eure Majeſtät nicht ängſtigen, wenn Gott, um der unterlaſſenen Demüthigung willen, Ihren Waffen den Sieg entziehen müßte, wodurch ſo viele gute Leute ins Unglück geſtürzt werden könnten!“ — Dieſe Vorſtellung ging dem Könige ſo ſehr zu Herzen, daß er ſogleich ſeinem Hofprediger ſagen ließ, daß er Willens ſei, mor⸗ gen ſeine Sünde öffentlich zu bekennen und zu bereuen. Es geſchah denn auch in der Kirche zu Pons, in Gegenwart des ganzen Adels ſeiner Armee, indem der Hofprediger in einer Predigt die Sünde öffentlich rügen mußte. Als hierauf Einige den König bereden wollten, man ſei gar zu ſcharf mit ihm verfahren, antwor⸗ tete er: „Vor Gott kann man ſich nicht genug demüthigen, und nach dem Urtheil der Menſchen nicht wenig genug fragen.“ Auf ähnliche Weiſe ließ er zu Rochelle ſeine Sünde öffentlich ſtrafen. Die Schlacht bei Courtras, die bald darauf er⸗ folgte, wurde von Heinrich gewonnen. Jeſuitiſche Anweiſung, ſpielend in den Himmel (?) zu konimen. In einem im vorigen Jahre herausgekommenen Buche, in welchem der Verfaſſer (Heinrich Bode) Schilderungen von ſeinem Aufenthalte in einem Inſtitute des Jeſuitenordens entwirft, finden wir einen merkwürdigen Beleg dafür, wie unglaublich maſchinenmäßig unter den Jeſuiten die geiſtlichen Uebungen, inſonderheit die des Gebetes, betrieben werden. Herr Bode theilt nemlich Folgendes mit: In den Erholungen iſt den Novizen (den Candidaten des Jeſuitenordens) u. A. erlaubt, Billard und Domino zu ſpielen, und um was wird da geſpielt? — Um Ave Maria. — Wer nemlich verliert, iſt verpflichtet, ſogleich nach ent⸗ ſchiedener Partie niederzuknieen und ein Ave Maria zu beten, welches dem Gewinner an⸗ gerechnet wird. * Ausſchluß. Den Gemeinden, welche nicht getäuſcht ſein wollen in der Wahl ihrer Prediger, zu Lieb fühlen wir uns verpflichtet, hierdurch bekannt zu machen, ldaß der vormalige Paſtor der deutſchen ev.⸗luth. Gemeinde in der Haßler'ſchen Niederlaſſung und der franzöſiſchen ev.⸗lutheriſchen Gemeinde am Saminague, Ill., Herr Pöſchke, der bis daher Glied der deutſchen ev.⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten war, von derſelben darum ausgeſchloſſen worden iſt, daß derſelbe die in der Conſtitution der Synode (Cap. II, § 5.) geſtellte Bedingung: „Unbeſcholtenheit des Wan⸗ dels der Prediger“, nicht erfülle. Reſignation. Der bisherige Paſtor der deutſchen ev.⸗luth. Gemeinde zu Pomeroy, Meigs County, Ohio, E. Romanowsky, hat, nachdem ſeine Ge⸗ meinde in Betreff ſeines Amtseifers ihre Unzu⸗ friedenheit ausgedrückt hatte, auf ſein Amt ſofort reſignirt. Erinnerung an den Tag der Confirmatian. D. A. F. Büſching, Schuldirector in Berlin, welcher 1793 ſtarb, und zu Anfang des Jahres 1741, nach einer zweckmäßigen Vorbereitung, von einem würdigen Geiſtlichen confirmirt ward, ſetzte für ſich und ſeinen Freund Dilthey einen Bun⸗ desvertrag mit Gott zur Confirmation auf, und beide erneuerten, ſelbſt in der Entfernung von einander, alle Jahre an ihrem Confirmationstage dieſen Vertrag zur Stärkung ihres Glaubens und ihrer Liebe. *