# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1864_S368 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 368 Correspondenz aus Deutschland. bloß über die Lehre verhandelt. Fünfzehn Mitglieder der Versammlung standen auf Breslauer Seite, fünf auf unsrer; auf jener führten Huschke, Nagel und Besser das Wort, auf unsrer Lohmann, Frischmuth und ich. So sehr aber die Redlichkeit anzuerkennen ist, mit der nicht nur unsre Gegner uns zum Worte und zur Bezeugung unsres Glaubens kommen ließen, sondern auch ihrerseits nur auszusprechen schienen, was ihnen zur wirklichen Ueberzeugung geworden war, ebenso tief betrübend und niederschlagend war uns die Erfahrung, die das Resultat aller unsrer Verhandlungen bildete: daß der schwere Irrthum in der Lehre von Kirche und Amt so tief und gänzlich den Geist unsrer Widersacher eingenommen, daß in keinerlei Weise uns gelang, in die geschlossene Mauer ihres Systems auch nur die geringste Lücke zu brechen; mit bewundernswerther und erschreckender Kunst der Dialectik verstand besonders Director Huschke alle unsre Argumente zu umgehen und auf Seitenwegen zu entschlüpfen. Der Ausdruck der Symbole: „eigentliche Kirche" wurde dahin mißdeutet, daß hiermit nur zu verstehen sei: „die rechtbeschaffene Kirche," d. h. die Gläubigen, die Glieder der Kirche sind, so wie sie sein sollen, was nicht ausschließe, daß die Ungläubigen auch Glieder des Leibes Christi seien, nur keine rechten, wie sie sein sollen. Wir konnten in dieser Auslegung der Symbole natürlich keinen Fingerbreit weichen, trotz alles lauten Protestes gaben aber die Gegner nicht nach, nahmen vielmehr mit großer Sicherheit den Wortlaut der Symbole, wie sie vorgaben, für sich in Anspruch, so daß uns endlich nur die Erklärung übrig blieb, daß wir in unserer Auffassung der Symbole uns nicht könnten irre machen lassen, sondern auf derselben als einfältiger Gewissensüberzeugung beharren müßten. Wir schlossen die Verhandlungen mit dem tief beugenden Eindruck, daß unser Glaubenszeugniß völlig fruchtlos geblieben, vielmehr Alles, was wir geredet, wie an einer eisernen Mauer abgeprallt sei. Wir hatten gehofft, daß manche Glieder des Breslauer Anhangs wenigstens in den schroffsten Spitzen des Huschke'schen Systems sich gegen dasselbe erheben und mit uns zu einem Zeugnisse gegen solche zum Theil auf dem Gebiet unsrer Kirche bis jetzt unerhörten Behauptungen sich vereinigen würden. Doch vergeblich. Es sind zwar ohne Zweifel manche da, die nicht völlig mit Huschke stimmen, aber theils erkennen sie nicht hinreichend die eigentlichen Wurzeln der falschen und resp. reinen Lehre in den fraglichen Puncten, um ein selbstständiges Urtheil zu haben, theils imponirt und dominirt die Gelehrsamkeit und Dialectik Huschke's so völlig, daß niemand wagt, auch nur den Mund dagegen aufzuthun, um buchstäblich zu reden. — So stehen bis jetzt die Dinge, heute ist nun die Synode selbst eröffnet worden und ich hoffe innerhalb weniger Tage wird die Frage unserer Trennung von Breslau entschieden sein. Mit dem nächsten Postschiff gebe ich Ihnen Nachricht darüber, wie ich hoffe, ehe Ihre Synode in Fort Wayne sich trennt. Aussicht zum Bessern ist wenig. Die Breslauer Partei selbst hat gethan, was wir nicht für denkbar möglich hielten: sie hat einen Antrag an die Synode gestellt, dieselbe möge ihre, d. h. also Huschke's Lehre von Kirche und Amt mit Verwerfung der