# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1864_S370 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 370 Correspondenz aus Deutschland. völlig gegen alle Angriffe in Schutz nahm (besonders die sämmtlichen Mitglieder des O. K. C. legten vor der Synode die feierliche Erklärung ab, daß sie sämmtlich solidarisch für Huschke und sein ganzes Lehrsystem einständen); theils schmerzte uns das unerwartete Verhalten Einzelner, die sich für die Sache der Wahrheit zum Theil bekannt hatten und nun sich ganz auf Breslauer Seite stellten. So war es namentlich mit den Pastoren Feldner und Eichhorn, die fast unter allen am heftigsten für das O. K. C. und wider uns stritten, und zwar um so betrübender, da gerade sie beide nirgends auf Erörterung der Lehrfragen sich einließen, sondern bloß das Interesse des äußern kirchlichen Friedens sie blind gegen uns einnahm. Daher wiederholte sich denn im Ganzen auf der Synode dasselbe, was schon die Vorsynode gezeigt hatte: das O. K. C. mit der großen Majorität dominirte völlig, und es war nur eine kleine enggeschlossene Oppositionspartei, die ihm entgegenstand. Ein großer Gewinn war jedoch für unsre Opposition, daß das gesammte Diedrich'sche Element ausgeschieden war und wir durch Gottes Gnade einig und fest geschlossen unter uns da standen. Um so lauterer und kräftiger war das Zeugniß der Wahrheit, das wir ablegen konnten. Für mich aber lag darin eine doppelte Freude, denn im Jahr 1860 auf der vorigen Synode war ich noch der Einzige, der damals ganz allein gegen Breslau, wie gegen die damalige Diedrich'sche Opposition, stand und gegen beide Extreme kämpfte; nun war die Diedrich'sche Partei ausgeschieden, ich aber hatte die Freude, eine wenn auch nur kleine Schaar treuer Freunde und Mitkämpfer um mich vereint zu sehen, die jetzt mit mir von gleichem Glaubensgrunde gegen die falsche Breslauer Lehre kämpften. Das ist mir ein unaussprechlicher Trost und herrliche Erquickung gewesen in den sonst so schweren Breslauer Tagen. Was nun den äußern Gang der Verhandlungen betrifft, so wurde zwei Tage, den 10. und 11. October, über unsre Anklage der Irrlehre, die wir gegen das O. K. C. erhoben hatten, gestritten. Aufs äußerste setzte man uns zu, diesen Vorwurf der Irrlehre und des dadurch gegebenen öffentlichen Aergernisses zurückzunehmen; man bot uns Frieden, Freundschaft und Alles an, wenn wir nur dieses Eine Wort „Irrlehre" zurücknähmen, man bestürmte uns förmlich bald mit süßen, bald mit sauern Worten. Es waren tief bewegte ernste Tage. Namentlich setzte uns Consistorialrath Münchmeier aus Hannover, der als Gast gegenwärtig war, hart zu. Doch Gottes überschwängliche Gnade erhielt uns fest und unbeweglich und wir wichen unsern Gegnern nicht, wiewohl einmal, vielleicht in dem schwersten Augenblick der Synode, unser Zeugen-Häuflein bis auf vier Mann zusammengeschmolzen war. Mit großem Verdruß sahen denn die Meisten das falsche Friedenswerk scheitern und am Abend spät des 11. October mußte nun doch zur Abstimmung über unsre Anklage geschritten werden und mit großer Majorität wurde nun unsre Anklage verworfen und das O. K. C. freigesprochen. Aber nun begann der zweite Abschnitt des schweren Kampfes. Am folgenden Tage nehmlich brachte das O. K. C. den Antrag vor die Synode, eine von Past. Nagel aufgestellte Lehrnorm, die mit großer Vorsicht zwar